Planetenentstehung Kosmischer Frisbee begeistert Astronomen

Auf Bildern ist das leuchtschwache Band kaum zu erkennen - und doch sind sich Jenaer Forscher sicher: Sie glauben, dass in einer 400 Lichtjahre von der Erde entfernten Scheibe Planeten geboren werden.


Jena - Wenn Planetensysteme entstehen, dann spielt eine riesige kosmische Frisbeescheibe eine wichtige Rolle. In ihr rotieren Gas und Staub um einen jungen Stern. In dieser protoplanetaren Scheibe, die Forscher sprechen auch von einer Akkretionsscheibe, können sich aus zunächst sehr kleinen Masseansammlungen später Gesteins- und Gasplaneten bilden.

Doppelsternsystem: Um den Planeten links hinten soll nach den Vorstellungen der Forscher eine Akkretionsscheibe kreisen.
Tobias Schmidt / FSU

Doppelsternsystem: Um den Planeten links hinten soll nach den Vorstellungen der Forscher eine Akkretionsscheibe kreisen.

Astrophysiker der Universität Jena haben nun im südlichen Sternbild Corona Australis möglicherweise genau so ein Gebilde aufgespürt. Dabei half ihnen das Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in der chilenischen Atacama-Wüste. Es sei erst das vierte Mal, das ein Phänomen dieser Art von der Erde mit Teleskopen beobachtet werden konnte, erklärte Ralph Neuhäuser, der Chef des Astrophysikalischen Instituts der Universität Jena. Zusammen mit mehreren Kollegen berichtet er im Fachmagazin "Astronomy & Astrophysics" über die Entdeckung.

Die 400 Lichtjahre entfernte Scheibe umkreist ein Doppelsternsystem. Dieses sei mit rund einer Million Jahren sehr jung, so die Forscher. Der Radius der Scheibe entspricht ihren Angaben zufolge 30 Mal der Entfernung zwischen Erde und Sonne. Die Scheibe befinde sich in der Nähe einer Region, die als Sternentstehungsgebiet bekannt sei.

Messungen der infraroten Strahlung deuteten darauf hin, dass das Objekt kühle Materie wie Gas und Staub enthalte. "Wir haben weitaus mehr infrarote Strahlen messen können, als dies normalerweise üblich ist", sagte Neuhäuser. Das sei ein Hinweis auf kühlere Objekte.

Weitere Beobachtungen mit dem Teleskop in Chile sollen nun klären helfen, ob innerhalb des Gebildes tatsächlich Planeten geboren werden.

chs/ddp



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