Raumfahrt: Privatfirma will Menschen zum Mond bringen

Die private Raumfahrt nimmt den Mond ins Visier. Ein Unternehmen, gegründet von Ex-Mitarbeitern der Nasa, will Menschen zum Erdtrabanten bringen - für 750 Millionen Dollar pro Ticket. Experten zweifeln allerdings, ob das Vorhaben realistisch ist.

Golden Spike: Firma will Mondflüge anbieten Fotos
GSC

Privatunternehmen spielen eine immer größere Rolle in der Raumfahrt. Erst vor wenigen Wochen hat SpaceX erstmals einen unbemannten Frachter ins All geschickt und wieder zurückgeholt. Der Milliardär Richard Branson will künftig regelmäßig Touristen an den Rand des Weltraums bringen, eine mysteriöse Firma will Rohstoffe auf Asteroiden fördern, und im Rahmen des "Google Lunar X Prize" stehen 29 Teilnehmer in einem Wettstreit, die erste private Sonde auf den Mond zu bringen.

Jetzt hat ein Unternehmen einen noch ehrgeizigeren Plan angekündigt: Es will bemannte Flüge zum Erdtrabanten anbieten. Ehemalige Mitarbeiter der US-Raumfahrtbehörde Nasa haben am Donnerstag die Gründung von "Golden Spike" bekanntgegeben. Das Unternehmen will den Hin- und Rückflug für zwei Personen einschließlich Spaziergang auf dem Mond für insgesamt 1,5 Milliarden Dollar (1,16 Milliarden Euro) verkaufen. Das Angebot richte sich sowohl an Staaten, die in den Club der Raumfahrtnationen aufsteigen wollten, als auch an Privatpersonen. Der erste Flug könne schon im Jahr 2020 stattfinden.

Auf der Mitarbeiterliste von Golden Spike stehen einige bekannte Namen aus der Raumfahrtbranche: Als Präsident und Geschäftsführer fungiert Alan Stern, der als stellvertretender Nasa-Direktor für die Wissenschaftsmissionen der US-Weltraumbehörde verantwortlich war und zeitweise gar als künftiger Direktor der Nasa gehandelt wurde. Vorstandschef von Golden Spike ist Gerry Griffin, Flugdirektor im Apollo-Mondprogramm der Nasa und ehemaliger Chef des Johnson Space Centers.

Mehrere Länder sollen Interesse bekundet haben

"Unsere Vision ist es, in den USA ein verlässliches und bezahlbares System für kommerzielle Flüge zum Mond aufzubauen", sagte Griffin bei der Vorstellung der Pläne in Washington. Es gebe bereits mehrere Länder, die Interesse an den Reisen zum Mond signalisiert hätten. Er nannte in diesem Zusammenhang Südafrika, Südkorea und Japan. Auch eine sehr reiche Person sei unter den Interessenten.

Je nachdem, wie viele Kunden unterschreiben würden, könne man schon 2020 die erste Mission fliegen. Sie würde laut Stern sieben bis acht Milliarden Dollar kosten. Die anschließenden Flüge würden dann aber deutlich billiger werden; der Preis könne dann 1,5 Milliarden Dollar betragen.

"Das wird alles verändern", schwärmte Stern. "Wir können bemannte Mondflüge zum Preis von Robotermissionen anbieten." Wie viele Flüge die Firma absolvieren müsste, um Gewinne zu machen, wollte Stern allerdings nicht verraten. Drei oder vier wären zwar zu wenig - "aber wir müssen keine wahnsinnigen Mengen verkaufen", so Stern. Eine Marktstudie habe ergeben, dass 15 bis 25 Nationen in der Lage wären, die Missionen zu finanzieren. Hinzu kämen Privatunternehmen und auch einige reiche Einzelpersonen.

"Wir können die Mondforschung für mittelgroße Länder wie Korea, Indonesien oder Südafrika bezahlbar machen", sagte Stern. Technisch sei die Reise kein größeres Problem. "Der Trick ist 40 Jahre alt", zitiert die "Washington Post" den Planetenwissenschaftler. "Wir wissen, was wir zu tun haben."

Technisch machbar, finanziell schwierig

Andere Raumfahrtexperten geben ihm in diesem Punkt durchaus recht: Technisch sei der Plan durchführbar, sagte der frühere stellvertretende Nasa-Direktor Scott Pace. Das Problem seien aber die Finanzen: Allein die Minimierung von Risiken und die Zahl der notwendigen Testflüge würden die Kosten in schwindelerregende Höhen treiben. Auch Jonathan McDowell von der Harvard University äußerte sich skeptisch. "In letzter Zeit sind Dutzende private Raumfahrtunternehmen entstanden", sagte der Astronom. Es sei unwahrscheinlich, dass ausgerechnet Golden Spike sich am Ende durchsetzen werde.

