Planeten-Forschung: Sonde soll nach Leben auf der Venus suchen

Von Guido Meyer, Miami

500 Grad Celsius und ein mörderischer Luftdruck - auf der Venus geht es zu wie in einem Backofen. Leben hat dort heute wenig Chancen, aber früher gab es Wasserozeane auf dem Planeten. Eine neue Nasa-Sonde soll auf der Venus nach Lebensspuren suchen.

Der innere Nachbarplanet der Erde trägt den Namen der römischen Liebesgöttin, doch auf seiner Oberfläche geht es keinesfalls verträumt und romantisch zu. Die Venus erinnert eher an die Hölle: Unter der dicken Wolkendecke herrschen Temperaturen von nahezu 500 Grad Celsius, die Atmosphäre besteht zu fast 97 Prozent aus Kohlendioxid, der Luftdruck auf der Venus ist fast 100-mal so hoch wie auf der Erde.

Dennoch muss das nicht jedwede Form von Leben ausschließen, denn die Wolken der Venus und einstigen Ozeane auf ihrer Oberfläche bieten Anlass zu Spekulation. In Washington hat sich jetzt die Venus Exploration Analysis Group der US-Raumfahrtbehörde Nasa getroffen, um neue Ergebnisse in der Venus-Forschung vorzustellen.

Die Liebesgöttin kann auch anders - sich nämlich zanken mit Kriegsgott Mars um den Titel des - nach der Erde - lebensfreundlichsten Planeten unseres Sonnensystems. Bislang haben Exobiologen geglaubt, am ehesten auf unserem äußeren Nachbarn, dem Roten Planeten, auf organische Moleküle zu stoßen - wenn überhaupt. Doch derzeit weckt die Venus wieder verstärkt das Interesse der Forscher. "Venus und Erde sind sich sehr ähnlich, sie haben die gleiche Dichte, und sie sind aus demselben Material geformt", sagt David Grinspoon erläuternd, Planetologe an der University of Colorado in Boulder.

Neue Mission zur Venus

Außerdem seien sie so nahe beieinander, dass es unmöglich sei, ein Modell zur Erdentstehung zu entwerfen, ohne die Venus zu berücksichtigen: "Wenn das Wasser der Erdozeane von Kometen kommt, dann hätten sie auch die Venus treffen müssen. Wir können nicht die Erde nass werden und Venus trocken bleiben lassen", argumentiert Grinspoon.

Die Nasa bereitet derzeit die "Vesper"-Mission zur Venus vor. "Europas 'Venus Express' beobachtet vor allem die Dynamik der oberen Atmosphäre", erklärt James Green, Direktor der Abteilung für Planetenwissenschaften am Hauptsitz der US-Raumfahrtbehörde in Washington. "'Vesper' hingegen soll die tieferen Schichten untersuchen. Die beiden Sonden würden sich also ergänzen."

Es gebe außerdem die Möglichkeit, einen Ballon in der Atmosphäre schweben zu lassen. Zusätzlich untersucht die Nasa auch die Möglichkeit eines Landers. Mitte der achtziger Jahre hatten die Sowjets zuletzt mit ihren "Venera"- und "Vega"-Sonden auf der Venus aufgesetzt. Die hielten jedoch wegen der schwefelsäurehaltigen Atmosphäre, der hohen Temperaturen und des hohen Luftdrucks nur maximal zwei Stunden durch. Noch vor Weihnachten will die Nasa endgültig darüber entscheiden, ob und wann sie "Vesper" zur Venus schickt.

Grundlagen für Leben in den Ozeanen

Die Venus ist größer als der Mars, fast so groß wie die Erde, aber nur halb so weit von der Sonne entfernt wie der Rote Planet. Unter ihrer undurchsichtigen Wolkendecke herrscht ein Treibhauseffekt, der wahrscheinlich durch vulkanisch freigesetztes Kohlendioxid verursacht wurde. Es hängt wie eine Glocke über der Oberfläche und sorgt gemeinsam mit der nahen Sonne dafür, dass die Venus einem Backofen gleicht.

Unmittelbar nach Entstehung der Venus bis zu einem Zeitpunkt vor ein bis zwei Milliarden Jahren hat es auf dem Planeten wahrscheinlich für mindestens 600 Millionen Jahre Wasserozeane gegeben - wesentlich länger, als bisher angenommen. Astrobiologen und Geologen vermuten, dass die dicke Wolkendecke der Venus dafür verantwortlich ist, dass das Verdampfen der Ozeane langsamer vor sich ging als früher vermutet. Zwar hat die Strahlung der nahen Sonne den Planeten aufgeheizt, gleichzeitig haben ihn die Wolken aber gekühlt und dadurch den Verlust des Wassers etwa zwei Milliarden Jahre hinausgezögert - lange genug, dass sich organische Verbindungen hätten bilden können. Auf der Erde ist Leben wahrscheinlich innerhalb einiger hundert Millionen Jahre entstanden, vielleicht sogar wesentlich schneller. Auf der Venus hat es wahrscheinlich mindestens so lange Ozeane gegeben. "Damit hätte sich Leben auch auf der frühen Venus entwickeln können", meint Grinspoon.

Die Suche nach einstigen Ozeanen hat nicht nur Bedeutung für das mögliche Vorhandensein von Leben, sondern auch für die Oberflächenbeschaffenheit der Venus. Plattentektonik auf der Erde ist nur möglich, weil es Ozeane gibt, deren Wasser sozusagen als Schmiermittel für die Kontinentalplatten fungiert. Auf der Venus gibt es heute keine Plattentektonik, aber vielleicht früher, als der Planet von flüssigem Wasser bedeckt war. Die Oberfläche der Venus wurde vor etwa 600 Millionen Jahren bei gewaltigen Vulkanausbrüchen komplett erneuert. Von der ursprünglichen Kruste sind wahrscheinlich nur noch einzelne Stellen übriggeblieben, die so genannten Hochländer.

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