Planetenfund Forscher wollen bis 2010 fremdes Leben finden

Mithilfe mehrerer Teleskope haben Astronomen den bislang kleinsten erdähnlichen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aufgespürt. Manche glauben, dass noch in diesem Jahr ein echter Zwilling der Erde gefunden wird, der gute Bedingungen für Leben bietet.


Sein Name klingt nicht gerade attraktiv: OGLE-2005-BLG-390Lb taufte ein internationales Forscherteam den kleinsten Planeten, der bislang außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt wurde. Der Exoplanet kreist im Sternbild Schütze außerhalb unseres Sonnensystems um einen Stern, berichten die Astronomen im Magazin "Nature".

Planet OGLE-2005-BLG-390Lb (Zeichnung): Frostige Temperaturen
Getty Images/ ESO

Planet OGLE-2005-BLG-390Lb (Zeichnung): Frostige Temperaturen

Der Planet sei etwa fünfeinhalb Mal so schwer wie die Erde und verfüge über eine mit Eisseen bedeckte felsige Oberfläche. Die Temperaturen liegen Schätzungen zufolge bei rund minus 220 Grad. Damit sei es dort ähnlich frostig wie auf dem Eiszwerg Pluto am Rande unseres eigenen Sonnensystems, berichten die Forscher. Das mache Leben auf dem neu entdeckten Himmelskörper unwahrscheinlich, erklärte Pascal Fouqué vom Astrophysikalischen Labor von Toulouse und Tarbes.

Die Entdeckung zeige jedoch, dass Planeten von solcher Größe in "wohnlichen Regionen" durchaus häufiger anzutreffen seien, sagte Stephen Kane von der University of Florida.

Keith Horne von der St. Andrews University glaubt sogar, dass ein tatsächlich erdähnlicher Planet schon bald gefunden werden könnte. Sauerstoff in einer Atmosphäre, und damit Indizien für außerirdisches Leben, könne man möglicherweise schon in diesem Sommer nachweisen. "Ich tippe jedoch auf das Jahr 2010."

Der jetzt entdeckte Exoplanet wurde mit Hilfe einer für die Planetenjagd relativ neuen Technik aufgespürt, dem sogenannten Mikro-Gravitationslinseneffekt. Dabei verrät sich der normalerweise in keinem irdischen Teleskop sichtbare Planet durch seine Schwerkraft, die das Licht eines dahinter liegenden Sterns beugt, wenn er zufällig vor diesem vorbeizieht.

"Das ist der dritte Planet, den wir mit diesem Linseneffekt gefunden haben", sagte Horne. Die Methode ermöglicht, auch Planeten aufzuspüren, die deutlich kleiner seien als bisher bekannte Exoplaneten - möglicherweise sogar solche, die nur ein Zehntel der Größe der Erde haben.

An der Entdeckung des mehr als 20.000 Lichtjahre von der Erde entfernten Planeten waren Forscher von 32 Institutionen in 12 Ländern, unter anderem auch aus Deutschland, beteiligt. Rund 170 Exoplaneten sind bislang bekannt. Die meisten davon haben sich durch die Schlingerbewegung verraten, die sie ihrem Stern durch die eigene Schwerkraft aufzwingen. Entsprechend sind diese Exoplaneten in der Regel viel größer als die Erde, etwa wie der Riesenplanet Jupiter, der rund 300-mal so viel Masse besitzt wie unser Heimatplanet.



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