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Satellitenbild der Woche: Zerfließende Eis-Riesen

Los Glaciares Nationalpark in Argentinien: Färbung der Seen durch Gletschermilch Zur Großansicht
USGS/ ESA

Los Glaciares Nationalpark in Argentinien: Färbung der Seen durch Gletschermilch

Eismassen, türkise Seen, zerklüftetes Gebirge - die Landschaft Patagoniens ist selbst aus dem All faszinierend. Doch der Klimawandel bringt auch die Gletscher Argentiniens zum Schmelzen.

Wasser marsch! Als würden alle Dämme zugleich brechen, fließt das geschmolzene Gletschereis im argentinischen Los Glaciares Nationalpark über mehrere kleinere und größere Rinnen in die umliegenden Seen. Eis, Berge und Wasser formen so ein dynamisches Landschaftsbild, das aus dem Weltall abgelichtet wurde.

Auf dem Bild, das vom Satelliten Landsat-8 aufgenommen und im April diesen Jahres von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) veröffentlicht wurde, erkennt man den Gletschersee Lago Viedma (oben) und den größten Süßwassersee Argentiniens, der Lago Argentino (unten).

Grund für die türkise Färbung der beiden Gewässer ist die Gletschermilch: das von fein zerriebenen Felssedimenten getrübte Abflusswasser der Gletscher. Reichert es sich etwa in Seen an, werden bei Sonneneinstrahlung die blaugrünen Anteile des Lichts von dem feinen Gesteinsanteil reflektiert.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All
Die globale Erwärmung hat dazu geführt, dass Gebirgsgletscher weltweit an Masse verlieren. Seit Anfang der Siebzigerjahre sind sie jährlich um rund 280 Milliarden Tonnen geschmolzen. Diese Schmelze lässt sich vor allem in Alaska, Kanada und eben in Patagonien beobachten.

Der Sonderling unter den Eis-Riesen

So sind auch die meisten der Gletscher des Los Glaciares Nationalparks in den letzten Jahrzehnten geschrumpft. Zwei Verlierer des Klimawandels lassen sich auf dem Bild erkennen: Der Viedma Gletscher (oben links) und der Upsala Gletscher (Mitte), der sich in den letzten fünfzehn Jahren mehr als drei Kilometer zurückgezogen hat.

Nur bei dem dritten Gletscher im Bild (unten links), der Perito Moreno Gletscher, ist die Situation anders: Zeiten des Wachsens wechseln sich ab mit Perioden, in denen der Eisriese schrumpft. Der Gletscher, dessen Zunge in den Lago Argentino ragt, scheint seine perfekte Balance gefunden zu haben. Eine seltene Ausnahme, für die Forscher noch keine eindeutige Erklärung gefunden haben.

Der Los Glaciares Nationalpark ist seit 1981 Unesco-Welterbe. Er ist Teil des südpatagonischen Eisfelds, das eine Fläche von 13.000 Quadratkilometern umfasst und damit das größte Eisfeld auf der Südhalbkugel außerhalb der Antarktis ist.

ruh

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1. Das naechste Schwein
spon-facebook-1035483455 12.12.2015
Das naechste Schwein wird durch den Ort getrieben. Dazu ist ein Hinweis auf die Arbeit von Stuefer et al. (2007, Journal of Glaciology, Volume 53, Number 180, 3-16), "Glaciar Perito Moreno, Patagonia: climate sensitivities and glacier characteristics preceding the 2003/04 and 2005/06 damming events", hilfreich. Die Zusammenfassung dieser Arbeit lautet: Mass balance and climate sensitivity of Glaciar Perito Moreno (GPM), one of the main outlet glaciers of Hielo Patagónico Sur (southern Patagonia icefield), were investigated. Field measurements were carried out from 1995 to 2003, including ice ablation and velocity at stakes, seismic profiling, bathymetry of the lake near the calving fronts and meteorological data. The database was complemented by satellite observations, to derive the motion field by interferometric data, map glacier boundaries and snowlines from multi-year time series of radar images, and obtain glacier topography from the Shuttle Radar Topography Mission. In September 2003, GPM started to dam the southern arm of Lago Argentino, resulting in a maximum rise of the lake level of 9.35 m before the dam burst in March 2004. The ice dam formed again in August 2005, bursting in March 2006. Analysis of mass fluxes indicates no long-term trend in mass balance. This behaviour, contrasting with most retreating glaciers in the vicinity, can be attributed to a particular glacier geometry. Monthly climate sensitivity characteristics for glacier mass balance were derived using a degree-day model, showing similar importance of both temperature and precipitation. Also, the reconstruction of the mass balance for the last 50 years from local climate data shows a near-steady-state condition for GPM, with some small fluctuations, such as a slightly positive balance after 1998, that may have triggered the minor advance leading to damming events in 2003 and 2005.
2. Der Rückgang des Upsala Gletscher ...
Daddeldi 12.12.2015
... fand allerdings nicht "seit Anfang der Siebzigerjahre" statt. In den 32 Jahren zwischen 1970 und 2003 hat sich die Gletscherfront im Mittel gerade mal 12 Meter pro Jahr verschoben. Der dramatisch Rückzug mit 390 Meter pro Jahr folgte zwischen 2003 und 2013. Das kann jeder mit Google Earth o.ä. anhand historischer Bilder nachvollziehen.
3. Perito-Moreno-Gletscher
Havenpirat 12.12.2015
ist bekannt, sagt aber _nichts_ über den allgemeinen rapiden Gletscherschwund aus, man nehme einfach Wikipedia und liest; Entgegen den _meisten_ Gletscher der Region, zieht sich der Perito-Moreno-Gletschers nicht zurück. Die Massenbilanz der letzten Jahrzehnte zeigt keinen eindeutigen Trend. Die Ursache für dieses Verhalten könnte in der Geometrie des Gletschers liegen.
4. Gletscherschwund
MtSchiara 12.12.2015
Es gab bisher historisch immer zwei Möglichkeiten: 1) Gletscher wachsen 2) Gletscher schrumpfen Die Möglichkeit Nummer 3, daß alles so bleibt, wie es ist, gab es über längere Zeiträume bisher noch nicht. Im 19. Jahrhundert haben Bewohner der Alpen Kapellen in den Weg wachsender Gletscher gebaut, um Gott und Maria milde zu stimmen, ein weiteres Gletscherwachstum zu verhindern, damit ihre Ortschaften nicht zerstört würden. Wie man heute sieht, mit überaus großem Erfolg. Gott hat sie damals erhört und die Gletscher schrumpfen seitdem. Es wäre gut gewesen, wenn der Autor dargelegt hätte, welche Temperatur er für die beste der Welt und welche Gletscherausdehnung er für optimal hält. Und dann kann man ja sehen, was sich tun läßt, damit die Erde sich an diese Temperatur und diese Gletscherausdehnung hält.
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