Esa-Projekt "Philae" und "Rosetta" sollen sich auf Komet treffen

Vor einem Jahr landete zum ersten Mal eine Sonde auf einem Kometen. Nun planen Esa-Experten ein spektakuläres Folgemanöver: Auch das Mutterschiff soll auf die Oberfläche des Himmelkörpers geschickt werden.

Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko: Härter als erwartet
Rosetta Navcam ESA/ AP

Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko: Härter als erwartet


Es wäre das schöne Ende eines langen Abenteuers: Das Minilabor "Philae" und seine Muttersonde "Rosetta" sollen am Ende der Mission der Europäischen Raumfahrtagentur Esa beide auf dem fernen Kometen Tschuri bleiben. "Wir planen nicht nur ein einfaches Ausschalten, das wäre traurig", sagt der Chef des Esa-Flugbetriebs, Paolo Ferri, in Darmstadt, von wo aus die Muttersonde gesteuert wird. "Wir werden 'Rosetta' langsam an die Oberfläche fliegen und wahrscheinlich sogar landen." Die Mission soll im September 2016 enden.

Im Gegensatz zu "Philae" lasse sich "Rosetta" steuern. Die Planung sei zwar kompliziert, aber es gebe schon viele Ideen. "Wir werden es tun", sagt Ferri. Schon die Landung des Minilabors "Philae" auf dem fernen Kometen Tschuri vor einem Jahr ließ die Welt staunen: Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt war die Landung auf einem Kometen gelungen - zehn Jahre, acht Monate und zehn Tage nach dem Raketenstart, rund 500 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.

Das Landemanöver am 12. November 2014 auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko war die schwierigste Aufgabe bei der ganzen Mission und ein historischer Moment in der Geschichte der Raumfahrt, wie Ferri rückblickend erzählt: "Rosetta" musste mit hoher Präzision fliegen und dann im richtigen Moment "Philae" auf den Weg schicken: "Es war wie ein Wurf", sagt Ferri. Das kleine waschmaschinengroße Labor bewegte sich wie in Zeitlupe Richtung Tschuri, 18 Zentimeter pro Sekunde. Sieben Stunden brauchte es für gut 22 Kilometer. Einmal unterwegs konnte niemand mehr eingreifen.

"Wo hüpft der hin?"

Dann diese Dramatik: Auf die Minute genau die erste Bodenberührung. Aber die Harpune zur Verankerung löst nicht aus. "Philae" prallt am Kometen ab, ist in Bewegung. Im Kontrollraum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln kann das Team nur anhand der Daten ablesen, was da passiert. "Die Daten haben uns gezeigt, der Lander bewegt sich, er dreht sich. Und da haben wir wirklich für zwei Stunden nicht gewusst, wo hüpft der hin, was ist da los", erzählt "Philae"-Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR.

Schließlich die Landung an diesem schattigen Plätzchen - aber nicht umgekippt, nicht ins Loch gefallen. Das war lebenswichtig für die weitere Arbeit. Aber es fehlt Sonne. Nach drei Tagen ist "Philaes" Batterie leer. Nicht nur bei "Philae", auch irgendwie bei Ferri: "Es war Freitagabend. Da ist die Spannung plötzlich runtergegangen. Da hatte ich Zeit, darüber nachzudenken."

Härter als erwartet

Es gab zuvor keine exakten Vorstellungen, wie ein Komet überhaupt aussieht. Der kleine Landeroboter liefert Bilder: "Man sieht den Kometen so, als würde man selbst draufstehen", sagt Ulamec. Und "Philae" sorgt mit seinen Daten für eine richtige Überraschung: Niemand hatte gedacht, dass der Komet an der Oberfläche so hart ist.

"Rosetta" begleitet den Kometen noch immer: Erst hat die Sonde den dampfenden und staubenden Kometen auf seinem Weg Richtung Sonne beobachtet. Jetzt zeigt sie, was mit zunehmendem Abstand zu unserem Zentralgestirn mit Tschuri passiert.

Ein Tweet nach monatelangem Winterschlaf

Einige Theorien zur Entstehung eines Kometen und des Sonnensystems mussten die Wissenschaftler schon über den Haufen werfen. So waren sie davon ausgegangen, dass das irdische Wasser von Kometen stammt. Nach Analysen ist aber klar, dass die Unterschiede dafür zu groß sind.

Wird es noch mal ein Zeichen von "Philae" geben? Nach sieben Monaten Winterschlaf hatte sich der kleine Landeroboter im Juni gemeldet: "Hello earth! Can you hear me?" (Hallo Erde! Kannst du mich hören?) hieß es auf seinem Twitter-Profil. Weltweit jubelten Forscher und Raumfahrt-Fans. Danach waren die Verbindungen zur Erde nicht richtig stabil - vielleicht hatte die Kälte der Elektronik geschadet. Aber Mitte oder Ende November gibt es wieder gute Chancen, meinen die Experten. Und für eine Überraschung ist "Philae" ja immer gut.

