Provokante These "Schwarze Löcher gibt es nicht"

Der amerikanische Astrophysiker George Chapline zweifelt an der Existenz Schwarzer Löcher. Seiner Meinung nach handelt es sich bei den indirekt beobachteten extrem schweren Objekten um Sterne, die aus dunkler Energie bestehen.


Schwarzes Loch (Zeichnung): Nur eine Fiktion?
NASA/ HONEYWELL MAX-Q DIGITAL GROUP/ DANA BERRY

Schwarzes Loch (Zeichnung): Nur eine Fiktion?

"Es ist nahezu sicher, dass schwarze Löcher nicht existieren." George Chapline vom Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien glaubt nicht an die unvorstellbar schweren Massehaufen, deren Gravitation so stark ist, dass nicht einmal ein Lichtstrahl sie je verlassen kann.

Seine Auffassung widerspricht der gängigen Theorie von Schwarzen Löchern, die nach Meinung von Astronomen eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Universums gespielt haben. So nimmt man an, dass viele Spiralgalaxien, auch unsere Milchstraße, in ihrem Zentrum ein Schwarzes Loch besitzen. Schwarze Löcher können nur indirekt beobachtet werden - anhand ihrer Gravitationswirkung.

Chapline glaubt, dass die bisherige Theorie zur Bildung Schwarzer Löcher nicht stimmt. Demnach kollabieren superschwere Sterne - ihre Masse konzentriert sich auf immer kleinerem Volumen, bis schließlich ein Schwarzes Loch entstanden ist. Laut Chaplin bilden sich beim Kollabieren jedoch Sterne, die aus dunkler Energie bestehen. Astronomen gehen davon aus, dass unser Universum zu 70 Prozent aus solcher dunkler Energie besteht - eine hypothetische Energieform, die für die zunehmende Expansion des Universums verantwortlich gemacht wird.

Schwarze Löcher sind eine Konsequenz aus Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie, die Gravitation als Verformung der Raum-Zeit erklärt. Einstein selbst zweifelte jedoch an der Existenz der mysteriösen Massehaufen. "Unglücklicherweise konnte er nicht so recht sagen, warum", erklärte Chapline gegenüber dem Newsdienst des Magazins "Nature".

Der Forscher begründet seine neue Theorie mit einem so genannten Quantenphasen-Übergang. Ein Stern kollabiere nicht einfach, so Chapline, die Raumzeit in seinem Innern werde vielmehr mit Dunkler Energie gefüllt, was zu verblüffenden Gravitationseffekten führe.

Von außen verhalte sich der Stern aus Dunkler Energie praktisch wie ein Schwarzes Loch, er rufe eine gigantische Anziehungskraft hervor. Im Innern sorge die "negative" Gravitationskraft dafür, dass Materie nach außen zurückpralle, sagte der Astrophysiker.

Wenn der Stern aus Dunkler Energie groß genug ist, dann könnten laut Chaplin abgeprallte Elektronen in Positronen umgewandelt werden, die sich mit anderen Elektronen auslöschen und dabei elektromagnetische Strahlung abgeben. Dieser Vorgang könnte eine Erklärung für die im Zentrum unserer Galaxie beobachtete Strahlung sein, glaubt Chapline, die auch als Signatur des dort vermuteten Scharzen Lochs interpretiert wurde.



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