Nahe Nachbarschaft: Planetenpaar beim Engtanz beobachtet

Astronomen haben zwei Planeten gesichtet, die sehr dicht nebeneinander um ihren Stern kreisen: Sie nähern sich auf knapp zwei Millionen Kilometer an. Das Duo ist grundverschieden - der eine ein erdähnlicher Felsplanet, der andere gleicht dagegen Neptun. Das stellt die Forscher vor ein Rätsel.

Nachbarplanet (Illustration): So könnte "Kepler-36c" von "Kepler 36b" aus aussehen Zur Großansicht
CfA/ David Aguilar

Nachbarplanet (Illustration): So könnte "Kepler-36c" von "Kepler 36b" aus aussehen

Hamburg - Rund 1200 Lichtjahre von der Erde entfernt kreisen zwei Planeten in erstaunlich geringem Abstand zueinander um ihren Stern. "Kepler-36b" und "Kepler-36c" nähern sich bis auf knapp zwei Millionen Kilometer aneinander an, berichtet ein internationales Astronomenteam im Wissenschaftsmagazin "Science". Die Entfernung entspricht etwa dem Fünffachen der Distanz zwischen Erde und Mond.

"Das sind die beiden am engsten zusammenstehenden Planeten, die jemals entdeckt wurden", sagte der Washingtoner Astronomie-Professor und Co-Autor der Studie, Eric Agol.

"Kepler-36b" ist ein Felsplanet, eine sogenannte Super-Erde. Er besitzt etwa die 4,5fache Masse unseres Planeten. Zu etwa 30 Prozent bestehe er aus Eisen, berichten die Forscher. Der Gasplanet "Kepler-36c" ähnelt dagegen eher dem Neptun; seine Masse entspricht etwa dem Achtfachen der Erde. Die Astronomen vermuten, dass er über einen harten Kern verfügt, der von großen Mengen Helium und Wasserstoff umgeben ist.

Auch von ihrem Zentralgestirn sind die beiden Planeten nicht allzu weit entfernt: "Kepler-36b" benötigt dem Bericht zufolge für einen Umlauf um seinen Stern rund 14 Tage, der Gasplanet "Kepler-36c" 16 Tage.

Menschen könnten wegen der großen Hitze auf dem Felsplaneten nicht überleben - doch wäre dies möglich, würden sie den benachbarten Gasplaneten in dreifacher Mondgröße am Himmel bewundern können.

Wie kam das ungleiche Paar zusammen?

Erstaunlich ist, dass die Planeten eine höchst unterschiedliche Dichte haben. Zum Vergleich: Für die Erde liegt der Wert bei etwa 5,5 Gramm pro Kubikzentimeter. Die Dichte des neu entdeckten Felsenplaneten liegt bei rund 7,5 Gramm pro Kubikzentimeter, die des Gasplaneten bei etwa 0,9.

Für die Astronomen ergibt sich daraus eine wichtige Frage: Wie ist es möglich, dass zwei so unterschiedliche Planeten so dicht nebeneinander kreisen? Wenn ein Sternensystem entsteht, formen sich die Planeten aus einer sogenannten protoplanetaren Scheibe. Dabei gibt es die Schneegrenze: Bis zu einer gewissen Entfernung vom Stern findet sich stabiles Wassereis, weiter außen, wo ein geringerer Druck herrschte, fehlt es.

Planeten, die dichter am Stern entstanden sind, verfügen in der Regel über eine höhere Dichte als jene, die sich weiter draußen bildeten. "Man würde vermuten, dass die beiden Planeten an weit entfernten Stellen entstanden sind", schreiben die Forscher. Und zwar der Felsenplanet innerhalb der Schneegrenze und der Gasplanet jenseits davon.

Möglicherweise haben sich die Umlaufbahnen der Planeten verschoben, so dass das ungleiche Paar zusammengefunden hat. Oder die Zusammensetzung der Himmelskörper hat sich mit der Zeit verändert. Eventuell erklärt auch eine Kombination mehrerer Ereignisse, wie diese Planeten zusammenfanden, schreiben die Wissenschaftler.

wbr/AFP

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