Peinliche Panne Nasa hat Mondlandungs-Videos verbummelt

Es klingt wie in einem schlechten Film: Die Kassetten mit den Bildern der ersten Mondlandung sind weg. Nasa-Mitarbeiter haben über ein Jahr nach den Videos gesucht - und sie nicht gefunden.


Die Filmtechnik aus den siebziger Jahren ist veraltet, und die Videogeräte der US-Raumfahrtbehörde Nasa sind mit der Fernsehtechnik von heute nicht kompatibel. Um also Bilder und Filme der ersten Mondlandung der Nachwelt zu erhalten - und das womöglich in einer besseren Qualität -, müsste man einfach die Videos auf den alten Geräten abspielen und mit einer modernen Kamera wieder aufnehmen. Doch aus dem Plan der Nasa wurde nichts: Die US-Raumfahrtbehörde hat die Original-Videobänder verschlampt.

"Wir haben die Bänder seit einer ganzen Weile nicht gesehen, wir haben über ein Jahr nach ihnen gesucht - und sie sind nicht aufgetaucht", sagte der Nasa-Sprecher Grey Hautaloma. Insgesamt würden über 700 Kisten vermisst. Auch das vielleicht wichtigste Video der bemannten Raumfahrt fehlt: das Band, das die ersten Schritte von Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin auf dem Mond zeigt.

Die Bilder von jenem 20. Juli 1969 waren vom Mond zu Empfängerstationen in Kalifornien und Australien gesendet worden. Von dort aus gingen die Bilder über Houston in alle Welt. Die Kassetten mit den Aufnahmen blieben, so die Vermutung der Nasa, in den Archiven - in welchen, ist allerdings unklar.

Bilder und Filme hin- und hergereicht

Das Material hätte zuerst im National Archive gelegen, so Hautaloma, sei dann aber wieder zur Nasa zurückgekommen. "Wir schauen in unseren Akten nach", sagte der Nasa-Sprecher.

Ehemalige Mitarbeiter des Raumfahrtprogramms glauben, dass die Originalaufnahmen der Empfängerstationen im Nasa Goddard Space Flight Center in Greenbelt (US-Bundesstaat Maryland) liegen. Dazu gibt es aber noch keine offizielle Stellungnahme der Nasa.

Die Angelegenheit ist durchaus pikant, denn immerhin ranken sich um die erste Mondlandung zahlreiche Gerüchte. Die betroffenen Experten finden die ergebnislose Suche jedoch nicht dramatisch: "Ich würde nicht sagen, dass wir besorgt sind. Wir haben ja alle Daten in der einen oder anderen Form." So habe die Nasa zum Beispiel Mitschnitte der TV-Übertragungen und einiger Filmchen, die im Internet verbreitet wurden. Deren Qualität lässt aber zu wünschen übrig.

"Ich möchte klarstellen, dass die Bänder nicht endgültig verloren sind", sagte John Sarkissian, Wissenschaftler am Parkes Radio Observatory in Australien. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, dass die Bänder schlecht behandelt, verlegt und nun für immer verschwunden sein könnten. Das Archivieren der Bilder und Filme habe während der Apollo-Ära einfach eine geringere Priorität gehabt, sagte Sarkissian.

Doch selbst wenn die Videos wieder auftauchen: Nasa-Sprecher Hautaloma befürchtet, dass sich die Bänder dann nicht mehr abspielen ließen - weil die Magnetbänder mittlerweile zerstört sein könnten.

fba/AP/rtr

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.