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Landung auf Komet Tschuri: "Philae" liegt kippelnd zwischen Felsblöcken

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"Rosetta"-Mission: Neue Fotos von Tschuris Oberfläche Fotos
ESA/ Rosetta/ Philae/ CIVA

"Philae" steht inmitten von Felsblöcken, ein Bein hängt in der Luft: Bei der Landung auf dem Kometen Tschuri hüpfte der Apparat wohl einen Kilometer weit. Die größte Sorge der Forscher ist, dass die Solarzellen des Labors kaum Licht abbekommen.

Hamburg - Das "Philae"-Labor steht auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, es funktioniert und liefert Daten. Doch insbesondere die Fotos, die von der Sonde kamen, bereiten den Wissenschaftlern beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Weltraumbehörde Esa Kopfzerbrechen. Am Mittwochnachmittag präsentierte Jean-Pierre Bibring von der Université Paris-Sud vier weitere Aufnahmen, die "Philae" mit seiner Panoramakamera geschossen hat.

Sie zeigen, dass der Lander offenbar auf die Seite gekippt und von großen Felsen umgeben ist. Eines der drei Beine hängt in der Luft, neben "Philae" erhebt sich eine hohe Felswand. "Wir wissen nicht, wie nahe wir an der Felswand stehen, es sind vermutlich einige Meter", sagte Bibring.

Die Forscher haben mittlerweile den Ablauf der Landung auf dem Kometen Tschuri rekonstruiert. "Philae" berührte demnach den Boden zuerst genau in der ursprünglich für die Landung ausgewählten Region Agilkia. Doch der kühlschrankgroße Apparat prallte vom Kometen ab und schwebte fast zwei Stunden lang leicht rotierend weiter. "Er könnte etwa einen Kilometer hoch geflogen sein und etwa einen Kilometer neben dem ersten Landepunkt nochmals gelandet sein", sagt Stephan Ulamec, "Philae"-Projektleiter beim DLR in Köln.

Landebereiche auf Tschuri: In der Region J, genannt Agilkia, sollte "Philae" zum Stehen kommen. Dort berührte sie auch den Kometen, doch prallte wieder ab. Die Forscher vermuten den Landeapparat nun in der Region B. Zur Großansicht
ESA/ Rosetta/ MPS for OSIRIS Team/ UPD/ LAM/ IAA/ SSO/ INTA/ UPM/ DASP/ IDA

Landebereiche auf Tschuri: In der Region J, genannt Agilkia, sollte "Philae" zum Stehen kommen. Dort berührte sie auch den Kometen, doch prallte wieder ab. Die Forscher vermuten den Landeapparat nun in der Region B.

Danach habe der Lander kurz Bodenkontakt gehabt und sei nochmals für sieben Minuten abgehoben. Beim dritten Kontakt mit dem Kometen sei "Philae" dann zur Ruhe gekommen. "Wir verstehen besser, wie wir gelandet sind", meinte Ulamec. "Aber wir wissen nicht, wo wir gelandet sind."

Wenigstens haben die Wissenschaftler eine ungefähre Ahnung, wo die Landestelle liegt: nahe des Bereichs B, einer der Regionen auf dem Kometen, die als mögliche Kandidaten für die Landung galten. Schließlich entschieden sich die Forscher aber für die Region J, die inzwischen Agilkia heißt.

Dass "Philae" so kippelig steht, erschwert die Erforschung des Kometen. Unklar ist beispielsweise, ob aus dieser Lage überhaupt Bodenproben genommen werden können. Fast noch größere Sorgen macht den Forschern die schattige Lage. Statt sechs Stunden pro Tag bekommt "Philae" wohl nur 1,5 Stunden lang Sonne ab, wie DLR-Forscher Koen Geurts meint. Die Solarzellen liefern somit viel weniger Strom als erhofft.

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"Rosetta"-Mission: Impressionen von Tschuri
Was dies für die geplanten Untersuchungen bedeutet, wollen die Forscher noch herausfinden. Womöglich gelingt es auch, "Philaes" Lage zu verändern, damit die Solarzellen mehr Strom liefern können. "Wir haben ein paar Ideen", sagte Bibring. Für einen Betrieb über mehrere Monate ist "Philae" auf Solarstrom angewiesen. Die Akkus an Bord würden bei Durchführung aller geplanten Experimente nur etwas mehr als 60 Stunden halten - danach wäre ohne ausreichende Energiezufuhr Schluss.

