Perchlorat Lebensfeindliche Substanz im Marsboden gefunden

Eine Rolle rückwärts: Kürzlich hatte die Nasa noch jubiliert, der Marsboden sei lebensfreundlich. Vielleicht zu vorschnell, denn die Sonde "Phoenix" hat im Marsboden eine problematische Substanz gefunden. Unklar ist noch, ob "Phoenix" nicht vielleicht selbst den Marsboden besudelt hat.


Los Angeles - Es klang so vielversprechend: Der Boden auf dem Mars ähnele "einem normalen Gartenboden, in dem man Spargel anbauen kann", hatten Forscher noch vor wenigen Wochen erklärt. Grundlage dafür war die Analyse einer Bodenprobe durch die Sonde "Phoenix", die Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium und Natrium nachgewiesen hatte. Auch grüne Bohnen und Rüben könnten in einem solchen Boden gedeihen, erklärten die Forscher, die im Sinne der Schlagzeile allerdings unerwähnt ließen, dass es auf dem Mars für planetaren Gartenbau normalerweise viel zu kalt sein dürfte.

Nun kommt eine weitere schlechte Nachricht hinzu, die den Traum vom Marsgarten unmöglich machen könnte. "Phoenix" hat in einer neuen Bodenprobe ein Perchlorat-Salz gefunden. Das gab Chefwissenschaftler Peter Smith von der University of Arizona bekannt. Als besonders lebensförderlich gilt die Substanz nicht. Perchlorate sind unter bestimmten Bedingungen hochreaktiv und wirken brandfördernd. In der Medizin kommen sie bei Schilddrüsenerkrankungen zum Einsatz.

Bislang steht allerdings noch nicht fest, ob nicht vielleicht "Phoenix" selbst das Perchlorat-Salz mit auf den Mars gebracht haben könnte. Weitere Analysen sollen die Möglichkeit einer ungewollten Verunreinigung nun ausschließen. Dazu überprüft die Nasa ihre Kontaminationskontrollprozesse, die vor dem Start der Sonde für höchstmögliche Sauberkeit sorgen sollten.

Perchlorate werden in Feststoffraketen genutzt, allerdings kam in den Triebwerken von "Phoenix" mit Hydrazin eigentlich ein anderer Treibstoff zum Einsatz.

chs/AP

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