Polarlichter: Sonnensturm verlief glimpflich
Örtlich leuchtete der Himmel, Schäden gab es offenbar keine: Ein Sturm geladener Teilchen von der Sonne hat die Erde erreicht, doch seine Geschwindigkeit war niedriger als angenommen. Das Ereignis dauert noch ein paar Tage an.
Hamburg - Es ist ein aufregendes Ereignis, nicht nur für Astronomen: Der mit Spannung erwartete Sonnensturm hat am Wochenende die Erde erreicht. Am Sonntag verringerte sich die Intensität des Sturms aus elektrisch geladenen Teilchen, sagt der Sprecher des Darmstädter Kontrollzentrums der europäischen Raumfahrtagentur Esa, Bernhard von Weyhe.
Es gebe noch eine erhöhte Strahlungsintensität auf dem Erdmagnetfeld, sie nehme aber langsam ab. "In Mitteleuropa gibt es keinen Grund zur Sorge", sagte Weyhe mit Blick auf die zunächst befürchteten Auswirkungen des Sonnensturms.
Der Sturm war mit einer Geschwindigkeit von mehreren Millionen Kilometern pro Stunde durch das Weltall gerast. Wissenschaftler hatten vor möglichen Problemen für Handynetze und Satellitensysteme gewarnt. In Nordamerika und in Nordeuropa waren Polarlichter zu sehen. In Norddeutschland wurden außerdem Leuchtende Nachtwolken beobachtet - sie entstehen durch Eispartikel, der Sonnenwind hat dabei vermutlich keinen Einfluss.
Weyhe sagte, die Auswirkungen seien offenbar geringer als erwartet, da die Geschwindigkeit niedriger als angenommen gewesen sei. Er verwies darauf, dass nach dem heutigen Stand der Technik Intensität und Geschwindigkeit bei Sonnenstürmen schwer vorherzusagen seien.
Anfälligkeit des GPS-Systems
Durch den Sonnensturm sei aber das Erdmagnetfeld aufgeladen. Es sei möglich, dass es in den nächsten Tagen noch zu kleineren elektromagnetischen Störungen insbesondere in Nordeuropa komme. Durch elektromagnetisches Rauschen könnte möglicherweise der Funkverkehr beeinträchtigt werden. "Die Nachwirkungen sind für Experten noch spürbar", sagte der Esa-Sprecher.
Bei großen Sonnenstürmen hatte sich die Anfälligkeit des GPS-Systems gezeigt. Und im Jahr 1989 waren in Kanada nach einem Sonnensturm Millionen Menschen ohne Strom. Um mögliche Schäden am Weltraumteleskop auf dem Satelliten "XMM-Newton" zu vermeiden, hatte die Esa am Wochenende mehrere Messinstrumente vorübergehend abgeschaltet.
Weyhe betonte, dass Sonnenstürme in den nächsten zwei Jahren im Zuge des natürlichen Elf-Jahres-Zyklus der Sonnenaktivität zunehmen könnten. Es sei deshalb zu wünschen, dass sich in Europa eine "schnellere und noch effizientere Beobachtung solcher Sonnenstürme" entwickle.
Ursache des aktuellen Sonnensturms ist eine größere Sonneneruption am Donnerstag, durch die der Sturm Richtung Erde geschickt wurde.
| Extreme Sonnenstürme in der Vergangenheit | |
| 12 n. Chr. | Kaiser Tiberius sendet wegen flackernder Polarlichter Löschmannschaften in den Hafen von Ostia |
| 1859 | Ein starker Sonnensturm führt zur Unterbrechungen der gerade installierten Telegrafenverbindungen weltweit |
| 1921 | Signalausfall bei der New York Central Railroad sowie Ausfall von Telegrafen- und Telefonleitungen in Amerika und Europa. In Schweden brennt eine Telefonstation aus. |
| 1972 | Starker Teilchenschauer kurz vor Landung von "Apollo 17" |
| 1984 | Ausfall des Hochfrequenzfunks der US-Präsidentenmaschine "Air Force One" auf einem Flug von Amerika nach China mit Präsident Ronald Reagan an Bord |
| 1989 | Stundenlanger Ausfall des Stromnetzes in Québec (Kanada), sechs Millionen Menschen sind betroffen. Manche Satelliten verlieren mehrere hundert Meter Flughöhe. |
| 1994 | Ausfall von drei Kommunikationssatelliten |
| 1997 | Verlust des Kommunikationssatelliten "AT&T Telstar 401" |
| 2002 | Verlust der japanischen Marssonde "Nozomi" |
| 2003 | Einer der schnellsten Sonnenstürme in den Aufzeichnungen führt unter anderem zu einem mehrstündigen Stromausfall in Schweden, einem Ausfall des europäischen Flugradars, zur Verschiebung von mehr als 60 Flügen in den USA und dem Verlust des rund 390 Millionen Euro teuren Forschungssatelliten "Midori 2". |
| Vom Göttinger Sonnenphysiker Volker Bothmer aufgelistete Beispiele von Schäden durch stürmisches Weltraumwetter | |
boj/dapd
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