Partikelwolke im All Sonnensturm könnte GPS-Empfang stören

Spektakuläre Eruption in 150 Millionen Kilometer Entfernung: Ein heftiger Sonnensturm könnte spürbare Auswirkungen auf die Erde haben. Laut Nasa-Experten könnten am Mittwoch und Donnerstag GPS-Empfang und Stromversorgung gestört werden, womöglich müssen auch Flüge umgeleitet werden.

AP/ NASA

Washington - Eine gigantische Eruption 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt könnte am Mittwoch und Donnerstag auch Auswirkungen auf unseren Planeten haben. Am Dienstagmorgen westeuropäischer Zeit war es auf der Sonne zu einem Ausbruch gekommen, bei dem riesige Partikelmengen ins All geschleudert wurden. Die Messgeräte des Solar Dynamics Observatory (SDO) der Nasa hatten den Ausbruch beim Sonnenfleckenduo 1226-1227 beobachtet.

"Das war wirklich dramatisch", berichtete Bill Murtagh, Projektleiter beim US-Wetterdienst NWS. "Man konnte sehen, wie das ganze Material von der Sonne hoch gesprengt wurde, es war faszinierend zu beobachten." Der Sturm soll der heftigste seit 2006 sein, erklärte ein Nasa-Sprecher. Eine riesige Partikelwolke sei freigesetzt worden und habe sich anschließend über ein Gebiet von nahezu der halben Größe der Sonnenoberfläche gelegt. Dennoch stufte die Nasa die Sonnenfackel nur in die mittelschwere Kategorie M-2 ein. Zu erwarten sei ein kleinerer Strahlungssturm der Klasse S-1.

Bei einem solchen Ausbruch, von Forschern als "koronaler Massenauswurf" (KMA) bezeichnet, werden geladene Partikel von der Sonne ausgestoßen. Große Sonneneruptionen und die dadurch entstehenden Sonnenstürme können auf der Erde auch negative Auswirkungen auf Elektronikgeräte haben.

"Das wird für uns auf der Erde nicht dramatisch"

Der Partikelsturm rast nach Nasa-Angaben von der Sonne aus mit 1400 Kilometern pro Sekunde durchs All. "Das wird für uns auf der Erde nicht dramatisch", gibt sich aber Sonnenforscher Daniel Müller von der Esa sicher. "Die Eruption hat sich am Rand der Sonne ereignet, deswegen war sie auch so gut zu sehen." Durch die Lage am Rand werde die Erde aber von den Partikelströmen weitgehend verschont.

Auch bei der Nasa sieht man das ähnlich: Zwar sei der aktuelle Sonnensturm "optisch spektakulär" gewesen, weil die Eruption aber nicht auf die Erde gerichtet gewesen sei, könne man davon ausgehen, dass die Wirkung auf unserem Planeten "relativ gering" ausfallen werde. Im besten Fall dürften also in hohen nördlichen und südlichen Breiten spektakuläre Polarlichter zu sehen sein.

Im Prinzip kann ein geomagnetischer Sturm bis zu 24 Stunden andauern. Laut dem US-Wetterdienst NWS kann er auch für Störungen in Stromnetzen und bei der Satellitennavigation sorgen. Interkontinentalflüge über die Polarregion müssten möglicherweise umgeleitet werden, damit die Kommunikation aufrechterhalten werden könne, sagt Weltraumwetter-Experte Bill Murtagh. Auch bei den Satellitenbetreibern müsse man aufmerksam sein: "Geomagnetische Stürme können die Satelliten auf verschiedene Weise stören - das kann der Satellit selbst oder das Signal sein."

Besonders gefährdet sind Telekommunikationssatelliten im geostationären Orbit in fast 36.000 Kilometern Höhe oder die 20.000 Kilometer von der Erde entfernt im All kreisenden Satelliten des Navigationssystems GPS, von dem die moderne Luft- und Schifffahrt weitgehend abhängig ist.

Bereits ein kleinerer Sonnensturm am Sonntag hatte die europäische Forschungssonde "Venus Express" durcheinander gebracht. Bruno Sousa von der Esa bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass beide Sternensensoren gestört wurden. Diese werden normalerweise zur Lagekontrolle der Sonde eingesetzt. "Für eine Periode von fünf bis sechs Stunden wurden wir durch eine plötzliche Helligkeit geblendet." Mit ihren Gyroskopen habe die Sonde aber ihre Lage weiterhin kontrollieren können. Mittlerweile funktioniere "Venus Express" wieder normal.

Auch in Stromnetzen können Sonnenstürme Störungen verursachen. Im Jahr 1989 führte eine Sonneneruption zu einem Stromausfall in der kanadischen Provinz Québec - Millionen Menschen saßen damals im Dunkeln. Nach einer Prognose der National Academy of Sciences könnten allein in den USA bis zu 130 Millionen Menschen tage- oder gar wochenlang wegen solcher Ereignisse von der Stromversorgung abgeschnitten sein

Vor einem guten Jahr hatte ein mittelstarker Sonnensturm sogar weltweit für Schlagzeilen gesorgt. "Das war noch nicht der Sturm, vor dem sich einige Leute fürchten", hatte Juha-Pekka Luntama von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) damals erklärt. Vieles deutet darauf hin, dass diese Einschätzung auch diesmal zutreffen dürfte.

ala/chs/AFP



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Seite 1
JensDD 08.06.2011
1. ...
Panik, Panik, die Welt geht unter. Dabei ist der 30. Mai für dieses Jahr doch schon vorbei. Ach ja - nächstes Jahr ist 2012, der Maya-Kalender und so... Die nächste Panik-Sau wird durchs Dorf getrieben, EHEC mag ja schon keiner mehr lesen.
orion4713 08.06.2011
2. Der Titel dieses Postings unterliegt der Geheimhaltung
Zitat von sysopSpektakuläre Eruption in 150 Millionen Kilometer Entfernung: Ein heftiger Sonnensturm wird wohl spürbare Auswirkungen auf die Erde haben. Laut Nasa-Experten könnten GPS-Empfang und Stromversorgung gestört werden, Flüge müssen womöglich umgeleitet werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,767274,00.html
ich vermisse den Untertitel: "waren Aliens die Verursacher?" dann wären wir völlig auf Blöd-Niveau!
Björn Borg 08.06.2011
3. Wie jetzt?
Zitat von sysopSpektakuläre Eruption in 150 Millionen Kilometer Entfernung: Ein heftiger Sonnensturm wird wohl spürbare Auswirkungen auf die Erde haben. Laut Nasa-Experten könnten GPS-Empfang und Stromversorgung gestört werden, Flüge müssen womöglich umgeleitet werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,767274,00.html
Sonnensturm? Ich will mich jetzt aber lieber erst noch ein paar Tage über Unwetter und Ehec fürchten. Wartet mit den Berichten darüber bis nach Pfingsten...
hohez 08.06.2011
4. Gratisaufregung
Neue Panikmache nach Atom und Ehec. Im zweitletzten Absatz wird eingeräumt: »Die Nasa stufte den Sonnensturm als mittelgroß ("M-2") ein. Zwar sei das Ereignis "optisch spektakulär". Weil die Eruption aber nicht auf die Erde gerichtet gewesen sei, könne man davon ausgehen, dass die Wirkung auf unserem Planeten "relativ gering" ausfallen werde.« Ein Aufmacher,um Klicks zu erzeugen.
tobilechat 08.06.2011
5. So 'n Quatsch
Zitat von sysopSpektakuläre Eruption in 150 Millionen Kilometer Entfernung: Ein heftiger Sonnensturm wird wohl spürbare Auswirkungen auf die Erde haben. Laut Nasa-Experten könnten GPS-Empfang und Stromversorgung gestört werden, Flüge müssen womöglich umgeleitet werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,767274,00.html
Das ist pure Panikmache, wie sie US-Amerikaner lieben. Ich glaube denen absolut gar nichts mehr. Wer Scientology hostet, duldet und nicht den Prozess macht, wenn es in den 70ern in das FBI eindringt und Daten entwendet, der ist Scientology.
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