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29. Januar 2013, 17:57 Uhr

Planet Venus

15.000 Kilometer langer Schweif beobachtet

Der Planet Venus ist von einer bis zu 300 Kilometer hohen Hülle aus Elektronen und Ionen umgeben. Wenn der Sonnenwind ausfällt, kann dieses Plasma einen gigantischen Schweif im All bilden, wie Astronomen jetzt festgestellt haben.

Katlenburg-Lindau - Deutsche Forscher haben den selten auftretenden Schweif der Venus analysiert. Es handele sich um eine Art Plasma-Ballon an der sonnenabgewandten Seite des Planeten, teilte das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau bei Göttingen am Dienstag mit.

Gewöhnlich ist die Venus von einer Hülle aus Elektronen und Ionen umgeben, die vom Sonnenwind quasi im Zaum gehalten werden. Fällt der Sonnenwind aus, wie beispielsweise im August 2010, verformt sich die Hülle zu einem Schweif.

"Phasen mit solch schwachem Sonnenwind kommen selten, aber immer wieder vor", sagt MPS-Forscher Markus Fränz. Das Ereignis im August 2010 sei allerdings das erste dieser Art seit dem Start der Raumsonde "Venus Express" vor etwa sieben Jahren gewesen. Mit der Sonde konnten die Wissenschaftler nun erstmals untersuchen, was bei schwachem Sonnenwind in der Atmosphäre der Venus geschieht.

Die Elektronen und Protonen des Sonnenwindes erzeugen Magnetfelder, welche die Venushülle stabilisieren. Ohne diese Felder kann sich die Hülle aus Elektronen und Ionen, die den Planeten in 150 bis 300 Kilometern Höhe umgibt, weit in den Weltraum ausdehnen.

Mit Instrumenten an Bord der Esa-Sonde "Venus Express" konnten die Forscher den gigantischen Schweif vermessen. Er ragt etwa 15.000 Kilometer in den Weltraum. Theoretisch könnte er aber auch deutlich länger sein und sich sogar über Millionen von Kilometern erstrecken, schreiben die Forscher im Fachblatt "Planetary and Space Science".

Ob sich die Ionosphäre der Venus auf diese Weise sogar bis zur Erde ausdehnen könnte, sei unklar. 1996 hatten MPS-Forscher mit einer anderen Raumsonde Venusplasma in Erdnähe nachgewiesen. Der nun beobachtete Riesenschweif könnte erklären, wie das Plasma damals in Nähe unseres Planeten gekommen ist.

hda/dpa

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