Private Raumfahrt Israelis kaufen Ticket zum Mond

Russland, China und die USA haben es vorgemacht, aber können auch Privatleute eine Mondexpedition organisieren? Seit Jahren liefern sich Raumfahrtfans einen Wettlauf. Eine israelische Gruppe hat nun einen wichtigen Schritt gemacht.

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SpaceIL

Morgen werden alle über den Mars reden. Schließlich startet dann Ridley Scotts Blockbuster "Der Marsianer - Rettet Mark Watney" in den deutschen Kinos. Es geht um einen gestrandeten Marskolonisten, gespielt von Matt Damon, der bis zu seiner Rettung auf dem unwirtlichen Roten Planeten überleben muss. In den USA spielte der Film am Startwochenende beachtliche 55 Millionen Dollar ein.

Heute allerdings kommen die spannendsten Nachrichten vom Mond - oder besser gesagt von Menschen, die eine Expedition dorthin vorbereiten. Auch in diesem Fall winken einige Millionen Dollar. Aber - im Gegensatz zu Watneys Mars-Trip - geht es um eine unbemannte Mission. Das Besondere daran: Sie wird mehr oder weniger vollständig privat organisiert.

Im Rahmen des Wettbewerbs "Google Lunar X-Prize" konkurrieren zahlreiche Teams von Raumfahrtenthusiasten weltweit schon seit Jahren um dieses Ziel. Doch nun kann erstmals eines von ihnen tatsächlich einen geprüften Vertrag für einen Raketenstart vorweisen. Die israelische Gruppe "SpaceIL" gab am Mittwoch in Jerusalem bekannt, dass sie einen Vertrag mit dem US-Unternehmen Spaceflight Industries abgeschlossen hat. Das wiederum hat eine komplette "Falcon 9"-Rakete der Privatraumfahrer von SpaceX gechartert. Die Rakete soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2017 abheben - unter anderem mit dem kleinen Mondlander "Sparrow" an Bord.

Geld von reichen Gebern

Bei dem Wettbewerb geht es um Folgendes: Den Hauptpreis bekommt derjenige, dessen Roboterfahrzeug als Erstes mindestens 500 Meter auf der Mondoberfläche zurücklegen kann. Außerdem müssen HD-Videobilder von dort zur Erde gesendet werden. Dafür gibt es dann 20 Millionen Dollar (etwa 18 Millionen Euro).

Das ist angesichts des Aufwands nicht besonders viel. Warum machen trotzdem aktuell noch 16 Teams beim Wettlauf mit? Unter anderem, weil es eben geht. Weil es möglich ist, sich den Traum vom Mond zu erfüllen. Weil sich junge Raumfahrtenthusiasten auf diese Weise mit spannenden Projekten beschäftigen können. Immerhin geht es um die Mitgliedschaft in einem exklusiven Klub: Nur Sowjets, Amerikanern und Chinesen ist es bisher gelungen, eine Sonde weich auf dem Mond zu landen.

Wie viel die Israelis nun für ihr Ticket zum Erdtrabanten zahlen, ist nicht klar - wohl aber, woher das Geld für den teuren Flug stammt. Die Regeln des "Google Lunar X-Prize" besagen, dass staatliche Hilfen nicht mehr als zehn Prozent des Budgets eines Teams ausmachen dürfen. Das Geld von "SpaceIL" stammt daher von reichen Geldgebern: Stiftungen des US-Immobilienmagnaten Sheldon Adelson, dessen Frau Miriam in Israel geboren wurde, und des israelischen Unternehmers Morris Kahn legen sich für das Projekt ins Zeug. Allein von Adelsons Familienstiftung kommen 16,4 Millionen Dollar.

Großspurige Versprechen

Auch andere Teams hoffen, in den kommenden Monaten noch einen Vertrag für den Raketenstart vorweisen zu können. So haben sich die Mannschaften "Astrobotic" (USA) und "Hakuto" (Japan) zusammengetan und einen Platz auf einer SpaceX-Rakete zumindest reserviert. Aus Deutschland macht das Team "Part Time Scientists" beim "Google Lunar X-Prize" mit - unterstützt vom Autobauer Audi. Sie haben allerdings bisher noch keine Reservierung oder gar einen Vertrag.

Auch wenn am Ende nur einer als Sieger im Wettlauf um den Mond herausgehen und den Hauptgewinn einstecken kann: Auch für die anderen Mannschaften ist die Ankündigung von "SpaceIL" eine gute Nachricht. Grund sind die Regeln des Wettbewerbs. Über die Jahre waren dessen Fristen immer weiter nach hinten verschoben worden - weil trotz teils großspuriger Versprechen kein Team liefern konnte. Im vergangenen Dezember legten die Organisatoren dann fest: Wenn bis Ende 2015 kein Team einen geprüften Startvertrag vorlegen kann, endet der Wettbewerb automatisch. Diese Gefahr ist jetzt gebannt - und das Spektakel geht bis Ende 2017 weiter. Oder bis jemand den Hauptgewinn eingesackt hat.

Und was Mark Watney und seine verunglückte Reise zum Mars angeht: Auf Twitter kursieren bereits die ersten Witze. Nach "Der Soldat James Ryan", "Interstellar" und nun dem "Marsianer" habe Amerika langsam wirklich genug Geld ausgegeben, um Matt Damon zu retten.

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