Raumfahrt: Russischer Satellit legt Fehlstart hin

Wieder eine Panne bei Russlands Weltraumagentur Roskosmos: Der Satellit "Jamal-402" hat seine Umlaufbahn nach dem Raketenstart verfehlt. Nun will Moskau ihn aus eigener Kraft in die richtige Position bringen. Es ist bereits der dritte Fehlstart eines Nachrichtensatelliten seit dem vergangenen August.

Der Satellit "Jamal-402"war am Samstag an Bord einer Proton-M-Rakete gestartet Zur Großansicht
AFP

Der Satellit "Jamal-402"war am Samstag an Bord einer Proton-M-Rakete gestartet

Der russische Telekommunikationssatellit "Jamal-402" hat seine geplante Erdumlaufbahn nicht erreicht. Der Satellit habe sich aus zunächst ungeklärten Gründen zu früh von der Oberstufe des Typs Bris-M gelöst, sagte ein Mitarbeiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos am Sonntag der Agentur Interfax. Die Flugleitzentrale in Moskau versuche nun, den 4,5 Tonnen schweren Himmelskörper mit Hilfe seiner Motoren doch noch in die richtige Position zu bringen. Fraglich sei dann nur, ob seine Treibstoffvorräte danach für die geplante Betriebszeit reichten.

"Jamal-402" war am Samstag um 14.13 Uhr deutscher Zeit vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan aufgestiegen. Die ersten drei Stufen der Trägerrakete funktionierten normal. Doch auf dem Weg in den geostationären Orbit waren vier Zündungen der Bris-M-Oberstufe vorgesehen - und bei der vierten arbeiteten die Oberstufen-Triebwerke nur fünf statt neun Minuten.

Eine Sonderkommission soll die Ursache des Fehlers untersuchen und Maßnahmen erarbeiten, um den Raumflugkörper noch zu retten. "Falls die vorzeitige Trennung den Satelliten nicht beschädigt hat, sehen wir eine Chance", sagte der Experte in Moskau. Allerdings sei bereits klar, dass "Jamal-402" auch im Erfolgsfall nicht mehr alle Aufgaben erfüllen könne.

Der von französischen und russischen Firmen hergestellte Satellit soll in den nächsten 15 Jahren unter anderem die Fernseh- und Internetverbindungen in Russland und Westeuropa verbessern.

Die Panne erinnert an den Verlust von zwei Nachrichtensatelliten vor vier Monaten. Im August waren durch einen technischen Defekt in der Oberstufe einer russischen Proton-M-Trägerrakete ein russischer und ein indonesischer Satellit nach dem Start außer Kontrolle geraten.

Auch genau ein Jahr zuvor hatte es einen Fehlstart einer Proton-M mit einem Nachrichtensatelliten gegeben. Damals geriet die Rakete wegen einer Fehlzündung des Beschleunigungsblocks auf eine falsche Umlaufbahn und stürzte nach sieben Monaten in den Pazifik. Im November dieses Jahres hatte Russland außerdem vorübergehend den Kontakt zu den meisten seiner zivilen Satelliten und seinem ISS-Modul verloren - aufgrund eines beschädigten Glasfaserkabels.

