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Objekt aus dem All: Feuerball erleuchtete Himmel in Norddeutschland

Es sah aus wie eine leuchtende Kugel, die im Flug spektakulär zerbrach: Eine Himmelserscheinung hat zahlreiche Menschen in Norddeutschland am Abend in Atem gehalten. Meteoritenfans rätseln nun darüber, ob und wo Trümmer des kosmischen Geschosses die Erde erreicht haben könnten.

DPA

Berlin - Ziemlich genau um 19 Uhr am Dienstagabend leuchtete der Himmel über Teilen Deutschlands. Wenig später meldeten sich bei Polizeistationen und Feuerwehren in Bremen, Hamburg und Niedersachsen Augenzeugen, die von einer "brennenden Kugel" oder einem "leuchtenden Gegenstand am Himmel" berichteten.

Nach Angaben eines Polizeisprechers in Bremen haben einige der Anrufer beobachtet, dass die Kugel "zerbröselt und zu Boden gefallen" sei. Um einen Flugzeugabsturz habe es sich dabei nicht gehandelt. "In Bremen und Niedersachsen sind keine Einschläge gefunden oder Schäden festgestellt worden", sagte der Sprecher. "Wir gehen davon aus, dass es sich um einen Meteoriten gehandelt hat."

In einschlägigen Internetforen wurden daran kein Zweifel geäußert. "Ich sah im Augenwinkel einen hellen, weißen Punkt, etwa wie die Venus, aber deutlich heller. Der wurde dann plötzlich sehr hell und ausgedehnt, tropfenförmig, färbte sich weiß-grünlich, wie brennendes Magnesium, und begann, einen rot-schwarzen Rauchschweif hinter sich her zu ziehen", heißt es in einem Beitrag. "Wir haben es mit einem detonierenden Meteor zu tun", sagt der deutsche Meteoritensucher Thomas Grau im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Es habe sich um ein steinernes Objekt gehandelt.

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Meteorit: Glühendes Geschoss aus dem All

"Leider war das etwas früh am Abend. Deswegen war der Himmel noch zu hell für unsere Kameras", sagt Wilfried Tost vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Das automatische Beobachtungsnetzwerk nehme zu dieser Jahreszeit seinen Dienst erst um 19 Uhr 45 auf.

Grau kann der Tageszeit durchaus auch Positives abgewinnen. Immerhin sei die Zahl der Augen- und Ohrenzeugen dadurch viel größer als bei Vorfällen, die sich mitten in der Nacht ereigneten und dann weitgehend unbemerkt blieben. Außerdem habe die Meteorwolke im Abendlicht noch gut geleuchtet, was für Fotoaufnahmen ideal gewesen sei.

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Interessant findet DLR-Mitarbeiter Tost die Augenzeugenberichte, laut denen der Feuerball vier bis fünf Sekunden lang sichtbar war: "Das ist schon sehr viel." Auch Berichte über Geräusche deuteten darauf hin, dass Bruchstücke der Feuerkugel zumindest niedrige Atmosphärenschichten erreicht hätten. Tost weist darauf hin, dass eventuell Trümmerteile des Meteoriten in Dänemark zu Boden gegangen sein könnten. "Er könnte auch ins Wattenmeer gestürzt sein", sagt Thomas Grau.

Der Meteoritensucher hatte im Frühjahr auf der dänischen Insel Lolland 30 Gramm eines Meteoriten aufgespürt, der Mitte Januar über Nordeuropa beobachtet worden war. Im Jahr 2002 waren in Deutschland nahe Neuschwanstein Reste einer Feuerkugel gefunden worden. Um eines der Fundstücke wurde sogar vor Gericht gestritten. Grau hatte beim Verkauf Geld verdient.

