Planetenforschung Eisfund deutet auf dickere Mars-Atmosphäre hin

Am Südpol des Mars lagert mehr als 30 Mal so viel gefrorenes Kohlendioxid als bislang bekannt. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass auf dem Planeten einst bessere Bedingungen für flüssiges Wasser herrschten. Eine neue Nasa-Mission soll nun Klarheit schaffen.

Von Mona Botros

NASA/ JPL-Caltech/ University of Rome/ Southwest Research Institute

Der Mars wirkt alles andere als lebensfreundlich. Doch das muss nicht immer so gewesen sein. Zumindest war die Lufthülle unseres Nachbarplaneten früher offenbar dicker als gedacht - und wohl ziemlich staubig. Das schließen US-Astronomen aus einem großen Trockeneisfund am Südpol des Roten Planeten. Dort lagert mehr als 30 Mal so viel gefrorenes Kohlendioxid als bislang bekannt, enthüllen Radarbilder der Raumsonde "Mars Reconnaissance Orbiter".

Der Trockeneis-Fund stütze Hinweise darauf, dass Mars vor sehr langer Zeit eine dichtere Kohlendioxid-Atmosphäre und fließende Gewässer gehabt habe, schreibt das Team um Roger Phillips vom Southwest Research Institute in Boulder (US-Bundesstaat Colorado) im Fachmagazin "Science".

In Zeiten als der Planet eine stärker gekippte Rotationsachse hatte, könnte genug Sonnenlicht auf die Marspole gefallen sein, um das Eis zu schmelzen. Das getaute Kohlendioxid hätte dann zu einer dichteren Atmosphäre mit mehr Staubstürmen geführt - und zu mehr Regionen, in denen flüssiges Wasser existieren konnte, ohne gleich zu kochen. Das jedenfalls vermuten die Forscher.

Weitere Klarheit über die früheren Lebensbedingungen auf dem Mars erhofft sich die Nasa von ihrem neuen Mars-Roboter. Ende des Jahres soll der vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida abheben. Nicht nur das Fahrzeug selbst, auch die zahlreichen Instrumente zur Probenentnahme und -analyse stellen das Neueste dar, was die Raumfahrt zu bieten hat. Nach der Landung im August 2012 beginnt die zweijährige Mission.

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"Curiosity": Neue Mission auf dem Weg zum Mars
"Curiosity" oder Neugier - so heißt der neue Mars-Roboter. Den Namen schlug eine zwölfjährige Schülerin aus Kansas vor. "Neugier ist die immerwährende Flamme, die in jedem brennt", begann Clara Ma ihren Aufsatz, mit dem sie einen Wettbewerb zur Namensgebung gewonnen hatte.

Die Neugier vereint auch das Team von mehr als 1000 Forschern, Ingenieuren und Technikern, das in den vergangenen vier Jahren den Roboter für die Erforschung des Mars am Jet Propulsion Laboratory (JPL) im kalifornischen Pasadena entwickelt hat. Noch einmal so viele Wissenschaftler, in anderen Forschungszentren in den USA, Kanada und Europa, haben verschiedene Instrumente entwickelt.

Laser verwandelt Gestein in Plasma

"Die Entstehung von den ersten Zeichnungen zu einem echten Fahrzeug mitzuerleben und zu wissen, dass es eines Tages auf dem Mars herumfahren wird, das ist schon überwältigend", sagt Ashwin Vasavada. Der Geophysiker und Planetenforscher ist zuständig für die Koordination zwischen den Ingenieuren in Pasadena und den verschiedenen Forschergruppen.

Das Mars Science Laboratory (MSL), die übergreifende Bezeichnung der Mission, ist ein Projekt der Superlative. Im Gegensatz zum "Mars Reconnaissance Orbiter", der nun den Trockeneisfund am Südpol des Mars aus einer Umlaufbahn um den Planeten gemacht hat, soll der Roboter auf der Oberfläche landen. Das haben schon früher Sonden getan, doch "Curiosity" ist doppelt so lang und fünfmal so schwer wie die bisherigen Mars-Rover "Spirit" und "Opportunity".

