Endgültige Funkstille Tschüs, "Philae"!

Man muss nicht perfekt sein, um zu Weltruhm zu kommen. Das hat der Kometenlander "Philae" bewiesen. Jetzt ist seine Geschichte vorbei. Wenn er sich noch mal bei uns melden wollte, könnten wir ihn nicht mehr hören. Und das ist auch gut so.

"Philae" auf dem Kometen (künstlerische Darstellung montiert in Panoramafoto)
DPA/ ESA

"Philae" auf dem Kometen (künstlerische Darstellung montiert in Panoramafoto)


Eigentlich war es ja nur eine Formalie. Um genau 11 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit an diesem Mittwoch hat man bei der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) ein kleines Gerät auf der Kometensonde "Rosetta" abgestellt. Electrical Support System Processor Unit hieß es - und war dafür verantwortlich, nach Signalen der kleinen Landesonde "Philae" zu suchen. Das heißt: Niemand hört jetzt noch zu, wenn sich das kleine Kistchen doch noch melden wollen würde - wie unwahrscheinlich auch immer das ist.

"Rosetta" kreist seit August 2014 um den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, "Philae" war dann am 12. November 2014 dort gelandet - allerdings deutlich unsanfter als geplant. Er hüpfte unkontrolliert über die Oberfläche und fiel dann vermutlich auf die Seite.

Gute zwei Tage lang, immerhin, sammelten die Messgeräte Daten und schickten sie zur Erde, dann war Schluss. Das lag daran, dass der endgültige Landeort der Sonde im Schatten lag. Deswegen reichte die Sonnenstrahlung nicht für die Energieversorgung - und die Batterien waren irgendwann leer.

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Komet Tschuri: Wo ist "Philae"?

Im Sommer 2015 änderte sich das noch einmal kurz. Der Komet war der Sonne deutlich näher als zum Zeitpunkt der Landung. So konnte sich "Philae" noch gelegentlich melden, doch im Juli 2015 war endgültig Funkstille. Deswegen hatten Forscher den Landeroboter auch schon vor Monaten endgültig verloren gegeben - zumal "Rosetta" sich der Kometenoberfläche teils sogar bis auf zehn Kilometer genähert hatte, ohne etwas von "Philae" zu hören.

Forscher haben mit den gesammelten Daten so einiges anfangen können: So hatte das Minilabor auf dem Kometen organische Moleküle nachgewiesen. Mit einer Thermalsonde und einem Seismometer gelang es zudem, physikalische Eigenschaften der Kometenoberfläche zu bestimmen.

Nun ist es trotzdem konsequent, das Lauschen einzustellen. Für Esa und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt war das mittlerweile kaum mehr als eine Formalie. Und das ist gut so. Denn die Sonde "Rosetta" muss selbst mit ihrer Energie haushalten.

"Rosetta" im Sparmodus

Zusammen mit ihrem Kometen ist die Sonde inzwischen etwa 520 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Das heißt, die Solarzellen generieren nicht mehr genug Strom. "Rosetta" soll in einem Kamikaze-Manöver am 30. September auf der Oberfläche des Kometen landen - und in den letzten Tagen und Wochen besonders spannende Nahaufnahmen des frostigen Himmelskörpers machen. Und dafür brauchen die Messgeräte alle verfügbare Energie.

"Philae" hat getan, was möglich war. Längst nicht alles hat wie geplant funktioniert - die Verankerungstechnik mit Bohrern und Harpunen vor allem, die für einen sicheren Stand auf dem Kometen sorgen sollte.

Aber trotzdem, die Sonde hat auch gezeigt: Man muss nicht perfekt sein, um zu Weltruhm zu kommen. So wurde der Landeroboter etwa auf der Titelseite des Wissenschaftsmagazins "Science" gefeiert - und auf zahllosen Zeitungstiteln und Zeitschriftencovern. Denn dass die Menschheit auf einem Kometen landet, das ist und bleibt - bei allen Unzulänglichkeiten - ein faszinierendes Ereignis, das nicht nur Wissenschaftler, sondern auch große Teile der Öffentlichkeit bewegt.

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"Rosetta"-Mission: Over und aus

Im Museum für Naturkunde Berlin ist ab 9. August 2016 eine Sonderausstellung zu "Rosetta" und "Philae" zu sehen. Sie läuft bis zum 24. Januar 2017.