3D-Modell der Raumsonde

Elke Silberer, dpa



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insgesamt 10 Beiträge
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Msc 07.11.2015
1.
Mein Tipp an die ESA: Vorher mal bei Kerbal Space Program üben, dann klappts auch mit dem Landen!
MehrSeinalsSchein 07.11.2015
2. Toll, Fachleute setzen den Erfolg mit der Mondlandung gleich!
Ich habe zu diesem Thema schon mal geschrieben. Immer wenn ich darüber lese bekomme ich wieder eine Gänsehaut - genau wie an dem Tag, an dem die Landung "life" in die Bundeskunsthalle in Bonn - anlässlich der tollen Ausstellung "Outer Space" übertragen wurde. Am Beeindruckendsten war die Anwesenheit der Wissenschaftler, die vor über 10 Jahren etwas begonnen hatten, von dem sie gar nicht wussten, ob sie es überhaupt noch erleben würden! Schade, dass das Ganze nicht intensiver dazu genutzt wurde, bei Schülerinnen und Schülern die Begeisterung für die Wissenschaft und MINT-Fächer zu wecken. Mich hat die Tatsache, dass meine Eltern mich 1969 geweckt haben, um die Mondlandung im "Schwarz-Weiß-Fernsehen" zu verfolgen dazu motiviert Elektrotechnik zu studieren - für den Astronautenberuf hat es leider, leider nicht gereicht!! Ich wünsche viel Erfolg bei dem Vorhaben und bitte, bitte: Nutzt es zur Motivation der jungen Generation. Die Jugendlichen haben das Pech sich gerade in einer sehr "Depressiven Phase" unseres Landes zu entwickeln. Es braucht positive Signale! Wenn wir einen Kühlschrank auf einem 500 Millionen Kilometer entfernten Kometen landen können und zwei Jahre später auch noch - quasi ungeplant - das Mutterschiff, dann können wir auch "Vieles Andere" was gerade für unsere Zukunft erforderlich ist!!!
Ein_denkender_Querulant 07.11.2015
3. Gradios
Viel Erfolg!
brille000 07.11.2015
4. Auch meine Meinung
Zitat von MehrSeinalsScheinIch habe zu diesem Thema schon mal geschrieben. Immer wenn ich darüber lese bekomme ich wieder eine Gänsehaut - genau wie an dem Tag, an dem die Landung "life" in die Bundeskunsthalle in Bonn - anlässlich der tollen Ausstellung "Outer Space" übertragen wurde. Am Beeindruckendsten war die Anwesenheit der Wissenschaftler, die vor über 10 Jahren etwas begonnen hatten, von dem sie gar nicht wussten, ob sie es überhaupt noch erleben würden! Schade, dass das Ganze nicht intensiver dazu genutzt wurde, bei Schülerinnen und Schülern die Begeisterung für die Wissenschaft und MINT-Fächer zu wecken. Mich hat die Tatsache, dass meine Eltern mich 1969 geweckt haben, um die Mondlandung im "Schwarz-Weiß-Fernsehen" zu verfolgen dazu motiviert Elektrotechnik zu studieren - für den Astronautenberuf hat es leider, leider nicht gereicht!! Ich wünsche viel Erfolg bei dem Vorhaben und bitte, bitte: Nutzt es zur Motivation der jungen Generation. Die Jugendlichen haben das Pech sich gerade in einer sehr "Depressiven Phase" unseres Landes zu entwickeln. Es braucht positive Signale! Wenn wir einen Kühlschrank auf einem 500 Millionen Kilometer entfernten Kometen landen können und zwei Jahre später auch noch - quasi ungeplant - das Mutterschiff, dann können wir auch "Vieles Andere" was gerade für unsere Zukunft erforderlich ist!!!
Danke MehrSeinalsSchein, Sie sprechen mir aus dem Herzen. Leider kommen in den Medien Berichte über naturwissenschaftliche Leistungen eh' zu kurz. Da reciht's gerade noch, dass ein Jauch (schon vor Jahren!) eine nichtfunktionierende Brotschmiermaschine aus "Jugend forscht" vorstellt, andere Leistungen aber gar nicht wahrnimmt. Baut Handyplatinen in Schuhsohlen ein und redet darüber, füllt mit Ballerspielen ganze Sendungen aus, aber wundert Euch dann bitte nicht, dass die Bevölkerung verblödet.
der.tommy 08.11.2015
5.
SPON, wieso wird das immer wieder geschrieben? Rosetta war mitnichten die erste Sonde auf einem Kometen, es gab davor beispielsweise NEAR shoemaker und stardust waren früher und haben Länder abgesetzt. Stardust ist sogar wieder zur Erde gekommen.
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