Tatsächlich erscheint der Golden-Spike-Plan für den Mondflug aufwendiger als die Missionen der Nasa in den sechziger und siebziger Jahren. Bei den "Apollo"-Flügen war nur ein Start vonnöten: Eine Saturn-V-Rakete - das leistungsstärkste Trägersystem der Geschichte - brachte Mannschaft, Mond-Orbiter und Landefähre zugleich auf die Reise. Golden Spike aber plant nicht einen, sondern gleich vier Starts, verbunden mit mehreren Andockmanövern im Orbit:

  • Zuerst wird ein Lunar Transport Vehicle (LTV) in den Erdorbit geschossen.
  • Eine weitere Rakete wird die noch unbemannte Mondlandefähre in die Umlaufbahn bringen, die dort an das LTV andockt.
  • Anschließend fliegt das Duo zum Mond, wo die Landefähre in eine Umlaufbahn einschwenkt und die Ankunft der Crew erwartet.
  • Deren Flug erfordert eine Wiederholung der Prozedur: Zuerst wird ein LTV in die Erdumlaufbahn gebracht, danach die bemannte Raumkapsel, und beide machen sich auf den Weg zum Mond.
  • Im Mondorbit dockt die Raumkapsel an das wartende Landegerät an, welches die beiden Astronauten zur Mondoberfläche und wieder zurück bringt.
  • Anschließend geht es in der Raumkapsel, die im Orbit gewartet hat, zurück Richtung Erde.

Golden Spike argumentiert, dass die Kosten gedämpft würden, indem man auf verfügbare Technik zurückgreife - etwa auf kommerzielle Raketen und Raumkapseln, die schon im Einsatz seien oder demnächst auf den Markt kämen. Zudem erwarte man große Einnahmen aus Werbung und TV-Senderechten. "Das könnte so groß werden wie die Olympischen Spiele", sagte Stern.

Bedenken, dass sich das öffentliche Interesse in Grenzen halten könnte - so wie es den Apollo-Missionen der Nasa widerfuhr, nachdem die erste Mondlandung geglückt war -, wischte Stern beiseite. "Es geht nicht darum, der Erste zu sein, sondern zum Club zu gehören." Das Verkaufsargument sei "der Sexappeal, seine eigenen Astronauten loszuschicken".

mbe/dapd/Reuters

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insgesamt 8 Beiträge
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1.
schwerpunkt 07.12.2012
Zitat von sysopDie private Raumfahrt nimmt den Mond ins Visier. Ein Unternehmen, gegründet von Ex-Mitarbeitern der Nasa, will Menschen zum Erdtrabanten bringen - für 750 Millionen Dollar pro Ticket. Experten zweifeln allerdings, ob das Vorhaben realistisch ist. Private Firma Golden Spike will Menschen zum Mond bringen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/private-firma-golden-spike-will-menschen-zum-mond-bringen-a-871564.html)
Mit Verlaub aber angesichts dessen was da gstern präsentieert wurde, ist das eher ein Marketing-Gag für die beteiligten Personen, als ernsthaftes Konzept. Mit einem solchen Pampflet wie die Präsentation dazu, würde man sogar einen Studenten wieder nach Hause schicken zur Nacharbeit: http://goldenspikecompany.com/wp-content/uploads/2012/02/French-et-al.-Architecture-Paper-in-AIAA-Journal-of-Spacecraft-and-Rockets.pdf. Das Ganze scheint mir keine ernsthafte Meldung wert.
2. Klar,
Bhur Yham 07.12.2012
Zitat von sysopEin Unternehmen, gegründet von Ex-Mitarbeitern der Nasa, will Menschen zum Erdtrabanten bringen - für 750 Millionen Dollar pro Ticket. Experten zweifeln allerdings, ob das Vorhaben realistisch ist.
aber die sollten vorher erst den Weltraumfahrstuhl bauen, sonst wird das nie was. Wie das geht steht hier (http://www.amazon.de/Limit-Roman-Frank-Schätzing/dp/3596184886).
3. wieso Privat-Gelder ?
vielfeindvielehr 07.12.2012
Zitat von sysopDie private Raumfahrt nimmt den Mond ins Visier. Ein Unternehmen, gegründet von Ex-Mitarbeitern der Nasa, will Menschen zum Erdtrabanten bringen - für 750 Millionen Dollar pro Ticket. Experten zweifeln allerdings, ob das Vorhaben realistisch ist. Private Firma Golden Spike will Menschen zum Mond bringen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/private-firma-golden-spike-will-menschen-zum-mond-bringen-a-871564.html)
Mit öffentlichen Mitteln sollte man im Hunderter-Pack unsere (ziemlich einige) Politiker / EU-Politiker dahin schicken. Und die Rückreise mal nicht im Hau-Ruck-Verfahren durchwinken. Ausserdem, einige würden sich sowieso wie zu Hause fühlen, also auf der anderen Seite unseres Trabanten. Nochmal Thema Kosten, Sylvester steht ja nun auch an....
4. Schon akut sonderbar
meinung3000 07.12.2012
Zitat von sysopDie private Raumfahrt nimmt den Mond ins Visier. Ein Unternehmen, gegründet von Ex-Mitarbeitern der Nasa, will Menschen zum Erdtrabanten bringen - für 750 Millionen Dollar pro Ticket. Experten zweifeln allerdings, ob das Vorhaben realistisch ist. Private Firma Golden Spike will Menschen zum Mond bringen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/private-firma-golden-spike-will-menschen-zum-mond-bringen-a-871564.html)
Schon akut sonderbar, dass es solch ein großes Problem zu sein scheint, bemannte Mondflüge "zu wiederholen".
5.
artusdanielhoerfeld 08.12.2012
"Es sei unwahrscheinlich, dass ausgerechnet Golden Spike sich am Ende durchsetzen werde." Sicher nicht, warum denn auch? Es reicht völlig, wenn das investierte Geld (außer für ein paar Alibi-Projekte) in den Taschen der "Betreiber" verschwindet. Die Investoren schmücken sich werbewirksam mit der Unternehmung, schreiben die Verluste steuerlich ab und jeder ist zufrieden.
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