Astronomischer Ausblick: Pferdekopfnebel in voller Pracht

Von der Erde gesehen sieht er aus wie ein Pferd von der Seite - und so kam der Pferdekopfnebel auch zu seinem Namen. Spektakuläre neue Bilder des Weltraumteleskops "Hubble" zeigen die riesige Wolke in ihrer ganzen Schönheit.



Am Anfang sah es nicht aus wie eine Erfolgsgeschichte. Wirklich nicht. Wegen eines Fehlers in der Optik lieferte das "Hubble"-Teleskop nach seinem Start im April 1990 nur unscharfe Fotos. Doch 23 Jahre später ist diese Blamage längst vergessen. Das Weltraumobservatorium ist - dank diverser Reparaturmissionen - längst der Rockstar der Astronomie.

Mit vielen hochauflösenden Bildern hat "Hubble" den Blick der Menschheit aufs All revolutioniert. Zum 23. Geburtstag ihres Schützlings haben die "Hubble"-Wissenschaftler nun ein besonders spektakuläres Foto veröffentlicht. Es zeigt einen kosmischen Klassiker: den 1500 Lichtjahre von der Erde entfernten Pferdekopfnebel im Sternbild Orion. Diese sogenannte Dunkelwolke besteht aus großen Mengen von kaltem Gas und Staub, in ihrem Inneren entstehen aber auch zahlreiche neue Sterne.

Der Nebel wirkt nicht zuletzt deswegen so fotogen, weil er besonders gut ausgeleuchtet ist. Von uns aus gesehen, liegt hinter dem Pferdekopfnebel das Sternsystem Sigma Orionis - und das sorgt dafür, dass ionisiertes Gas in der Nachbarschaft hell leuchtet. Im Bereich des sichtbaren Lichts ergibt sich dadurch ein rosa Farbton.

"Hubble" hat den Nebel freilich auch im Infrarotbereich fotografiert. Dafür kam die hochauflösende Wide Field Camera 3 zum Einsatz, das modernste Instrument an Bord. Die Kamera wurde bei der definitiv letzten "Hubble"-Servicemission im Mai 2009 eingebaut. Denn seit dem Ende des Space-Shuttle-Programms der Nasa kann das Observatorium nicht mehr erreicht werden.

Also drücken die Astronomen die Daumen, dass "Hubble" noch lange solch beeindruckende Bilder macht wie jetzt vom Pferdekopfnebel. Die riesige Wolke verändert sich übrigens, in ungefähr fünf Millionen Jahren dürfte sie ganz verschwunden sein. Schuld ist die massive UV-Strahlung der Sterne in der Nachbarschaft. Sie hat auch dafür gesorgt, dass weitere Wolken in der Nähe des Pferdekopfnebels sich schon aufgelöst haben.

Für Mobil-Nutzer: Klicken Sie hier für die "Hubble"-Aufnahme.

chs

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Fotostrecke
Neue Fotos: "Hubble" reloaded

Fotostrecke
Hubble: Spektakuläre Bilder aus den Tiefen des Weltalls
"Hubbles" bewegte Geschichte
April 1990
An Bord der Raumfähre "Discovery" wird "Hubble" ins All geschossen. Benannt ist das Teleskop nach dem 1953 gestorbenen US-Astronomen Edwin Hubble.
Juni 1990
"Hubble" sorgt zunächst für eine große Enttäuschung. Das Gerät liefert nur unscharfe Bilder. Der Hauptspiegel des Teleskopes war defekt. Durch einen falsch geschliffenen Messstab kam es zu einer Abweichung von 1,3 Millimetern - für optische Präzisionsgeräte fatal. Der Fehler verhinderte die Fokussierung, so dass die lang ersehnten Bilder aus dem All zunächst völlig nutzlos waren. John Campbell, Chef des Flug-Direktoriums, erinnerte sich später: "Die Häme ging so weit, dass man damals nicht zugab, Mitarbeiter der Hubble-Mission zu sein."
1993
Die Reparaturarbeiten beginnen. Astronauten der Raumfähre "Endeavour" installieren Linsen, die "Hubbles" Sehschwäche korrigieren. Fünf Tage lang reparierte die Besatzung und verhinderte so, dass der sehschwache Krüppel zum Milliarden-Flop wurde. US-Astronom Edwin Turner nannte die Mission damals "ein gewaltiges Vabanquespiel".
1995
"Hubble" liefert sensationelle Bilder aus dem sogenannten Adlernebel. Nie zuvor gab es so genaue Einblicke in die Geburt von Sternen.
1997-2002
Drei weitere Instandsetzungsmission finden statt.
2004
Die fünfte und letzte geplante Instandsetzungsmission wird nach der Explosion der "Columbia" abgesagt. Das "Hubble"-Projekt wird ausgesetzt.
2006
Die NASA nimmt das Projekt wieder auf und plant zunächst eine Roboter-Mission, um "Hubble" auf den neuesten Stand zu bringen.
2008
"Hubble" fällt aus und sendet vorübergehend keine Bilder. Durch den Ausfall verzögert sich der letzte Flug zu dem Teleskop um sieben Monate.
2009
Die lange umstrittene Reparatur von "Hubble" wird im Mai endlich durchgeführt. Astronauten der Raumfähre "Atlantis" ersetzen kaputte Teile und rüsten das Teleskop auf. Die Operation war ein voller Erfolg: Im September veröffentlichen Astronomen die ersten Fotos nach der Reparatur -: sie sind spekakulär.
Nach 2020
Mit einem Sturz in den Pazifik soll die Geschichte des "Hubble"-Teleskops enden.