"Curiosity" soll eine Strecke von etwa 20 Kilometern auf dem Mars zurücklegen, deutlich mehr als seine Vorgänger. Neben zahlreichen Sensoren trägt er zehn Kameras, vier Spektrometer und zwei Strahlendetektoren. "Noch nie konnten wir eine solche Bandbreite an Messgeräten einsetzen, um eine Frage gezielt anzugehen", sagt Vasavada. "Wie hat es auf dem Mars in seiner frühen Geschichte ausgesehen? Und waren die Bedingungen jemals so, dass sie Leben ermöglicht hätten?"

Auch seine Kollegin Ann Devereaux, leitende Ingenieurin von MSL, zeigt sich begeistert von den Möglichkeiten des Roboters. "Die ChemCam etwa ist eine ganz neue Entwicklung. Mit einem Laser kann sie Gestein in der Größe eines Nadelkopfs in Plasma verwandeln und anschließend chemisch analysieren." Damit kann das Instrument entscheidende Hinweise über die Art des Gesteins, dessen Entstehung und Geschichte liefern, zum Beispiel durch die Analyse der Tiefe und Zusammensetzung von Verwitterungsschichten.



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hornbeam, 22.04.2011
1. Rausgeschmissen...
Geld.
karmamarga 22.04.2011
2. Ich hab´s. Das Ding war mal durch Menschen besiedelt.
Zitat von sysopAm Südpol des Mars lagert mehr als 30 Mal soviel gefrorenes Kohlendioxid wie bislang bekannt. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass auf dem Planeten einst bessere Bedingungen für flüssiges Wasser herrschten. Eine neue Nasa-Mission soll nun Klarheit schaffen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,758311,00.html
Wir sollten uns den Mars als Beispiel anschauen, wie es nach der Besiedlungszeit auf einem Planeten durch Menschen ausschaut. Daher dort aufhören und hier anfangen.
Silverhair, 22.04.2011
3. Geld=Nüsse
Zitat von hornbeamGeld.
Klar, wenns Gehirn nur noch gibt als Geldzählmaschine dann ist "Wissen" schlicht immer rausgeschmissenes Geld, weil da nichts anderes als Geld mehr existiert! Nebenbei, ohne Wissenschaft und Neugier zur Erkundung der Welt würden sie wohl immer noch auf der Stufe von Eichhörnchen leben - die hatten auch nichts anderes im Kopf als Nüsse!
Silverhair, 22.04.2011
4. Genau hinschauen
Zitat von karmamargaWir sollten uns den Mars als Beispiel anschauen, wie es nach der Besiedlungszeit auf einem Planeten durch Menschen ausschaut. Daher dort aufhören und hier anfangen.
Also ob er jemals durch Leben "besiedelt" war wissen wir nicht- aber er kann durchaus helfen dabei zu klären welche Entwicklungen Leben fördern oder ganz schnell dazu führen das es sich nicht mehr weiterentwickelt oder Ausstirbt!
Puffel, 22.04.2011
5. ...
Zitat von SilverhairKlar, wenns Gehirn nur noch gibt als Geldzählmaschine dann ist "Wissen" schlicht immer rausgeschmissenes Geld, weil da nichts anderes als Geld mehr existiert! Nebenbei, ohne Wissenschaft und Neugier zur Erkundung der Welt würden sie wohl immer noch auf der Stufe von Eichhörnchen leben - die hatten auch nichts anderes im Kopf als Nüsse!
Naja, ich muss zugeben, ich war auch irritiert, schon ab dem vierten Absatz dieses 2-Seiten-Artikels, der ja eigentlich laut Überschrift nur eine neue wissenschaftliche Entdeckung bekanntmachen wollte, von diesem neuen Marsvehikel zu lesen, was all unsere Fragen beantworten wird. Ich kam mir vor wie in einer Werbesendung. Begeisterung der beteiligten Wissenschaftler über diesen sensationellen Fund (*gähn*) hin oder her, mich steckt sie nicht an.
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