Premiere Erstes Foto von Sonnenfinsternis auf Uranus

Scharfe Bilder vom Planeten Uranus sind knapp. Jetzt nahm das Weltraumteleskop "Hubble" ein Foto des Gasriesen auf - und fing dabei auch noch den vorbeiziehen Mond Ariel ein. Auf eine solche Sonnenfinsternis muss man auf Uranus Jahrzehnte warten.


Ein Schatten rast über den Uranus. Der Verursacher ist Ariel, seiner größten Monde. Für einen Beobachter auf dem Uranus käme dieses Ereignis einer Eklipse gleich: Vom Standort des Schattens aus betrachtet würde Ariel die Sonne verdunkeln. Allerdings ist der Planet ein Gasriese - so berührt der Mondschatten nur die dichte Wolkendecke.

Sonnenfinsternis auf Uranus: Der Mond Ariel zieht seinen Schatten über die Wolkendecke des Planeten
NASA

Sonnenfinsternis auf Uranus: Der Mond Ariel zieht seinen Schatten über die Wolkendecke des Planeten

Der Uranus ist von der Sonne aus gesehen der siebte Planet unseres Sonnensystems, zwischen Neptun und Saturn, viel weiter vom Zentrum entfernt als die Erde. Sein Durchmesser ist viermal so groß wie der unseres Heimatplaneten, und seine Atmosphäre besteht vor allem aus Wasserstoff, Helium sowie etwas Methan, Wasser und Ammoniak.

Scharfe Aufnahmen von Uranus sind rar. Insofern wäre die Aufnahme des US-amerikanischen Weltraumteleskops "Hubble" an sich bereits ein wertvoller Beitrag für das Fotoalbum des Sonnensystems. Der rasende Schatten macht es einmalig.

Eigentlich könnte man meinen, eine Sonnenfinsternis sei auf dem Uranus nichts Ungewöhnliches. Schließlich sind bislang 27 Monde entdeckt worden, die ihn umkreisen - weitere könnten folgen. Eine irdische Eklipse entsteht, wenn sich der Mond zwischen Sonne und Erde befindet und deshalb seinen Schatten auf einen bestimmtes Gebiet wirft. Auf unserem Heimatplaneten passiert das relativ oft, wenn auch immer in unterschiedlichen Regionen.

Sonnenfinsternis von großer Seltenheit

Das ungewöhnliche Rotationsverhalten des Uranus hingegen macht dort die Sonnenfinsternis zur großen Seltenheit: Der Planet ist gegenüber der Sonne quasi gekippt, seine Rotationsachse liegt etwa in seiner Bahnebene. Er wälzt sich gewissermaßen auf seiner Umlaufbahn voran.

In den 84 Erdenjahren, die Uranus benötigt, um einmal die Sonne zu umrunden, streckt er dieser einmal seinen Südpol und einmal seinen Nordpol entgegen. Weil seine Monde den Äquator von Uranus umkreisen, stehen sie immer nur dann zwischen ihm und der Sonne, wenn diese genau über seinem Äquator steht: Alle 42 Jahre - beim Herbst- beziehungsweise Frühlingsanfang auf dem Uranus, wenn man in irdischen Dimensionen denkt .

Das letzte Mal ereignete sich das, als man auf der Erde das Jahr 1965 schrieb. Damals stand die Menschheit zwar nur noch vier Jahre vor der ersten Mondlandung, aber die Teleskope waren noch nicht leistungsfähig genug, um den Vorbeigang eines Mondes am Uranus zu beobachten. Erst 1990 änderte sich das mit der Inbetriebnahme des Weltraum-Teleskops "Hubble". Die notwendige Bildschärfe war nun vorhanden, aber in den frühen neunziger Jahren herrschte auf der Nordhalbkugel des Uranus noch "Hochsommer", die Sonne beschien die nördlichen Breiten des Planeten.

So ist das am 26. Juli dieses Jahres entstandene und nun veröffentlichte Bild tatsächlich das erste, das die Menschheit von einer Sonnenfinsternis auf dem Uranus aufnehmen konnte. Weitere könnten in der nächsten Zeit folgen, wenn noch andere Monde zwischen dem Planeten und der Sonne vorbeiziehen.

akh

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