Planeten-Sonde: Venus bekommt Besuch aus Europa

Die Venus ähnelt der Erde wie kein anderer Planet, steckt jedoch voller Rätsel. Europas Raumfahrtagentur Esa schickt nun eine Sonde zum Morgenstern, auf dessen Oberfläche ein extrem heißes Klima herrscht. In der Nacht zum Mittwoch wird "Venus Express" ins All geschossen.

Die Venus fasziniert die Menschen seit Jahrtausenden. Wenn der Planet morgens und abends am Firmament erscheint, strahlt er heller als alle anderen Sterne - daher rührt auch sein Name Morgenstern. Die Venus kommt der Sonne sehr nah auf ihrer Umlaufbahn.

Sonde "Venus Express": 163 Tage Flug zum Erdzwilling
ESA

Sonde "Venus Express": 163 Tage Flug zum Erdzwilling

Eine Annäherung mit Folgen: Auf der Oberfläche ist es höllisch heiß und extrem trocken, die Temperaturen erreichen mehr als 450 Grad Celsius. Die fast ausschließlich aus dem Treibhausgas Kohlendioxid bestehende Atmosphäre mit dicken, schwefligen Giftwolken und wirbelsturmartigen Wolken macht den mit Kratern und Hochebenen überzogenen Planeten noch unwirtlicher. Mit einem Durchmesser von knapp 12.104 Kilometern ist die Venus dabei fast genauso groß wie die Erde.

In den sechziger Jahren schickten sowjetische Wissenschaftler erste Sonden zum Planeten, die Amerikaner folgten gut zehn Jahre später mit den "Pioneer"-Sonden. Nun wollen auch die Europäer in den Club der Venus-Erforscher eintreten - mit "Venus Express".

Die Namensanalogie zu "Mars Express", der Esa-Sonde, die seit Monaten erfolgreich den Roten Planeten umrundet und erforscht, ist kein Zufall. "Venus Express" ist nahezu identisch mit seinem Mars-Zwilling, wurde jedoch an die heißen und rauen Bedingungen im Venus-Orbit angepasst.

Hurrikan-ähnlich Stürme in der Atmosphäre

Die Venus gibt den Wissenschaftlern noch viele Rätsel auf. Eines der größten Geheimnisse ist, warum ein Planet, der im Hinblick auf Größe, Masse und Zusammensetzung der Erde so sehr ähnelt, im Laufe der letzten 4,6 Milliarden Jahren eine vollkommen andere Entwicklung durchgemacht hat.

Insbesondere interessiert die Forscher, wie die Hurrikan-ähnlichen Stürme in der Venus-Atmosphäre entstehen und welche Rolle der Treibhauseffekt spielt. Gibt es auf dem Planeten vielleicht Kreisläufe von Wasser, Kohlendioxid oder Schwefelsäure? Wie kam es zu dem Vulkanismus, der die Oberfläche vor 500 Millionen Jahren neu formte?

Fragen, die "Venus Express" vielleicht beantworten kann. Starten soll die Sonde an Bord einer Sojus-Fregat-Rakete von Baikonur in der kasachischen Steppe aus. Geht alles nach Plan, wird die Sonde nach 163-tägiger Reise im nächsten April in eine Umlaufbahn um die Venus einschwenken. Dort soll sie zwei ganze Venusjahre lang - immerhin 500 Tage - vor allem die dichte Atmosphäre untersuchen und Ursachen des Klimawandels beleuchten, aber auch aus mindestens 250 Kilometer Abstand die bislang präziseste Venus-Karte anlegen.

220 Millionen Euro wird das Projekt insgesamt kosten. Das sei günstig, betont man bei der Esa, schließlich gehöre "Venus Express" zur selben Missionsfamilie wie "Rosetta" und "Mars Express", so dass die Entwicklungskosten aufgeteilt werden konnten.

Die Operations-Teams der Esa treffen im Augenblick die letzten Vorbereitungen für den Start der Raumsonde. In der kommenden Nacht um 4.33 Uhr hiesiger Zeit wird es soweit sein.

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