Pentagon-Plan Satelliten sollen Sonnenenergie zur Erde beamen

Satelliten, die Sonnenenergie zur Erde schicken: Lange haben Forscher davon geträumt, auf diese Art die irdischen Energieprobleme zu lösen. Jetzt hat das Pentagon der US-Regierung empfohlen, die Vision zu verwirklichen. Denn die Technologie bietet auch militärische Anreize.


Solarenergie aus dem All - eine bereits Ende der sechziger Jahre entwickelte Idee könnte nun Wirklichkeit werden. Das National Security Space Office (NSSO) des Pentagon hat der US-Regierung in einem jetzt veröffentlichten Bericht empfohlen, zehn Milliarden Dollar innerhalb der nächsten zehn Jahre in einen Test-Satelliten zu investieren, der in der Lage sein soll, einen Strahl von zehn Megawatt elektrischer Energie zur Erde zu schicken.

Solar-Scheibe der Nasa (Simulation): Das Pentagon glaubt, die Zeit ist reif für den Einsatz von Solarenergie-Satelliten
NASA

Solar-Scheibe der Nasa (Simulation): Das Pentagon glaubt, die Zeit ist reif für den Einsatz von Solarenergie-Satelliten

Kilometergroße Sonnensegel wären nötig, um für diese Energiemenge genügend Sonnenlicht im Orbit einzufangen. Der Satellit würde die Energie dann in Form eines Lasers oder als Mikrowellen zur Erde schicken. Der Strahl würde dort mit speziellen Antennen aufgefangen und in elektrische Energie umgewandelt. Der Vorteil laut NSSO: Ein geostationärer Satelliten könnte auch bei Nacht und ungestört von Wolken Sonnenlicht einfangen.

In dem Bericht empfiehlt das NSSO der US-Regierung, das Projekt zu unterstützen. Es könnte die Technik Solarenergie erzeugender Satelliten demonstrieren und weitere Anreize für die Entwicklung der Technologie bieten. "Wir glauben, dass wir diese Technologie voranbringen können", sagte NSSO-Offizier Paul Damphouse nach einem Bericht des Online-Dienstes "Space.com".

Angeblich mehr Potential als Wind-, Öl- und Atomkraft

Befürworter der "Solar Space Power"-Technologie (SSP) glauben, sie habe das Potential, insgesamt mehr Energie zu erzeugen, als es mit fossilen Brennstoffen, Wind- und Atomkraft zusammen möglich ist. Zudem könne sie als unerschöpfliche Energiequelle die Abhängigkeit vom Öl verringern.

Doch natürlich haben die Autoren des NSSO-Reports auch eine militärische Nutzung im Sinn. Solarenergie-Satelliten könnten eine schon seit langem bestehende Schwäche des US-Militärs beheben: die Abhängigkeit von lokaler Energieversorgung in entlegenen Einsatzgebieten. Mit den Satelliten könnten US-Truppen jederzeit auch in Regionen wie beispielsweise dem Irak oder dem Mittleren Osten mit Strom versorgt werden. Zudem wären die Kosten geringer, denn die dortigen Preise für Elektrizität können durchaus das Zehnfache des Preises in den USA betragen.

Die Idee, Solarenergie aus dem All zu beziehen, hat der Ingenieur Peter Glaser 1968 ins Spiel gebracht. Frühe Entwürfe sahen Sonnensegel von 50 Quadratkilometern Fläche vor. Man glaubte, dass Hunderte von Astronauten für den Aufbau solcher Anlagen im All nötig seien. Kosten waren den Schätzungen zufolge astronomisch. 300 Milliarden bis eine Billion Dollar hätten die USA damals investieren müssen, sagte John Mankins, ein früherer Nasa-Mitarbeiter und Befürworter der Technologie, zu "Space.com".

ISS soll als Testobjekt dienen

Die Nasa sei in den siebziger Jahren zu dem Schluss gekommen, dass die Sonnen-Satelliten zwar technisch machbar, aber unwirtschaftlich seien. Seitdem haben jedoch laut Mankins Fortschritte in der Photovoltaik, Elektronik und Robotik sowohl die notwendige Größe der Sonnensegel als auch die Kosten verringert. Auch ein Aufbau im All durch Astronauten wäre heutzutage nicht mehr nötig.

"Dies ist keine 50-Jahres-Lösung", sagte Mankins. "Mit den Möglichkeiten von heute ist eine groß angelegte Demonstration der Technologie innerhalb dieser Dekade erreichbar." Die Internationale Raumstation (ISS) könne als Testobjekt für SSP-Komponenten dienen und sogar eine schwache Energie-Transmission vom Orbit zur Erde durchführen, so die Befürworter.

Allerdings gibt es noch Hürden auf dem Weg zum Solarkraftwerk im All: Der Transport von Nutzlast in die Umlaufbahn ist noch viel zu teuer. Ein SSP-Satellit, der die gleiche Kapazität wie ein modernes Kraftwerk besäße, hätte ein Gewicht von 3000 Tonnen - das ist mehr als das zehnfache Gewicht der ISS. Hunderte Raketenstarts wären erforderlich, nur um das erforderliche Material in den Orbit zu bringen. Zurzeit startet die USA weniger als 15 Raketen jährlich.

Laut NSSO sind dies jedoch nur logistische und wirtschaftliche Schwierigkeiten. "Technologische Hürden gibt es zurzeit nicht", sagte Damphouse.

lub



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