Planetenschmuck Uranus' neue Ringe sind rot und blau

Erst der Vergleich mehrerer Aufnahmen verrät die Farben der beiden zuletzt entdeckten Uranusringe - rot und blau. Und wenigstens der äußere von beiden verdankt Farbe und Existenz den Trümmern eines Mondes - ahnlich wie auch die Ringe des Nachbarn Saturn.


Matt glänzt das helle Graublau des Planeten Uranus in normalen Aufnahmen. Seine Methanatmosphäre absorbiert rotes Licht. Der siebte Planet im Sonnensystem sieht gleichzeitig wie dessen hässliches Entlein aus. Doch immerhin umgeben ihn, ähnlich wie seinen Nachbarn Saturn, mehrere Ringe. Nur sind diese von der Erde aus deutlich schlechter zu erkennen - so dass selbst über die Farben der Ringe bislang Unsicherheit herrschte.

Die beiden äußersten Ringe um den Planeten Uranus sind rot und blau. Das hat ein amerikanisches Forscherteam beim Vergleich von Bildern im sichtbaren Licht und im nahen Infrarotlicht herausgefunden. Damit haben sie nach Saturns E-Ring den zweiten blauen Ring im Sonnensystem entdeckt. Imke de Pater von der University of California in Berkeley und ihre Kollegen entdeckten außerdem Ähnlichkeiten zwischen den Ringsystemen von Uranus und Jupiter. Über ihre Arbeit berichten die Astronomen im Wissenschaftsmagazin "Science".

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Astronomen Mark Showalter und Jack Lissauer die beiden neuen Uranusringe entdeckt, ebenso wie zwei neue Monde. Damit stieg die Zahl der bekannten Ringe um den Uranus von elf auf dreizehn an. Sie machten diese Funde auf Fotos, die vom Weltraumteleskop Hubble aufgenommen worden waren. De Pater und ihr Team hatten Uranus schon seit dem Jahr 2000 mit dem Keck-Teleskop auf Hawaii beobachtet, im Gegensatz zu ihren Kollegen allerdings mit einer Infrarotkamera. Auf deren Bildern war aber nur der innere der beiden neuen Ringe zu erkennen.

Der äußere blieb unsichtbar - obwohl man aus anderen Aufnahmen ja wusste, dass er da ist. Den Regeln der Physik entsprechend musste er eine blaue Farbe haben - denn die macht ihn für Infrarotkameras unsichtbar. Auch der in den äußersten Ring eingebettete Mond Mab war auf den Infrarotbildern nicht zu finden. Wahrscheinlich ist Mab von Infrarotstrahlung absorbierendem Wassereis bedeckt, erklären die Forscher.

Mond Mab liefert Material für den E-Ring

Der äußerste Uranusring ähnelt mit seiner blauen Farbe und dem eingebetteten Mond Mab stark Saturns ebenfalls blauem E-Ring, der in der Umlaufbahn des Mondes Enceladus liegt. Wahrscheinlich gibt es für die blaue Farbe der beiden Ringe auch eine ähnliche Erklärung, schreiben die Astronomen: Schwache Kräfte verteilen kleine Partikel im Ring, während größere Teilchen vom Mond wieder aufgesammelt werden. Übrig bleibt ein breites Band aus sehr kleinen Teilchen, das vor allem blaues Licht reflektiert. Dass Enceladus für das Blau des Rings verantwortlich ist, haben Astrophysiker bereits herausgefunden.

Auch beim Uranus ist der Mond die Quelle der Ringpartikel. Doch während Enceladus aktiv ist und ständig kleine Staub- und Eispartikel in seine Umlaufbahn schleudert, kommt diese Erklärung bei Uranus' Mond Mab nicht in Frage: Mab ist ein inaktiver und felsiger Körper. Material für den blauen Ring liefert er nur aufgrund äußerer Einflüsse. Hier schleudern Meteoriteneinschläge Trümmer ganz verschiedener Größen in die Mondumlaufbahn, berichtet De Pater.

Ähnlichkeiten fanden die Forscher auch zwischen Saturns G-Ring und dem inneren der neu entdeckten Uranusringe. Beide erscheinen rötlich und enthalten vermutlich Partikel verschiedener Größen, die unterschiedliche Wellenlängen reflektieren. Die rote Farbe könnte einerseits wegen der vielen größeren Partikel - mit Ausmaßen von einigen Mikrometern bis zu Metern - dominieren. Andererseits weil das Material selbst eine rötliche Farbe haben könnte, vermuten die Astronomen.

stx/AP/ddp



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