Planeten-Streit: Xena könnte Pluto verdrängen

Schon seine Entdeckung hatte für Streit gesorgt: Soll Xena als zehnter Planet des Sonnensystems gelten? Oder Pluto nur noch als Asteroid? Jetzt wurde der Himmelskörper 2003 UB313 erstmals vermessen. Er ist deutlich größer als Pluto - und vielleicht sogar größer als unser Mond.

3000 Kilometer beträgt der Durchmesser von 2003 UB313, auch bekannt als Xena - das sind rund 700 Kilometer mehr als bei Pluto, dem neunten und äußersten Planeten unseres Sonnensystems. Damit kommt neuen Bewegung in den Forscherstreit, ob Xena der zehnte Planet des Sonnensystems ist oder Pluto künftig nicht mehr als Planet geführt wird.

Weil 2003 UB313 recht weit draußen und zudem klein ist, war es seinem Entdecker Mike Brown vor drei Jahren nicht gelungen, die Größe des Objekts zu berechnen. "Garantiert größer als Pluto" hatte Brown damals grob geschätzt.

Himmelskörper im Größenvergleich: Xena ist größer als Pluto
Frank Bertoldi / Universität Bonn

Himmelskörper im Größenvergleich: Xena ist größer als Pluto

Andererseits hatte das bisschen von UB313 reflektierte Licht so wenige Pixel im Sensor des kalifornischen Palomar-Observatoriums getroffen, dass der Beweis ausbleiben musste. "Es war schon klar, dass das Ding größer sein sollte als Pluto", sagte der Radioastronom Frank Bertoldi zu SPIEGEL ONLINE. Seinem Forschungsteam mit Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR), der Universität Bonn und des französischen Forschungsinstituts IRAM ist es nun gelungen, erstmals die Größe von UB313 zu messen, wenn auch indirekt.

Mit einem 30-Meter-Teleskop auf dem Gipfel des südspanischen Pico Veleta fingen die Forscher einen kleinen Teil der Wärmeabstrahlung auf, die von UB313 zur Erde gelangt. Allein das sichtbare Licht eines Himmelskörpers sagt noch nichts über seine Größe aus: Zwar kann er mehr Strahlung zurückwerfen, je größer seine Oberfläche ist. Doch abhängig von deren genauer Beschaffenheit unterscheidet sich auch der Grad des Reflexionsvermögens. Astronomen sprechen von Albedo.

Mit der neu gemessenen thermischen Strahlung (mit einer Wellenlänge von 1,2 Millimetern) und der schon bekannten im sichtbaren Bereich konnte das Team um Bertoldi nun den Albedo für UB313 berechnen. Der ähnele "auffallend" dem der Pluto-Oberfläche, schreiben Bertoldi und seine Kollegen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Nature".

Der Streit um den Planetenstatus von Pluto dürfte damit an Schärfe zunehmen. Dass UB313 definitiv größer ist, stärkt die Gegner von Plutos Planetenstatus. Seit Browns Veröffentlichung vom vergangenen Sommer hatten sie gefordert, UB313 müsse entweder als zehnter Planet an-, oder aber Pluto die Mitgliedschaft im Club der Planeten aberkannt werden.

In Anbetracht der technischen und methodischen Messungenauigkeiten, mit denen Bertolli und seine Kollegen zu kämpfen hatten, erklärt er: "Ich persönlich glaube das zwar nicht, aber mit rund zehnprozentiger Wahrscheinlichkeit könnte er sogar größer sein als unser Mond."

Dass das seit der Entdeckung von Neptun 1846 größte neu gefundene Objekt im Sonnensystem wird indes weder endgültig 2003 UB313 heißen, noch Xena oder Lila. So heißt die kurz vor dem Fund geborene Tochter von Mike Brown. Offiziell für die Taufe von Himmelskörpern zuständig ist die Internationale Astronomische Union (IAU). Gegenwärtig liegt diese Entscheidung in einem ihrer Komitees - ebenso wie die Frage nach der Klassifizierung.

stx

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