Privatflug ins All Mini-Raumschiff bringt Flaschenpost zum Mond

Noch in diesem Jahr könnte ein privat finanzierter Mondflug starten. Das Raumschiff "Trailblazer" soll den Mond umrunden und fotografieren sowie eine Kapsel mit Visitenkarten und Texten zahlender Kunden auf den Erdtrabanten bringen.


"TrailBlazer" im November 2002: Technikcheck des ersten privaten Mondraumschiffs
TransOrbital

"TrailBlazer" im November 2002: Technikcheck des ersten privaten Mondraumschiffs

"Wir fliegen zum Mond - begleiten Sie uns!" Die Botschaft auf der Website von Transorbital ist vollkommen ernst gemeint. Die kalifornische Firma will tatsächlich auf den Erdtrabanten und möchte dabei sogar Geld verdienen.

Das Raumschiff "Trailblazer" ist nicht nur mit speziellen Foto- und Videokameras ausgerüstet, die drei Monate lang hochauflösende Aufnahmen der Mondoberfläche senden sollen. An Bord befindet sich auch eine spezielle Kapsel, die die harte Landung auf der Oberfläche des Erdtrabanten schadlos überstehen könnte.

Bremsraketen zum Abfedern sind nicht vorgesehen. Die Kapsel wird sich bei dem Aufprall geschätzte fünf Meter in die Tiefe bohren.

In die Kapsel wollen die Transorbital-Techniker etwa DIN-A4-große Blätter mit Texten zahlender Kunden stecken. "Ihre Nachricht bleibt auf dem Mond als permanente Botschaft an die Zukunft", heißt es auf der Transorbital-Homepage.

Montage in der Ukraine: Visitenkarten für 2500 Dollar auf den Mond
TransOrbital

Montage in der Ukraine: Visitenkarten für 2500 Dollar auf den Mond

Ein 300-Zeichen-Text kostet 17 Dollar und kann gleich online eingetippt und bezahlt werden. Etwas tiefer in die Tasche muss der greifen, der seine Visitenkarte auf den Mond schießen will. 2500 Dollar kostet der Spaß. Aber immerhin: "Ein Teil von Ihnen und Ihrem Leben wird zum Ende der Mission auf dem Mond sein", versprechen die Organisatoren.

Geld bringen soll auch die Vermarktung der Fotos und Videos. Laut Plan wird "Trailblazer" 30 Tage lang Fotos aus einer höheren Umlaufbahn schießen - die Basis für einen Mondatlas. Die geplanten Aufnahmen der Mondoberfläche sollen detaillierter sein als alle bisherigen, sagte Firmenchef Dennis Laurie. Sie könnten der Nasa bei künftigen Mondmissionen behilflich sein, glaubt Laurie.

Teilweise kommt auch eine Stereokamera zum Einsatz, um Höhenprofile zu erstellen. Die europäische Raumfahrtagentur Esa arbeitet beim Kartografieren des Planeten Mars ebenfalls mit einer Stereokamera, die faszinierende Fotos liefert.

Später wollen die Transorbital-Techniker die Umlaufbahn ihres Raumschiffs so weit absenken, dass es nur noch in zehn Kilometern Höhe um den Mond kreist. "Das versetzt uns in die Lage, sehr detaillierte Aufnahmen mit einer Auflösung von unter einem Meter je Pixel zu machen", versprechen die Privat-Raumfahrer. Man soll auf den hochauflösenden Fotos auch Teile der Appolo-Fähren und das die russischen Mobile Lunochod 1 und 2 erkennen können, die seit 30 Jahren als Weltraumschrott auf dem Mond herumstehen.

Raumfahrtexperten vor der Sonde "Trailblazer", die den Mond kartografieren soll
TransOrbital

Raumfahrtexperten vor der Sonde "Trailblazer", die den Mond kartografieren soll

Der Start von "Trailblazer" war bereits mehrfach verschoben worden, soll mit 80- bis 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit jedoch im "Oktober oder November diesen Jahres" stattfinden. Die russisch-ukrainische Trägerrakete vom Typ "Dnepr" wird vom kasachischen Weltraumflughafen Baikonur abheben. Im Jahr 2002 hatte Transorbital mit einer solchen Rakete bereits testweise ein Dummy-Raumschiff in eine Erdumlaufbahn geschossen. Die Gesamtkosten des privaten Mondflugs bezifferte Laurie auf unter 20 Millionen Dollar.

Damit das Projekt auch ein PR-Erfolg wird, will Transorbital Interessierten die Kontaktaufnahme zum Raumschiff ermöglichen. Ein Pocket-PC an Bord soll Botschaften von Internetsurfern empfangen und eine kurze Empfangsbestätigung zurückliefern. "Wir wollen das All für jedermann öffnen", betonte Laurie im Gespräch mit dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist". Hackern will er jedoch keine Chance geben. Der Pocket-PC sei vollständig von der Steuerelektronik getrennt. "Wir werden den Surfern nicht die Kontrolle über das Raumschiff überlassen."



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