chs



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Seite 1
nesmo 27.07.2016
1. Es wäre gut zu wissen,
was das Ganze gekostet hat und warum die Landung misslang. War der Anflug zu schnell, so dass die Sonde apprallte, der Landeplatz ungünstig, funktionierte der Anker nicht, war etwas fehlgeplant, wer ist verantwortlich? Die Öffentlichkeit hat schon ein Recht zu wissen, warum einige Millionen umsonst aufgewendet wurden, auch wenn immerhin einige Daten empfangen werden konnten. Der Fortschritt mag generell (u.a. finanzielle)Opfer verlangen, aber man wüßte schon gern warum.
oidahund 27.07.2016
2.
Zitat von nesmowas das Ganze gekostet hat und warum die Landung misslang. War der Anflug zu schnell, so dass die Sonde apprallte, der Landeplatz ungünstig, funktionierte der Anker nicht, war etwas fehlgeplant, wer ist verantwortlich? Die Öffentlichkeit hat schon ein Recht zu wissen, warum einige Millionen umsonst aufgewendet wurden, auch wenn immerhin einige Daten empfangen werden konnten. Der Fortschritt mag generell (u.a. finanzielle)Opfer verlangen, aber man wüßte schon gern warum.
Es war en Versuch, bei dem die Chancen, dass er mißlingt ziemlich hoch waren. Trotzdem wurden wichtige Erkenntnisse für die Grundlagenforschung gemacht. Über den Wert von Grundlagenforschung ließe sich ja trefflich streiten - am Feuer vor dem Eingang ener Höhle ... ok, streicehn Sie das Feuer, das hat auch was mit Grundlagenforschung zu tun. Die Kosten lassen sich ganz einfach über Google finden: https://www.wired.de/collection/latest/zehn-fakten-zur-rosetta-mission - 1,4 Mrd EUR (verteilt auf 30 Länder)
Bln79 27.07.2016
3.
Zitat von nesmowas das Ganze gekostet hat und warum die Landung misslang. War der Anflug zu schnell, so dass die Sonde apprallte, der Landeplatz ungünstig, funktionierte der Anker nicht, war etwas fehlgeplant, wer ist verantwortlich? Die Öffentlichkeit hat schon ein Recht zu wissen, warum einige Millionen umsonst aufgewendet wurden, auch wenn immerhin einige Daten empfangen werden konnten. Der Fortschritt mag generell (u.a. finanzielle)Opfer verlangen, aber man wüßte schon gern warum.
Es ist irgendwie typisch Deutsch, dass es einen Verantwortlichen dafür geben muss und man natürlich genau wissen will, warum das schief gegangen ist und was das wieder alles gekostet hat. Wenn Sie das so brennend interessiert, warum die kleine Kiste durch die Gegend gehüpft ist, dann benutzen Sie doch einfach die Weiten des Internet und recherchieren es. Ich habe für die Antwort geschlagene 15 Sekunden benötigt. Der erste Aufprall war weniger hart als erwartet und deshalb hat die Harpune zur Verankerung nicht ausgelöst und die Schubdüsen nicht gezündet. Jetzt zufrieden? Ach, sorry, die Sache mit der Verantwortung ist noch nicht geklärt. Da hätte ja mal vorher jemand vorbeifahren und nachgucken können, wie denn die Oberfläche so genau beschaffen ist, damit es nicht zu diesem Faux pas kommt. Da wurde wohl am falschen Ende gespart. *ironie.off*
Tiananmen 27.07.2016
4.
Zitat von nesmowas das Ganze gekostet hat und warum die Landung misslang. War der Anflug zu schnell, so dass die Sonde apprallte, der Landeplatz ungünstig, funktionierte der Anker nicht, war etwas fehlgeplant, wer ist verantwortlich? Die Öffentlichkeit hat schon ein Recht zu wissen, warum einige Millionen umsonst aufgewendet wurden, auch wenn immerhin einige Daten empfangen werden konnten. Der Fortschritt mag generell (u.a. finanzielle)Opfer verlangen, aber man wüßte schon gern warum.
Ich fürchte, dass Sie sich die Landung auf einem Kometen etwa so vorstellen, wie das Einparken in der Tiefgarage. Da gab es vorher keine Kenntnis von den Bedingungen des Landeplatzes. Und das "Ankern" war nicht so, wie der Hafenkapitän mal eben einen Anker fallen lässt. Vielleicht können Sie dem Satz etwas abgewinnen: "Philae ist der erste von Menschen gebaute Apparat, der auf einem Kometen weich landete". Aber wahrscheinlich eher nicht.
Newspeak 27.07.2016
5. ...
Zitat von nesmowas das Ganze gekostet hat und warum die Landung misslang. War der Anflug zu schnell, so dass die Sonde apprallte, der Landeplatz ungünstig, funktionierte der Anker nicht, war etwas fehlgeplant, wer ist verantwortlich? Die Öffentlichkeit hat schon ein Recht zu wissen, warum einige Millionen umsonst aufgewendet wurden, auch wenn immerhin einige Daten empfangen werden konnten. Der Fortschritt mag generell (u.a. finanzielle)Opfer verlangen, aber man wüßte schon gern warum.
1) Das ganze Projekt war unendlich teuer. 2) Die Landung misslang, weil sie es konnte. 3) Gott ist verantwortlich. Beantwortet das Ihre Fragen? Mal ehrlich, es ist eine Meisterleistung gewesen, den Kometen überhaupt zu treffen, nach jahrzehntelanger Planung und jahrelangem Anflug. Haben Sie überhaupt nur eine Ahnung, was man dazu alles können muß? Mir scheint, Sie haben die nicht. Denn sonst würden Sie nicht solche Fragen stellen. Die beteiligten Wissenschaftler werden schon darüber grübeln, was warum wie geklappt oder nicht geklappt hat und ihre Schlüsse ziehen. Und ob die Öffentlichkeit welche Rechte besitzt, das sei mal dahingestellt. Rechte besitzt normalerweise nur der, der auch Pflichten eingeht, z.B. die Pflicht sich zu informieren, um sich kompetent äußern zu können. Schließlich ist es interessant, daß die Fragen nach den Kosten immer nur bei den Projekten auftauchen, die wirklich einen allgemeinen Wert darstellen. Wenn das Militär sinnlos Milliarden aus dem Fenster wirft, fragt niemand, ob das gerechtfertigt ist. Aber imaginierte Millionenverluste bei einem wissenschaftlichen Projekt führen direkt zu solchen Fragen. Das ist so lächerlich. Man sollte Leuten, die technik- bzw. forschungsfeindlich eingestellt sind, mal die Gadgets wegnehmen, das Smartphone, den Laptop, den Fernseher, die Beleuchtung, all die Dinge, die durch teure und zu ihrer Zeit als sinnlos erachtete Grundlagenforschung zustande kamen. Michael Faraday...der hat doch nur Geld zum Fenster rausgeworfen. Welchen Nutzen hatte schon Albert Einstein? Der Laser, was für eine nutzlose Erfindung. Mit öffentlichen Mitteln bezahlt!
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