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Satellitenbild der Woche: Land unter am Rio Paraguay

Das Wetterphänomen El Niño bringt Teilen Südamerikas massive Überschwemmungen: Besonders hart getroffen ist Asunción, die Hauptstadt von Paraguay. Der Vergleich von zwei Bildern aus dem All zeigt das Ausmaß der Fluten.

Überschwemmungen in Paraguay
Es ist eine bemerkenswerte, an vielen Stellen beängstigende Gemengelage: Da gibt es großflächige Waldbrände in Südostasien, Dürren in Südasien und Teilen Afrikas, angespülte Giftschlangen in Australien, in Südamerika Sturzfluten historischen Ausmaßes - andererseits erblüht genau dadurch die sonst so trockene Atacama-Wüste in Chile. El Niño sorgt in verschiedenen Teilen der Welt für ganz unterschiedliche Effekte.

In dieser Saison fällt das Klimaphänomen, bei dem zeitweise veränderte Ozeanströmungen für massiv erhöhte Wassertemperaturen an einigen Stellen im Pazifik sorgen, fällt extrem stark aus. Wie eine Art Heizplatte sorgt die riesige Warmwasserzone im Ozean dafür, dass sich Windsysteme ändern - mit teils verheerenden Folgen.

Überflutungen in Asuncion (am 20. Dezember 2015): Land unter Zur Großansicht
REUTERS

Überflutungen in Asuncion (am 20. Dezember 2015): Land unter

"Dieser El Niño ist der stärkste seit mehr als 15 Jahren", bilanzierte bereits im November Michel Jarraud, Chef der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf. Inzwischen ist klar, dass 2015 auch wegen El Niño das wärmste Jahr seit Start der Wetteraufzeichnungen war.

US-Medien haben von einem "Godzilla El Niño" gesprochen - und noch bis ins Frühjahr hinein dürften die Probleme anhalten. Aktuelle Bilder der Nasa-Satelliten "Aqua" und "Terra" zeigen exemplarisch, was das bedeutet: Im Dezember und Januar hat El Niño in Paraguay, Uruguay, sowie in Teilen Argentiniens und Brasiliens für heftige Niederschläge gesorgt. Die Sommerregenfälle ließen Flüsse wie den Rio Uruguay, den Rio Paraguay und den Paraná anschwellen. Die Fluten waren mancherorts die schwersten seit Jahrzehnten. Mitte Januar waren dadurch etwa 150.000 Menschen obdachlos geworden, zwei Drittel davon in Paraguay.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All
Der Bildvergleich zeigt Asunción, die besonders schwer betroffene Hauptstadt des Landes. Hier mussten zahllose Menschen in Notunterkünfte flüchten, weil der Rio Paraguay über die Ufer getreten war. Zu sehen sind Aufnahmen vom 24. Januar 2014 und vom 12. Januar 2016. Besonders schwierig war die Lage, weil viele kleine Bäche das Stadtgebiet von Asunción queren, die allesamt in den Rio Paraguay münden. Führt er Hochwasser, kommt es auch an den Zuläufen zu Problemen - zumal es eine Regenwasserkanalisation in der Stadt de facto nicht gibt.

Die Behörden in Paraguay lösen normalerweise Flutalarm aus, wenn der Wasserstand des Flusses bei 4,5 Metern liegt. Durch die aktuellen Fluten erreichte er nun bis zu 7,8 Meter. Und auch wenn das Wasser schwindet, bleiben Probleme. Die Behörden warnen vor der Ausbreitung von Krankheiten wie Dengue, Chikungunya und Zika durch infizierte Mücken.

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chs

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insgesamt 4 Beiträge
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1. El Niño in Paraguay?
querulant_99 23.01.2016
Haben sich die Regenwolken nicht schon längst beim Überqueren der Anden abgeregnet?
2. Nein,
louissipher 23.01.2016
offensichtlich nicht.
3.
lavama 23.01.2016
Zitat von louissipheroffensichtlich nicht.
Mit so ziemlicher Sicherheit doch! El Nino mag seinen Ursprung auf der anderen Seite der Anden haben, die Auswirkungen sind jedoch in weit aus mehr Gebieten auf der Erde zu spüren.
4. Zum Einen ...
asunceno 23.01.2016
... ist es richtig, dass das alljährliche Hochwasser dieses Mal extremere Ausmaße angenommen hat als sonst. Zum Anderen ist es in der Chacarita, dem auf dem Foto abgebildeten Überschwemmungsgebiet, Tradition, dass die dortigen Einwohner nach dem Abklingen des Hochwassers wieder zurück in ihre bescheidenen Bretterbuden ziehen. Das Ganze ist wie ein Ritual, bei dem es für diese armen Leute eine große Spendenaktion gibt. (Schon unter Stroessners Diktatur gab es für jede betroffene Familie einen Sack Reis, Mehl oder andere Hilfsgüter der Regierung.) Südlich von Asunción, in Lambaré, sieht es etwas katastrophaler aus. Dort leben viele Menschen unter erbärmlichsten Bedingungen, teilweise von der Tierhaltung, teilweise von der Müllverwertung auf einer Deponie. Es gab eine Evakuierung, bei der die Menschen u. A. ihre Tiere zurücklassen mussten, und durch den Regen ist zeitweise ein Sickerbecken mit Giftstoffen aus der Deponie übergelaufen, was für das Trinkwasser der Stadt verheerende Folgen hatte. Im Moment ist die Lage verhältnismäßig stabil, da es seit ca. einer Wocher nicht mehr geregnet hat. Besorgniserregend ist nun die sich ausbreitende Mückenplage, die gefährliche Krankheiten wie Dengue mit sich bringt.
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