"Orion" Bushs Raumschiff wird zum Rettungsboot

US-Präsident Barack Obama hat seine Entscheidung korrigiert, das geplante Raumschiff "Orion" zu stoppen. Die Kapsel soll nun doch zum Einsatz kommen - allerdings nur, falls Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation in Not geraten.

AFP

Washington - Offiziell sollte Barack Obama die Pläne erst am Donnerstag bei einem Besuch am Weltraumbahnhof Cape Canaveral vorstellen. Doch bereits jetzt zeichnet sich ab, dass der US-Präsident seine Ideen für die Zukunft der bemannten Raumfahrt leicht korrigieren wird. Im Februar hatte er angekündigt, die Vorhaben seines Vorgängers George W. Bush - allen voran die Rückkehr zum Mond - zu den Akten zu legen. Jetzt macht er zumindest teilweise einen Rückzieher.

So soll das eigentlich schon beerdigte Konzept der "Orion"-Kapsel, die Teil von Bushs Mondprogramm war, nun doch realisiert werden, wenn auch in stark überarbeiteter und abgespeckter Form. Das Raumschiff soll nach Angaben aus US-Regierungskreisen nicht mehr Astronauten zum Mond bringen, sondern der Besatzung der Internationalen Raumstation als Rückkehrvehikel für Notfälle dienen. Die Kapsel soll dazu unbemannt von einer Delta- oder Atlas-Rakete ins All gebracht werden. Dank des Weltall-Rettungsboots wären die Amerikaner zumindest in Notfällen nicht mehr auf die russische Sojus-Kapsel angewiesen.

Neben dem Revival von "Orion" soll die US-Raumfahrtbehörde Nasa auch die Entwicklung einer Schwerlastrakete vorantreiben, die Fracht und Menschen weit hinaus ins All bringen könnte. Ein konkretes Reiseziel gibt es allerdings noch nicht. Die Rakete soll bis zum Jahr 2015 konzipiert und dann gebaut werden. Damit wäre sie im Idealfall sogar einige Jahre früher einsatzbereit als in Bushs Constellation-Programm geplant.

Die neue Trägerrakete soll sich aber nicht an der Saturn-Mondrakete orientieren, so wie es bei der Ares-V-Rakete des gekippten Constellation-Programms der Fall gewesen wäre. Stattdessen soll sie neue Konzepte wie eine Betankung in der Erdumlaufbahn verfolgen. Insgesamt wird Obama eine Erhöhung des Nasa-Budgets um sechs Milliarden Dollar für den Zeitraum bis zum Jahr 2015 erhöhen, wie aus dem Weißen Haus bekannt wurde. Damit sei die Schaffung von 2500 neuen Jobs in Florida verbunden.

"So nötig wie ein Loch im Kopf"

Obama wollte ursprünglich vor allem auf eine Privatisierung der Raumfahrt setzen. Außerdem wollen die Amerikaner fünf Jahre länger für den Betrieb der Internationalen Raumstation zahlen, was zum Beispiel die Russen ausdrücklich gelobt haben. Milliarden Dollar sollen in die Forschung gesteckt werden, um später einmal Flüge zu Asteroiden, zum Erdmond oder zu Marsmonden zu ermöglichen.

Die Kritiker - angeführt von Raumfahrtlegende Neil Armstrong, dem ersten Mann auf dem Mond - sehen mit Obamas Plänen die industrielle Führerschaft der USA in der Raumfahrt gefährdet. Andere Veteranen des Apollo-Programms und frühere Nasa-Manager haben sich dem Protest angeschlossen. Die Nasa würde sich für die absehbare Zukunft aus der bemannten Raumfahrt verabschieden, kritisierten sie in einem Brief. Auch die überarbeiteten Pläne für das "Orion"-Raumschiff sind weit von dem umfassenden Konzept Bushs für eine Rückkehr zum Mond entfernt.

Doch auch die sanften Kurskorrekturen Obamas überzeugen nicht alle Kritiker. Chris Kraft, der maßgeblich an den Nasa-Raumfahrtprogrammen von Mercury bis Apollo beteiligt war, sagte, die Änderungen räumten seine grundsätzlichen Bedenken nicht aus. Das Problem sei nicht die Sicherheit auf der Raumstation und eine Rückkehrmöglichkeit im Ernstfall. Das Problem sei vielmehr, wie man die ISS erreiche und zur Erde zurückkomme, sagte Kraft mit Blick auf das bevorstehende Ende des Space-Shuttle-Programms. Für die beschleunigte Entwicklung einer neuen Trägerrakete bringt er überhaupt kein Verständnis auf: "Ein Schwerlast-Transportsystem haben wir so nötig wie ein Loch im Kopf."

chs/apn



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