Orionnebel Tiefer Blick in den Hexenkessel der Sterne

Das Weltraumteleskop "Hubble" hat die bislang schärfsten Fotos des berühmten Orionnebels geschossen. Die spektakulären Aufnahmen zeigen Tausende bislang unentdeckte Sterne und Regionen infernalischer Energieausbrüche.


Es ist eines der detailreichsten astronomischen Bilder aller Zeiten: Das Weltraumteleskop "Hubble" hat den Orionnebel auf ein extrem hochauflösendes Foto gebannt, das nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa aus Milliarden von Bildpunkten besteht. Tausende Sterne seien erstmals im Bereich des sichtbaren Lichts erkennbar, einige von ihnen besäßen nur ein Hundertstel der Leuchtkraft bisher bekannter Sterne in dem Nebel.



"Orion ist ein wahrer Hexenkessel", sagte Nasa-Forscherin Jennifer Wiseman. "Das neue Bild eröffnet eine Schatzkammer voller Schönheit und erstaunlicher Details." Auf einzelnen Aufnahmen befänden sich bis zu 3000 Sterne verschiedener Größen. Neu entstehende Sterne, noch in ihre Geburtsblasen aus Staub und Gas gehüllt, schießen Materiejets ins All. Gewaltige Scheiben, die andere junge Sterne umkreisen, könnten einst Sonnensysteme wie das unsere entstehen lassen.

Zu den erstmals aufgespürten Objekten im Orionnebel gehören auch sogenannte Braune Zwerge, die zu den "gescheiterten Sternen" zählen. Sie sind zu klein, um in ihrem Inneren eine Kernfusion zu zünden, die Sterne wie unsere Sonne befeuert.

Der Orionnebel ist ein perfektes Laboratorium für die Untersuchung der Sternentstehung. Zum einen ist er nur 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt, was angesichts des Durchmessers der Milchstraße von 100.000 Lichtjahren eine recht kurze Distanz ist. Zum anderen haben Astronomen einen freien Blick ins Herz des Orionnebels, weil dort riesige Sterne mit ihren Teilchenwinden den Staub und das Gas aus der Umgebung nach außen geblasen haben.

Dank seiner Helligkeit ist der Nebel mit bloßem Auge zu erkennen. Das Sternbild Orion mit den charakteristischen drei Gürtelsternen geht im Winter am späten Abend auf und steht dann bis zur Morgendämmerung am Himmel. Der Nebel befindet sich unterhalb der Gürtelsterne.

Das von der Nasa und der europäischen Raumfahrtorganisation Esa betriebene "Hubble"-Teleskop hat freilich mehr als nur einen kurzen Blick auf den Nebel geworfen: 105 Mal umkreiste das Observatorium die Erde und richtete dabei alle seine Bildinstrumente auf Orion, ehe das neue Foto fertig war. Wer ganz genau hinsehen möchte: Die Esa bietet das Bild in wahrhaft pompösen Größen an. Allerdings war der Server wegen des großen Andrangs zuletzt überlastet. Alternativ gibt es bei der Nasa das Foto mit einer Zoom-Funktion.

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