Premiere Supernova während der Explosion beobachtet

Es war ein Glücksfall: In etwa 90 Millionen Lichtjahren Entfernung beobachteten Astronomen die Explosion eines Sterns. Das Spektakel dauerte nur fünf Minuten und wurde so noch niemals zuvor gesehen.


London - Der Zufall half: Eigentlich wollte das Team von Alicia Soderberg von der Princeton University mit Hilfe des "Swift"-Weltraumteleskops eine Supernova in 90 Millionen Lichtjahren Entfernung von der Erde beobachten. Dabei zeichneten die Astronomen am 9. Januar dieses Jahres einen extrem hellen, fünf Minuten anhaltenden Ausbruch von Röntgenstrahlung auf, in einiger Entfernung von dem geplanten Beobachtungsobjekt, aber in derselben Galaxie.

Die Forscher wussten sofort, dass sie etwas völlig Neues entdeckt hatten - und alarmierten Kollegen rund um den Globus, die ihre Instrumente ebenfalls auf den Ort des Ereignisses richten konnten. So beobachteten wenig später unter anderem die Weltraumteleskope "Hubble" und "Chandra" sowie mehr als ein halbes Dutzend Großteleskope auf der Erde die Szenerie.

Zu sehen war die etwa 90 Millionen Lichtjahre entfernte Supernova "SN 2008D". Die perplexen Forscher konnten sich über einen bisher unerreicht klaren Blick auf eine Sternenexplosion freuen. Die bislang bekannten Supernovae konnten nicht so detailliert beobachtet werden, denn sie gehörten zu einer selteneren, aber auffälligeren Klasse von Explosionen, bei denen starke Ausbrüche von Gammastrahlen die Sicht behindern - und vor allem, weil die Forscher erst Tage oder Wochen später hinsahen.

"Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort, hatten die richtigen Teleskope und konnten so Zeugen eines historischen Ereignisses werden", sagt Sodenberg. Die Ergebnisse ihres Teams wurden im Fachmagazin "Nature" (Bd. 453, S. 469) veröffentlicht.

Eine Beobachtung, die die Astronomen machten: Die dünne Außenschicht des Sterns wird bei der Explosion auf 70 Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt - das ist viel schneller als bislang angenommen. "Der Großteil der Sternenhülle bewegt sich mit zehn Prozent der Lichtgeschwindigkeit", erläutert Peter Meszaros von der Penn State University in University Park. So ließen sich auch die starken Röntgenstrahlen der Supernova erklären: "Die Energie normaler Photonen wird auf das Level von Röntgenstrahlen erhöht, wenn sie zwischen der langsameren Sternenhülle und der schnelleren Außenschicht hin- und hergeworfen werden."

Von der Auswertung der Daten erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Abläufe während einer Supernova. "Diese Explosion scheint charakteristisch für den Großteil der Supernovae zu sein, bei denen keine Gammastrahlen freigesetzt werden", sagt David Burrows von der Penn State University. "Die Daten, die wir sammeln, werden uns verstehen helfen, warum manche Supernovae Gammastrahlen produzieren und andere nicht."

chs/ddp



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