Projektstudie Esa träumt von viersitzigem Raumschiff

Schicken die Europäer in 13 Jahren Astronauten mit einem eigenen Raumschiff ins Weltall? Die Esa lässt zumindest schon einmal einen neuen Raumtransporter entwickeln, dessen Kapsel sicher zur Erde zurückkehren kann. Darin wäre nicht nur Platz für Fracht, sondern auch für vier Menschen.


Bremen - Nach ATV kommt ARV: Das Raumfahrtunternehmen Astrium in Bremen soll die Machbarkeit eines neuen europäischen Raumschiffs untersuchen. Es soll nicht nur Fracht ins All bringen, sondern auch ihren Rücktransport zur Erde ermöglichen. Mit einer entsprechenden Studie wurde Astrium von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) beauftragt, wie das Unternehmen mitteilte.

Speziell geht es den Angaben zufolge um den Transport von Material zur und von der Internationalen Raumstation (ISS) mit Hilfe des neuen Raumfrachters ARV ("Advanced Re-Entry Vehicle"). Der jetzige Esa-Raumtransporter ATV ("Automatic Transfer Vehicle") verglüht beim Eintritt in die Erdatmosphäre.

Das neue Transportsystem könnte in den nächsten Jahren auch für den Weltraumtransport von Menschen weiterentwickelt werden - ARV wäre dann das erste eigene bemannte Raumschiff der Europäer. Pläne für ein solches Projekt hegt die Esa schon länger. Die Entwicklungskosten für das Raumschiff, das bis zu zwei Tonnen Fracht und maximal vier Astronauten transportieren soll, werden auf rund 2,4 Milliarden Euro beziffert.

Der erste Flug des neuen Raumtransporters ARV könnte nach Einschätzung von Astrium bereits 2016 möglich sein. Eine weiterentwickelte Version, in der Art einer viersitzigen Kapsel zum Transport von Menschen, sei dann ab 2022 realistisch, hieß es. Das Gesamtvolumen der jetzt von der Esa an Astrium vergebenen ARV-Studie beträgt 21 Millionen Euro.

Designentwürfe der Kapsel, die am Dienstag in Bremen präsentiert wurden, erinnern an die US-amerikanischen "Gemini"- und "Apollo"-Kapseln der sechziger und siebziger Jahre. "ARV ist der nächste logische Schritt", sagte die Leiterin des Esa-Programms für bemannte Raumfahrt, Simonetta di Pippo. Die europäische Raumfahrt verfüge mit der Ariane-5-Rakete inzwischen über eine leistungsfähige Trägerrakete: "Was uns fehlt, ist das letzte Glied in der Kette." Durch die Entwicklung einer eigenen Raumkapsel wäre die Esa komplett unabhängig von US-amerikanischen oder russischen Transportsystemen.

Die Weiterentwicklung ist auch deshalb wichtig, weil nur noch begrenzt Material von der ISS zurückgeholt werden kann, wenn die Amerikaner 2010 wie geplant ihre Shuttle-Flüge einstellen. Danach stehen lediglich die russischen Sojus-Kapseln für den Rücktransport von Material und Menschen von der Raumstation zur Erde zur Verfügung.

Beim ARV sollen die Erkenntnisse beim Bau des Vorgängers ATV weiter verwendet werden. Der erste ATV "Jules Verne" war 2008 erfolgreich an die ISS angedockt, um die Station mit europäischen Experimenten, Treibstoff oder Nahrungsmitteln zu versorgen. Der zweite ATV "Johannes Kepler" wird derzeit in Bremen gebaut und soll 2010 ins All starten.

hda/ddp/AP



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