Moskau - Die defekte russische Raumsonde "Phobos-Grunt" ist am Sonntag wie erwartet unkontrolliert auf die Erde gestürzt. Trümmer des Apparats schlugen in den südlichen Pazifik ein. Das teilten russische Behörden nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau mit. Zuvor hatten Experten einen Einschlag in Argentinien erwartet.
Die beim Eintritt in die Erdatmosphäre nicht verglühten Teile seien gegen 18.45 Uhr mitteleuropäischer Zeit in den Ozean gefallen. Das sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums Alexej Solotuchin nach Angaben der Agentur Interfax. Einheiten der militärischen Weltraumaufklärung hätten demnach den Absturz von Bodenstationen registriert. Die Giftstoffe im Treibstofftank sowie das radioaktive Kobalt an Bord sollten nach Angaben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos in der Atmosphäre verbrennen oder verglühen.
Russland hatte die umgerechnet 127 Millionen Euro teure Sonde Anfang November vergangenen Jahres mit einer "Zenit"-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet. Sie sollte auf Phobos, dem größten Marsmond, Bodenproben sammeln und diese bis 2014 zur Erde bringen. Doch wenige Stunden nach dem Start gab es technische Probleme: "Phobos-Grunt" schaffte den entscheidenden Austritt aus der Erdumlaufbahn nicht.
Mit der ersten interplanetaren Mission seit 15 Jahren wollte die Raumfahrtnation Russland nach Rückschlägen wieder international Eindruck machen. Dieser Plan ist nun mit einem spektakulären Fehlschlag vorerst zu Ende gegangen.
Eine Verschwörung?
Schwere Vorwürfe gegen Roskosmos erhob der Flugpionier Wladimir Bugrow. "Wenn einigen Ingenieuren vor dem Start von 'Phobos-Grunt' tatsächlich klar war, dass die Mission nur 50 Prozent Erfolgschancen hat - warum haben sie dann ihre nötige Unterschrift geleistet?", sagte der 78-Jährige der Zeitung "Rossijskaja Gaseta".
Bugrow sprach von der "schwersten Pannenserie in der russischen Raumfahrt seit 50 Jahren". Zuletzt seien 1962 fünf Raketenstarts gescheitert. Russland benötige dringend ein Raumfahrtprogramm mit klarer Perspektive, forderte Bugrow. Diese könne nur heißen: Mars-Expedition. Im vergangenen Jahr waren bei fünf russischen Pannen Trägerraketen abgestürzt und teure Satelliten verlorengegangen.
Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin hatte in diesem Zusammenhang eine erstaunliche Verschwörungstheorie geäußert: Er schloss laut dem Moskauer Online-Dienst Nowosti Kosmonawtiki nicht aus, dass die Fehlstarts im vergangenen Jahr durch technische Störungen von außen verursacht wurden.
boj/chs/dpa
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