Protest zeigt Wirkung: Nasa gibt Hubble-Teleskop vielleicht noch eine Chance

Nasa-Chef Sean O'Keefe lässt noch einmal prüfen, ob der notwendige Wartungsflug zum erfolgreichen Weltraumteleskop tatsächlich gestrichen wird. Gegen die Entscheidung protestieren inzwischen immer mehr Wissenschaftler, Politiker und Astronomie-Fans.

Hubble-Teleskop: "Außerordentliche Verdienste für Wissenschaft und Forschung"
NASA

Hubble-Teleskop: "Außerordentliche Verdienste für Wissenschaft und Forschung"

Das Schicksal des Weltraumteleskops "Hubble" ist möglicherweise doch noch nicht besiegelt. Die US-Weltraumbehörde Nasa will ihren Beschluss, aus Kosten- und Sicherheitsgründen keinen Wartungsflug mehr durchzuführen, überdenken. Dies teilte Nasa-Chef Sean O'Keefe in einem Brief an die US-Senatorin Barbara Mikulski mit. Sie hatte in einem Schreiben an O'Keefe gegen dessen Entscheidung protestiert und auf die "außerordentlichen Verdienste Hubbles für Wissenschaft und Forschung" verwiesen.

Die Nasa hatte vor zwei Wochen angekündigt, dass der für 2006 geplante Wartungsflug ersatzlos gestrichen wird. Wegen der nach dem Columbia-Absturz geltenden Sicherheitsvorschriften müsste eine zweite Fähre für einen Rettungseinsatz startbereit gehalten werden, was sich nach Nasa-Angaben nicht mit dem Bauplan für die internationale Raumstation ISS vereinbaren ließe.

Auf dem Flug hätten defekte Kreisel ausgetauscht werden sollen, mit denen das Teleskop ausgerichtet wird. Auch ein Batterie-Wechsel und der Einbau neuer Instrumente waren geplant. Ohne diese Reparaturen erwartet man bei der Nasa, dass das Teleskop zwischen Anfang 2006 und 2008 ausfällt und anschließende verglüht. Ursprünglich sollte das Superauge bis 2010 im All spähen.

Beobachter gehen davon aus, das "Hubble" auch ein Opfer der neuen Präsident George W. Bush geplanten bemannten Mond- und Marsmissionen ist, die viel Geld verschlingen werden. O'Keefe will den Vorsitzende der Kommission zur Aufklärung der "Columbia"-Katastrophe, Hal Gehman, nun damit beauftragen, das Aus für "Hubble" noch einmal zu überprüfen.

Hubble-Aufnahme des Omega-Nebels im Sternbild Schütze: Inmitten der Gasmassen entstehen neue Sterne
REUTERS

Hubble-Aufnahme des Omega-Nebels im Sternbild Schütze: Inmitten der Gasmassen entstehen neue Sterne

Protest gegen die Streichung des Wartungsflugs kam auch von zahlreichen Astronomie-Fans in der ganzen Welt. Der Brasilianer Fernando Ribeiro hatte eine Website namens savethehubble.com initiiert und tausende Unterstützer-Mails erhalten. "Hubble-Fans der Welt, vereinigt Euch! Ich werde - Gott sei Dank - mit Nachrichten aus aller Welt überflutet", schreibt er auf seiner Seite. In den USA sammeln Fans des Teleskops unter savethehubble.org Stimmen für dessen Erhalt.

Auch Steve Beckwith, Direktor des Space Telescope Sciene Institute, erhält "massenweise E-Mails, in denen die Menschen ihre Unterstützung anbieten". Das Hubble-Teleskop wurde 1990 in den Weltraum gebracht und liefert seitdem zum Teil spektakuläre Bilder. Nach Angaben auf der Nasa- Website sendet es jeden Tag zwischen zehn und 15 Gigabyte astronomischer Daten an Forscher auf der ganzen Welt.

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