Bild von "Parker Solar Probe" So sieht es in der Sonnenatmosphäre aus

Sie muss Temperaturen von mehr als tausend Grad aushalten. Die Sonde "Parker Solar Probe" fliegt so nah an die Sonne wie kein anderes menschengemachtes Objekt zuvor. Nun hat sie erste Bilder zur Erde geschickt.

Aufnahme der Sonde "Parker Solar Probe"
NASA/ Naval Research Laboratory/ Parker Solar Probe

Aufnahme der Sonde "Parker Solar Probe"


Insgesamt 24-mal soll die Nasa-Sonde "Parker Solar Probe" durch die Atmosphäre der Sonne fliegen. Vom 31. Oktober bis 11. November 2018 unternahm sie ihren ersten Durchflug. Nun hat die Nasa die ersten Bilder des Rekordflugs veröffentlicht.

Am 8. November entstand eine Aufnahme, bei der sich die Sonde 27 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt aufhielt - und damit in deren äußerer Atmosphäre, der Korona. Sie besteht aus energiereichen Gasen, die die Sonne verströmt.

Mit bloßem Auge zu sehen ist die Korona von der Erde aus nur bei einer totalen Sonnenfinsternis als Strahlenkranz um die Sonne. Das Sondenbild zeigt dagegen zwei heftige Teilchenströme der Sonne aus nächster Nähe. Sie strahlen von links hell ins Bild.

Die Aufnahme wurde aus mehreren, hintereinander aufgenommenen Fotos zusammengesetzt. Dadurch ergibt sich auch ein interessanter Effekt: Der runde weiße Punkt etwas links der Bildmitte ist der Planet Merkur. Er bewegte sich zur Zeit der Aufnahme durch das Blickfeld der Kamera. So lassen sich auch die schwarzen Punkte erklären. Auch dort befand sich Merkur zu anderen Zeitpunkten. Bei der Bearbeitung des Bildes wurde er dann aber durch die Software herausgerechnet.

"So etwas hat noch niemand gesehen", jubelte Projektwissenschaftler Nour Raouafi vom Johns Hopkins University Applied Physics Lab in Laurel (US-Bundesstaat Maryland) über das Bild beim Jahrestreffen der American Geophysical Union (AGU) in Washington.

Die "Parker Solar Probe" sei für die Aufnahme so nahe an dem Stern vorbeigeflogen wie keine andere Sonde. Der bisherige Rekordhalter, die deutsch-amerikanische Mission "Helios", habe in den Siebzigerjahren einen fast doppelt so großen Abstand gehabt. Bei den folgenden Orbits werde man sich der Sonne nun sogar noch weiter nähern.

Außen ist die Sonnenatmosphäre besonders heiß

Anders, als man intuitiv denken könnte, ist es in der äußeren Atmosphärenschicht der Sonne heißer als in den näher am Stern gelegenen Bereichen. Bis zu 5,6 Millionen Grad Celsius können in der Korona herrschen. An der Sonnenoberfläche liegt die Temperatur dagegen nur bei 5500 Grad.

Bis heute haben Forscher nicht genau verstanden, warum die Sonnenatmosphäre außen so heiß ist. "Parker Solar Probe" soll das Phänomen genauer untersuchen, indem sie Partikel sowie magnetische und elektrische Felder in der Korona vermisst.

"Parker Solar Probe" (Computergrafik)
Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory / NASA / dpa

"Parker Solar Probe" (Computergrafik)

Dabei muss die Sonde Temperaturen von etwa 1370 Grad Celsius standhalten. Ein fast zwölf Zentimeter dicker Carbonpanzer schützt sie vor zu viel Strahlung. Die Teilchenströme der Sonne sind mitunter so stark, dass sie das Magnetfeld der Erde beeinflussen können. Experten fürchten, dass, wenn ein besonders heftiger Sonnensturm die Erde treffen würde, Schäden in Billionenhöhe entstehen könnten (mehr dazu lesen Sie hier).

Bei weiteren Flügen soll sich die Sonde der Sonne bis auf 6,2 Millionen Kilometer nähern. Der nächste Korona-Durchflug ist für April 2019 geplant. Dann soll die Sonde auch noch weitere Daten von der ersten Untersuchung senden, die derzeit aufgrund einer ungünstigen Position nicht ankommen.

Die Sonne steht sozusagen zwischen der "Parker Solar Probe" und der Erde. Verloren gehen die Daten aber nicht. Die Sonde habe genügend Speicherkapazität, um die Messdaten von zwei vollen Orbits an Bord zwischenzuspeichern, so die Forscher.

Unterwegs ist die Sonde seit August 2018. Künftig soll sie auch klären, wie Sonnenwinde innerhalb kurzer Zeit extrem beschleunigt werden. Einige der energiereichsten Partikel der Sonne schießen mit mehr als halber Lichtgeschwindigkeit ins All.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes stand den Angaben der Nasa entsprechend, dass der Gasplanet Jupiter im Bild zu sehen sei. Die Nasa hat diese Information nachträglich korrigiert. Demnach handelt es sich um den Planeten Merkur.

jme/chs



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
soisses1 13.12.2018
1. Spannende
Sache. Und da ist noch eine weitere Punktreihe erkennbar, die sich noch schneller zu bewegen scheint. Erde, Venus, Merkur?
permissiveactionlink 13.12.2018
2. Issesso ?
27 Millionen km Abstand zur Sonne. Und dann durchfliegt die Sonde schon die Sonnenkorona ? Dieser Abstand entspricht locker 38,8 Sonnenradien. Die Korona nimmt normalerweise je nach Sonnenaktivität ca. 2 bis 3 Sonnendurchmesser im Abstand zur Sonne ein. Das entspricht 4 bis 6 Sonnenradien. Die Korona geht dann nahtlos in den Sonnenwind über, diesen dürfte die Sonde unlängst passiert haben. Bei einer Sonnenfinsternis sieht man ja auch nicht neunzehn Sonnendurchmesser um die Sonne herum überall die Korona. Aber vielleicht stimmt ja auch bei Wikipedia irgendetwas nicht...
BBrobs 13.12.2018
3. Merkur
Laut dem Artikel auf der Nasa Seite ist der helle Punkt Markus, und nicht Jupiter! Nichtsdestotrotz sensationell!
barklug 13.12.2018
4. @3
Markus, Venus, Erde, Mars, Autokorrektur - die fünf Feststoffplaneten unseres Sonnensystems; -)
barklug 13.12.2018
5. @1
Wer lesen kann, Ist klar im Vorteil : Das sind die Jupitermonde.
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