Meteoritenfunde sind selten - nicht zuletzt, weil die Reste kaum von gewöhnlichen Steinen zu unterscheiden sind. Deshalb stammen viele Funde aus der Antarktis, wo die schwarzen Stücke auf Eis und Schnee gut erkennbar sind. Aber auch in der Wüste Sudans konnten Forscher in diesem Frühjahr einen Erfolg vermelden: Suchtrupps unter Leitung von Peter Jenniskens vom Seti-Institut im kalifornischen Mountain View trugen insgesamt 47 Bruchstücke mit einem Gesamtgewicht von fast vier Kilogramm zusammen.

chs/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
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1. .
Poisen82, 14.10.2009
Habe soetwas vor 2 Jahren über Bottrop gesehen. Ein grüner Ball mit schweif der langsam auseinanderbröselte, dauerte vielleicht 3-5 Sekunden. Dachte eigentlich immer das es sich bei soetwas um Weltraummüll handelt (wegen der Farbe und langsamen Geschwindigkeit) naja nun bin ich schlauer.
2. Aha
Holperik, 14.10.2009
Zitat von sysopEs sah aus wie eine leuchtende Kugel, die im Flug spektakulär zerbrach: Eine Himmelserscheinung hat zahlreiche Menschen in Norddeutschland am Abend in Atem gehalten. Meteoritenfans rätseln nun darüber, ob und wo Trümmer des kosmischen Geschosses die Erde erreicht haben könnten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,655026,00.html
Solange sie mir nicht aufs Haus fallen, ist's mir wurscht, ansonsten, kommen sie runter und werden gefunden, hat man was zum Forschen, tun' sie's nicht, dann hat man was zum Spekulieren.
3. Im Norden
Foul Breitner 14.10.2009
Harry Peter Peter Harry Carstensen hat den Norden jedenfalls nicht erleuchtet.
4. Die folgenden Fehler traten bei der Verarbeitung auf:
Maschinchen, 14.10.2009
Zitat von sysopEs sah aus wie eine leuchtende Kugel, die im Flug spektakulär zerbrach: Eine Himmelserscheinung hat zahlreiche Menschen in Norddeutschland am Abend in Atem gehalten. Meteoritenfans rätseln nun darüber, ob und wo Trümmer des kosmischen Geschosses die Erde erreicht haben könnten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,655026,00.html
Was mir dazu spontan einfiel: Sonnenaufgang?
5. Auf den zukünftigen Außenminister kommen neue Aufgaben hinzu
Berto v. Klick 14.10.2009
Zitat von Poisen82Habe soetwas vor 2 Jahren über Bottrop gesehen. Ein grüner Ball mit schweif der langsam auseinanderbröselte, dauerte vielleicht 3-5 Sekunden. Dachte eigentlich immer das es sich bei soetwas um Weltraummüll handelt (wegen der Farbe und langsamen Geschwindigkeit) naja nun bin ich schlauer.
Diese Erscheinungen haben wir hier oben schon lange, wahrscheinlich ein mißglückter Landeversuch: http://www.schwochow.de/kornkreise/angeln97/index.html Auf den zukünftigen Außenminister Lügenwelle kommen neue Aufgaben hinzu.
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Ein Meteoroid ist ein kleines, festes Teilchen, das sich auf einer Ellipsenbahn um die Sonne bewegt. Manche kommen dabei in die Nähe der Erde. Dringen sie in die Atmosphäre ein, werden sie zum Meteor, und es kommt zu einer Leuchterscheinung.
Meteore, auch Sternschnuppe genannt, sind Meteoroide, die in die Erdatmosphäre eingedrungen sind. Wegen der starken Reibung fangen sie an zu leuchten.
Ein Meteorit ist der nicht verdampfte Rest eines Meteors, der die Erdoberfläche erreicht hat.
Als Bolid oder Feuerkugel bezeichnet man besonders helle und lange leuchtende Meteore. Ein Bolid besteht aus Stein oder Metall. Häufig erreichen Reste eines Boliden die Erdoberfläche, beispielsweise 2002 nahe Neuschwanstein.


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