son/dapd/dpa

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1. "Brain Drain" zeigt Wirkung
abc-xyz 09.12.2012
Zitat von sysopWieder eine Panne bei Russlands Weltraumagentur Roskosmos: Der Satellit "Jamal-402" hat seine Umlaufbahn nach dem Raketenstart verfehlt. Nun will Moskau ihn aus eigener Kraft in die richtige Position bringen. Es ist bereits der dritte Fehlstart eines Nachrichtensatelliten seit vergangenem August. Panne in russischer Raumfahrt: Fehlstart für Satelliten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/panne-in-russischer-raumfahrt-fehlstart-fuer-satelliten-a-871812.html)
Diese Reihe von Pannen kann man eigentlich nur mit den krassen Brain Drain der russischen Gesellschaft erklären. Die "industrielle" Monokultur, die Putin und sein KGB Apperat mit Gazprom und Co. aufgestellt hat, sorgt dafür, dass die klugen Köpfe des Landes Russland verlassen und lieber im Westen Karriere machen. Kann man ihnen nicht verdenken. Einen Mittelstand kennt dieses Land nicht wirklich, auch wenn Republiken wie Tatarstan sich etwas gegen diesen Trend stellen. Eigentlich könnte man statt BRIC einfach nur BIC sagen. Russland passt mehr zu Länder wie Saudi-Arabien oder Katar.
2. Wer ist besser?
oliax 09.12.2012
Zitat von abc-xyzDiese Reihe von Pannen kann man eigentlich nur mit den krassen Brain Drain der russischen Gesellschaft erklären. Die "industrielle" Monokultur, die Putin und sein KGB Apperat mit Gazprom und Co. aufgestellt hat, sorgt dafür, dass die klugen Köpfe des Landes Russland verlassen und lieber im Westen Karriere machen. Kann man ihnen nicht verdenken. Einen Mittelstand kennt dieses Land nicht wirklich, auch wenn Republiken wie Tatarstan sich etwas gegen diesen Trend stellen. Eigentlich könnte man statt BRIC einfach nur BIC sagen. Russland passt mehr zu Länder wie Saudi-Arabien oder Katar.
Welches Land schickt mehr Raumschiffe und Satelliten erfolgreich ins All als Rußland? Auf welchem Stand befinden sich dann USA, die mit ihrer NASA nichts mehr selbst ins All bekommen? Ihre Analyse beweist nur Ihre Unkenntnis. Rußland auf einer Stufe mit Saudi Arabien ? Oh Gott laß es Hirn regnen.
3. zu abc-xyz!
liptovskykarl 09.12.2012
Erstens ist Russland im Moment noch der einzige Staat der Menschen zur ISS und zurueck bringen kann! Zweitens ist der Satellit nicht kaputt und auch nicht verloren! Er ist voll funktionsfaehig und wird mit seinen eigenen Triebwerken auf die entsprechende Umlaufbahn gebracht! Und ihr Vergleich mit der islamistischen Diktatur in SA ist so etwas von hirnrissig, da fehlen einen die Worte! Aber nun ja, wenn SA von Politikern in D als "Strategischer Partner"!! betrachtet wird, dann muss man sich ueber solche Aussagen wie sie sie gemacht haben, nicht wundern!
4. Eines der möglichen Argumente
FreakmasterJ 09.12.2012
Zitat von abc-xyzDiese Reihe von Pannen kann man eigentlich nur mit den krassen Brain Drain der russischen Gesellschaft erklären. Die "industrielle" Monokultur, die Putin und sein KGB Apperat mit Gazprom und Co. aufgestellt hat, sorgt dafür, dass die klugen Köpfe des Landes Russland verlassen und lieber im Westen Karriere machen. Kann man ihnen nicht verdenken...
Viellicht wird auch nur aufgrund wirtschaftllicher Interessen aktiv sabotiert, gerade damit die ESA, NASA oder die Chinesen in Zukunft mehr Aufträge bekommen... ist immer nicht so einfach, die eindeutigen Hintergründe für die Fehlstartsts rauszubekommen. Wer weiß das schon...
5. nur zur Info
batmanmk 09.12.2012
Zitat von sysopWieder eine Panne bei Russlands Weltraumagentur Roskosmos: Der Satellit "Jamal-402" hat seine Umlaufbahn nach dem Raketenstart verfehlt. Nun will Moskau ihn aus eigener Kraft in die richtige Position bringen. Es ist bereits der dritte Fehlstart eines Nachrichtensatelliten seit vergangenem August. Panne in russischer Raumfahrt: Fehlstart für Satelliten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/panne-in-russischer-raumfahrt-fehlstart-fuer-satelliten-a-871812.html)
(Völlig erwartungsgemäß) wird in den Artikel unterschlagen, dass innerhalb der beiden Fehlstarts in 2012 und 2011 zwischenzeitlich 18 erfolgreiche Starts mit der Proton-M gab.
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