Interstellares Objekt "Oumuamua" Crash brachte mysteriösen Asteroiden zum Rotieren

Er kommt aus einem fernen Sonnensystem: Der erste bekannte interstellare Asteroid ist einst wohl mit einem Fremdkörper zusammengestoßen. Nur so lassen sich seine unregelmäßigen Drehbewegungen erklären.

"Oumuamua" (künstlerische Darstellung)
DPA/ M. Kornmesser/ European Southern Observatory

"Oumuamua" (künstlerische Darstellung)


Erstmals haben Forscher im September 2017 ein interstellares Objekt in unserem Sonnensystem entdeckt. Der Körper mit dem Namen "Oumuamua" war an der Sonne vorbeigerast, wurde durch ihre starke Gravitation abgelenkt, flog dann an der Erde in sicherem Abstand vorbei und entfernte sich wieder.

Bei der Beobachtung des 400 Meter langen, zigarrenförmigen Brockens war Forschern eine Rotationsbewegung aufgefallen. Diese erklären sie sich nun durch Gewalteinwirkung. Die Bewegung könnte das Ergebnis einer Kollision mit einem anderen Objekt vor mehreren Milliarden Jahren gewesen sein.

Dass sich "Oumuamua" entlang seiner Längsachse dreht, hatten Forscher im Dezember 2017 herausgefunden. Sie werteten Bilder aus, die das Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (Eso) mit unterschiedlichen Farbfiltern gemacht hat. Eine erneute Analyse von Daten verschiedener Teleskope zeigte nun, dass das Objekt ungleichmäßig rotiert. Mal braucht es knapp sieben Stunden für eine Umdrehung um sich selbst, mal fast achteinhalb - siehe folgendes Video.

"Oumuamua" sei wahrscheinlich in seinem Heimatplanetensystem zum Rotieren gebracht worden und werde dies weiter tun, wenn er unser Sonnensystem verlassen habe, schreiben die Forscher um Wesley Fraser vom Astrophysics Research Centre der Queen's University in Belfast im Fachmagazin "Nature Astronomy".

Wie lange der Zusammenstoß her ist, lässt sich allerdings nicht sagen. Während der Planetenentstehung sei die Chance größer gewesen als anschließend, so die Forscher. Ausschließen lasse sich aber nichts, zumal die Qualität der Aufnahmen zu schlecht sei, um die Krater auf dem Brocken genauer zu untersuchen.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Drehung mindestens noch eine Milliarde Jahre anhalten werde, falls es keine zweite Kollision gibt. Letztlich werde die Belastung, die durch die Rotation auf den Körper wirkt, die Drehung stoppen.

Abschied für immer

Weitere Untersuchungen des Asteroiden sind schwer möglich. "Oumuamua" entfernt sich zunehmend von der Erde und wird nicht mehr in unser Sonnensystem zurückkehren. Im Mai wird er den Jupiterorbit passieren, im Januar 2019 die Bahn des Saturn.

Ein paar weitere Erkenntnisse über den ungewöhnlichen Asteroiden gibt es jedoch:

  • Er ist zehn bis fünf Mal länger als breit und damit ungewöhnlich schmal. Der Rekord für Objekte aus unserem System liegt bei einem Längen-Breiten-Verhältnis von drei zu eins.
  • Die Geschwindigkeit beträgt etwa 26 Kilometer pro Sekunde. Demnach könnte das Objekt Hunderte Millionen Jahre durch die Milchstraße geflogen sein, bis es zufällig auf unser Sonnensystem traf.
  • "Oumuamua" trägt offenbar einen Hitzeschild aus Kohlenstoffverbindungen, das in der Folge eines Millionen oder Milliarden Jahre langen Beschusses mit kosmischer Strahlung entstanden ist. Wohl nur dank des Schutzschilds konnte der Asteroid den Vorbeiflug an der Sonne unbeschadet überstehen.
  • Es gibt keine Hinweise, dass "Oumuamua" von Außerirdischen geschickt wurde. Forscher hatten den Besucher aus den Weiten des Weltalls mit einem Radioteleskop belauscht - für den Fall, dass es sich um ein außerirdisches Raumschiff handeln sollte. Funkverkehr gab es jedoch nicht.
  • Die Nasa geht inzwischen davon aus, dass der Brocken aus Metall oder Fels besteht und es sich somit um einen Asteroiden handelt. Zunächst war diskutiert worden, ob der Brocken ein Komet mit einem Kern aus Eis sein könnte. Allerdings verliert "Oumuamua" keine Teilchen - hat somit keinen für Kometen typischen Schweif.

Video: Die Flugbahn von "Oumuamua"

NASA

Ursprung unklar

"Oumuamua" hat sich der Sonne 2017 aus Richtung des Sternbilds Leier genähert. Der Asteroid bewegte sich zunächst nahezu senkrecht zur Bahnebene der Planeten im Sonnensystem. Am 2. September tauchte er zwischen Sonne und Merkurbahn hindurch. Eine Woche später erreichte er den geringsten Abstand zur Sonne.

Die Gravitationskraft des Sterns beschleunigte ihn dabei und lenkte ihn in einer Haarnadelkurve unterhalb der Erdumlaufbahn hindurch. Als der Körper am 14. Oktober an der Erde vorbeiflog, hatte er einen Abstand von 24 Millionen Kilometern - etwa 60 Mal der Abstand zum Mond.

jme



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.