Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Pluto: Gletscher aus Stickstoff kriechen über Zwergplaneten

Dunstige Eislandschaft: Gletscher auf Pluto Fotos
NASA/ JHUAPL/ SwRI

Die Sonde "New Horizons" hat spektakuläre Fotos vom Rand des Sonnensystems gefunkt: Über den Pluto bewegt sich eine rätselhafte Eislandschaft.

Eine Gegenlichtaufnahme der Raumsonde "New Horizons" zeigt den Zwergplaneten Pluto auf unbekannte Weise: Auf dem von der US-Raumfahrtbehörde Nasa veröffentlichten Bild sind spitze Eisberge, ausgedehnte Ebenen und große Gletscher im Sonnenuntergang zu sehen.

Außerdem enthüllt das Foto die dünne Stickstoffatmosphäre des Zwergplaneten, die bis zu 100 Kilometer hoch ist. Auf dem Boden liegt Stickstoff-Nebel.

"Abgesehen davon, dass es optisch atemberaubend ist, sind diese tief liegenden Dunstschleier ein Hinweis darauf, dass sich das Wetter auf dem Pluto von Tag zu Tag ändert - wie auf der Erde", erläutert "New Horizons"-Forscher Will Grundy vom Lowell-Observatorium in einer Nasa-Mitteilung.

Zusammen mit anderen Beobachtungen der Raumsonde liefert die neue Aufnahme Belege für eine Art Eiskreislauf auf dem Pluto, allerdings mit verschiedenen exotischen, weichen Eisarten statt mit Wasser. So scheint etwa Stickstoff von einer großen Eisebene namens Sputnik Planum in der auffälligen herzförmigen Region auf dem Pluto zu verdunsten und sich weiter östlich abzulagern.

Fließende Gletscher

Von diesen mit Stickstoffeis bedeckten Gebieten fließen wiederum Gletscher zurück nach Sputnik Planum, die an die Gletscher am Rande der grönländischen und antarktischen Eiskappen auf der Erde erinnern.

"Wir haben nicht erwartet, Hinweise auf so einen Stickstoff-basierten Glazialkreislauf auf Pluto zu finden, der bei den frostigen Bedingungen des äußeren Sonnensystems funktioniert", erläuterte Pluto-Geologe Alan Howard von der Universität von Virginia in der Mitteilung.

Der vom schwachen Sonnenlicht angetriebene Eiskreislauf scheine vergleichbar zu sein mit dem hydrologischen Kreislauf, der die irdischen Eiskappen füttere, indem Wasser aus dem Ozean verdunstet, als Schnee fällt und über fließende Gletscher ins Meer zurückkehrt.

"Pluto ist in dieser Hinsicht überraschend erdähnlich", betonte "New Horizons"-Chefwissenschaftler Alan Stern. "Und keiner hat dies vorhergesagt."

Wie entstehen die Dünen?

Andere Aufnahmen, die die Sonde bei ihrem Vorbeiflug im Juli geschossen und jetzt zur Erde gefunkt hat, zeigen Strukturen, die an Dünen erinnern. Sollte das tatsächlich der Fall sein, wäre das faszinierend - weil die Atmosphäre des Pluto heutzutage sehr dünn ist - wie können da Dünen entstehen?

"Entweder war die Atmosphäre in der Vergangenheit dichter. Oder es ist ein Prozess am Werk, den wir noch nicht verstanden haben", sagt "New Horizons"-Forscher William McKinnon von der Washington University in St. Louis.

Zuvor hatten die Wissenschaftler mithilfe der Aufnahmen festgestellt, dass zwei Nebelschichten den Pluto umgeben, eine in rund 50 Kilometern Höhe, die andere in rund 80. Nun berichten sie, dass es noch viele weitere Nebelschichten gebe. Das habe einen großen Vorteil: Durch den Nebel würden wie in der Dämmerung Gebiete leicht erhellt, die eigentlich schon im Dunkeln liegen. Deshalb können die Forscher nun mehr Regionen analysieren, als sie zuvor erhofft hatten.

Nach mehr als neun Jahren und fünf Milliarden Kilometern war "New Horizons" Mitte Juli als erster irdischer Flugkörper am Pluto vorbeigeflogen und hatte ihn mit sieben wissenschaftlichen Instrumenten untersucht. Die beiden "Voyager"-Sonden haben zwar schon vor vielen Jahren die Bahn des Pluto passiert, sie waren jedoch auf Kursen, die sie nicht in seine Nähe brachten.

boj/wbr/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Pluto for Planet!
spiegelzelt 18.09.2015
Wundervolle Bilder!
2. Grandios!
Vorzeichen 18.09.2015
Eine gigantische Ingenieursleistung, Respekt! Was das Rätsel angeht, nun, dafür sind Missionen da. Man erwartet ein Rätsel, weil sich die Reise der Sonde sonst nicht gelohnt hätte. Dann wird es Theorien geben, in einigen werden Widersprüche auftauchen und schließlich wird sich das herauskristallisieren, was nach dem Stand heutiger Technik möglich ist zu erfahren. Das ist Wissenschaft, aber gewiss kommen gleich wieder die Spon-Experten, die darin nur eine große Geldverschwendung sehen. DIe Wissenschaftler der NASA können sehr stolz auf sich sein.
3.
schlumpf515 18.09.2015
Es ist deutlich auf den Bildern zu erkennen, dass es sich bei Pluto um einen Planeten handelt.
4. Und für was ist das gut?
mikesch0815 18.09.2015
Nun, ich wollte einfach als erster mit der Frage hier auftauchen. In Wirklichkeit bin ich tief beeindruckt, sowohl von den Bildern von Pluto, als auch von Ceres und Tschuri...
5.
hegade 18.09.2015
Zitat von VorzeichenEine gigantische Ingenieursleistung, Respekt! Was das Rätsel angeht, nun, dafür sind Missionen da. Man erwartet ein Rätsel, weil sich die Reise der Sonde sonst nicht gelohnt hätte. Dann wird es Theorien geben, in einigen werden Widersprüche auftauchen und schließlich wird sich das herauskristallisieren, was nach dem Stand heutiger Technik möglich ist zu erfahren. Das ist Wissenschaft, aber gewiss kommen gleich wieder die Spon-Experten, die darin nur eine große Geldverschwendung sehen. DIe Wissenschaftler der NASA können sehr stolz auf sich sein.
Natürlich kommen gleich diejenigen, die keinerlei Verständnis dafür aufbringen, dass da - in Relation gesehen - ein paar Mark fünfzig ausgegeben werden, um einmal über den irdischen Tellerrand hinauszusehen. Hmpf...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Pluto: Zwerg mit Heiligenschein


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: