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Origami-Experiment: Japaner schicken Papierflieger ins All

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Der etwas andere Belastungstest: Wissenschaftler wollen einen Papierflieger aus der Raumstation ISS werfen, damit er zur Erde segelt. Die Forscher stellen sich erstaunliche Fragen - vor allem: Übersteht das Spielzeug die heiße Reise zurück?

An der Universität von Tokio arbeitet derzeit ein Team von Fachleutern für Luft- und Raumfahrt an einem Raumgleiter der etwas anderen Art. Die Wissenschaftler um Shinji Suzuki arbeiten dafür mit einem für Forscher eher untypischen Kooperationspartner zusammen - der Japan Origami Airplane Association. Gemeinsam wollen die Flugzeug- und die Papierflugzeugingenieure ein Papierfliegermodell bauen, das ins All geschickt werden und von dort aus zur Erde zurückstürzen kann.

Die japanische Zeitung "Asahi" berichtet, ein acht Zentimeter langer Prototyp werde in diesen Tagen bereits getestet - und zwar in einem Hochgeschwindigkeitswindkanal. Der Papierflieger soll eine ähnliche Form haben wie ein echtes Space Shuttle. "Wir führen Gespräche mit der japanischen Weltraumbehörde Jaxa, um einen echten Flug zu organisieren", erklärte Suzuki auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Die Idee zu dem Experiment sei ihm gekommen, als er vor zehn Jahren den Chef der Origami Airplane Association beraten habe, als der ein drei Meter langes Papierflugzeug für eine Fernsehsendung bauen wollte.

Die Universität von Tokio besitzt auf ihrem Okashiwa-Campus eine Röhre, in der Windgeschwindigkeiten bis Mach 7, das heißt bis zu 8600 Kilometer pro Stunde, auf das Origami-Flugzeug einwirken. Denn die Frage, die Forscher und Falter interessiert ist: Kann ein Papierflieger den Wiedereintritt in die Atmosphäre überstehen?

Der erste Test verlief erfolgreich: "Das Origamiflugzeug wurde 10 Sekunden lang dem Überschall-Wind mit Mach 7 ausgesetzt", berichtet Suzuki, "es überstand die aerodynamische Hitzeentwicklung und den Druck". Die maximale Temperatur habe etwa 200 Grad Celsius betragen.

Papier von "Glas-artiger Qualität"

Große Raumfahrzeuge wie die Shuttles der Nasa fallen mit Geschwindigkeiten von Mach 20 und mehr auf die Erde zu - also mit einem Tempo in der Größenordnung von 25.000 Kilometern pro Stunde. Dabei wird es dem Shuttle bekanntlich mächtig warm - die Hitzeabschirmung ist eines der größten Probleme für die Nasa-Ingenieure. Weil der Papierflieger langsamer fallen soll, sollen auch die Temperaturen beim Wiedereintritt in die Atmosphäre nicht so hoch werden. Die Forscher hoffen deshalb, dass der Papierflieger den Rückflug zur Erde überleben wird.

Das Flugzeug wird allerdings auf spezielle Weise behandelt, um es hitzeresistenter zu machen. Eine eigens entwickelte Chemikalie mache das Papier widerstandsfähiger, sowohl gegen Hitze als auch gegen Wasser. Es gebe dem Papier "eine Glas-artige Qualität", so Suzuki. Das Modell, das ins All geschickt werden soll, wird 20 statt 8 Zentimeter lang sein.

Einen Termin für den Papierflug zurück zur Erde gibt es bislang noch nicht. Shinji Suzuki äußerte "Asahi" gegenüber jedoch die Hoffnung, die Crew der ISS werde sich mit dem Experiment identifizieren: "Wir hoffen, dass die Mannschaft der Raumstation eine Friedensbotschaft auf das Flugzeug schreiben wird, bevor sie es starten lässt." Man wisse zwar nicht, wo das Flugzeug landen werde, aber "es wäre schön, demjenigen, der es findet, eine Nachricht zukommen zu lassen".

Neben dem poetischen verfolgt Suzuki mit dem Projekt auch einen durchaus wissenschaftlichen Zweck: "Wenn Origamiflugzeuge erfolgreich aus dem All zur Erde zurückfliegen können, könnte das Anregungen für neue Designs für Wiedereintritts-Fahrzeuge geben." Leichte Fluggeräte "so wie das Origamiflugzeug" könnten etwa für die wissenschaftliche Beobachtung der obersten Schichten der Atmosphäre eingesetzt werden.

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