Orion-Nebel: Junge Sterne machen die Welle

Der Orion-Nebel ist eine beeindruckende Erscheinung am Nachthimmel - und Heimat zahlreicher junger Sterne, die gewaltige Energien freisetzen. Jetzt haben Forscher erstmals gezeigt, wie die jungen Wilden in den Gas- und Staubwolken ihrer Umgebung Wellen schlagen.

Esa/Hubble

In der Nähe von jungen, großen Sternen geht es meistens ungemütlich zu: Die Giganten schicken heftige Strahlung ins All und heizen ihre Umgebung enorm auf. Im Orion-Nebel haben Astronomen jetzt beobachtet, wozu das führen kann: Die Sterne haben auf der Oberfläche einer gigantischen molekularen Wolke Wellen hinterlassen.

Der Mechanismus ist durchaus vergleichbar mit Wellen auf dem Ozean, schreiben die Wissenschaftler um Olivier Berné von der Universität im niederländischen Leiden im Wissenschaftsmagazin "Nature". Die jungen Sterne haben demnach ihre Strahlung mit hoher Geschwindigkeit über die Oberfläche der Wolke geblasen und auf diese Weise charakteristische Wellen hinterlassen, die die Forscher nun auf Infrarotbildern des "Spitzer"-Weltraumteleskops und eines Radioteleskops sehen konnten.

Junge Sterne wirken mit ihrer starken Strahlung auf die Gas- und Staubwolken ein, aus denen sie zuvor entstanden sind. Lange hegten Forscher den Verdacht, dass diese Wechselwirkung zu hydrodynamischen Instabilitäten führt, welche die Wolke zusammenpressen oder auseinanderreißen können. Ein eindeutiger Beweis dafür fehlte bisher allerdings.

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Orion-Nebel: Wellenschlag in der molekularen Wolke
Den haben Berné und seine Kollegen nun nach eigenen Angaben erbracht, indem sie die Wellen im Orion-Nebel nachgewiesen haben. Sie vermuten, dass sie von einer sogenannten Kelvin-Helmholtz-Instabilität verursacht werden - ein Effekt, der auch zwischen Flüssigkeiten mit unterschiedlichen Temperaturen und Geschwindigkeiten auftritt.

"Einfach ausgedrückt ist es die gleiche Art von Wellen, die man auf dem Ozean sieht, wenn der Wind über das Wasser weht", sagte Berné dem Online-Nachrichtendienst "Space.com". "Wir glauben, dass massereiche Sterne Winde von ionisiertem Gas freisetzen, die über interstellare Wolken wehen und diese Wellen verursachen." Wie auf dem Ozean wehe schnelles Gas über eine dichtere, sich langsamer bewegende Masse.

Das energiereiche ultraviolette Licht der jungen Sterne könne das Gas in deren Umgebung auf mehr als 1000 Grad Celsius aufheizen, so Berné. Die Strukturen im Orion-Nebel seien vermutlich weniger als eine Milliarde Jahre alt - nach astronomischen Maßstäben also recht jung.

Die Forscher hoffen, durch ihre Beobachtungen mehr über die Entstehung massereicher Sterne und ihre Wirkung auf ihre Umgebung zu erfahren. Zudem könnten die Wellen in der molekularen Wolke des Orion-Nebels möglicherweise helfen, mehr über dessen Geschichte zu erfahren. "Die Wellen", sagt Berné, "sind wie ein Fußabdruck der vergangenen Aktivität der massereichen Sterne."

mbe

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