Trotz der sich abzeichnenden Schwierigkeiten gilt die Landung als großer Erfolg. Nie zuvor war es gelungen, auf einem Kometen zu landen. Beim Aufsetzen gab es allerdings Schwierigkeiten. Zwei Harpunen zum Verankern von "Philae" auf Tschuri wurden nicht ausgelöst, eine Düse zum Aufdrücken des Labors auf dem Kometen funktionierte nicht. Dies dürfte letztlich zum Abprallen des Landers geführt haben.

Wissenschaftler hoffen nach der Landung auf einen Blick in die Kinderstube des Sonnensystems, das vor 4,6 Milliarden Jahren entstand. Kometen sollen weitgehend unveränderte Materie aus dieser Zeit enthalten. "Rosetta" und "Philae" haben zusammen etwa 20 Instrumente an Bord, um Tschuri unter die Lupe zu nehmen.

"Rosetta" legte in den vergangenen zehn Jahren rund 6,5 Milliarden Kilometer im All zurück. Die Sonde war mit "Philae" an Bord am 2. März 2004 mit einer Ariane-5-Rakete von der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana in Südamerika gestartet. Die Mission soll bis Ende 2015 dauern. "Philae" wird seine Arbeit vermutlich spätestens im März einstellen. Dann ist der Komet der Sonne so nah gekommen, dass die Elektronik wegen der hohen Temperaturen ausfallen wird.

3D-Modell der Raumsonde

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1. Perfekt läuft nie etwas ab, aber was ich mich frage
static2206 13.11.2014
warum haben die Ingenieure bei der Entwicklung und beim Bau nicht auf Redundanz gesetzt? 2 paar Harpunen, mehrere unabhängige Steuerdüsen. Philae ist so ziemlich der teuerste "Kühlschrank" aller Zeiten, da sichert man sich doch normalerweise doppelt und dreifach ab.
2. Warum hat man dem System keine...
sfk15021958 13.11.2014
...Batterie mit radioaktiven Isotopen verpasst? Solarzellen war doch von vornherein ein Glücksspiel!
3. Ich kann mir nicht erklären
Bundeskanzler20XX 13.11.2014
Wie man bei einer Anziehungskraft von praktisch Null ein Loch bohren will ohne z.B. mit Schubdüsen gegenzuhalten. Gab es keine Schubdüsen die die Landesonde auf die Oberfläche drücken konnten um ein abprallen zu verhindern? Ich kann mir das nicht erklären wie man sich die Landung genau vorgestellt hat und man nicht solch ein Szenario bedacht hat. Schubdüsen wären wohl sehr sinnvoll gewesen um die Position nach der Landung zu halten. Naja, auch so ist die Mission schon ein Erfolg da er zeigt, das es generell möglich ist auf so Teilen zu landen.
4. Ganz einfach, bei der Mission kam es auf jedes Gramn und
hdudeck 13.11.2014
Zitat von static2206warum haben die Ingenieure bei der Entwicklung und beim Bau nicht auf Redundanz gesetzt? 2 paar Harpunen, mehrere unabhängige Steuerdüsen. Philae ist so ziemlich der teuerste "Kühlschrank" aller Zeiten, da sichert man sich doch normalerweise doppelt und dreifach ab.
jeden cm an. Schliesslich war der Platz beschraenkt und jedes Gramm mehr haette mehr Energie fuer den Transport (Raumflug) bedeutet. Da muss man Prioritaeten setzten.
5. Pannenserie aber denoch übertriebener Medienhype?
zeus35 13.11.2014
Kommt es nur mir so vor? Die Mission wird dauernd derart gefeiert, man sollte meinen die Forscher hätten erfolgreich den Warp-Antrieb getestet. Dabei wird laufend von ernsten Ausfällen berichtet, alle Nase lang fällt was aus, oder löst nicht aus, etc. Mir kommt es so vor als hätte man reichlich Schrott da hoch geschossen, der weder für die Dauer noch die Aufgabe sicher konzipiert worden ist.
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