Radar-Messungen: Riesige Eismassen am Mars-Südpol entdeckt

Am Südpol des Mars schlummern gewaltige Mengen Eis - so viel, dass es geschmolzen den ganzen Planeten elf Meter tief mit Wasser bedecken könnte, wie Radarmessungen ergeben haben. Das gefrorene Wasser ist beinahe vollständig rein.

Größere Eisvorräte haben Forscher schon seit langem am Südpol des Mars vermutet. Doch während der Nordpol schon auf Fotos ansehnliche Eisschollen zeigt, mussten die Wissenschaftler am Südpol ein Radargerät einsetzen, um das Eis genau zu erkennen. Was das "Marsis"-Instrument an Bord der europäischen Raumsonde "Mars Express" nun aber entdeckte, übertraf die Erwartungen: eine bis zu 3700 Meter dicke Schicht aus fast reinem Eis.

Das gefrorene Wasser hat ein Gesamtvolumen von 1,6 Millionen Kubikkilometern, schreiben die Forscher um Jeffrey Plaut vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa im Fachblatt "Science" (Online-Vorabveröffentlichung). Das entspricht in etwa zwei Dritteln des Grönland-Eises. Diese Menge würde reichen, den Mars unter einer elf Metern dicken Wasserschicht verschwinden zu lassen, würde das Eis schmelzen.

"Die Menge entspricht in etwa früheren Schätzungen", sagte Erling Nielsen vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau, der an der Studie beteiligt war. Überraschend sei allerdings der hohe Reinheitsgrad des Eises gewesen: Die Radarsignale seien auf ihrem Weg durchs Eis kaum abgeschwächt worden, sagte Nielsen im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Damit hatten Experten nicht unbedingt gerechnet, da das Eis am Südpol auf bisherigen Fotos stärker verschmutzt aussah als das am Nordpol.

"Sollten diese Ergebnisse zutreffen, wären sie eine Bestätigung der Vorstellung, dass der Mars einst sehr feucht war", sagte der Berliner Planetenforscher Gerhard Neukum, der an der Untersuchung nicht beteiligt war. "Das wird uns zu neuem Nachdenken bewegen."

"Mars Express" hatte schon früher Fotos der im Durchmesser rund 1000 Kilometer großen Südpol-Eiskappe zur Erde geschickt. Doch erst die Auswertung der Daten von "Marsis" (Mars Advanced Radar for Subsurface and Ionospheric Sounding), die in über 300 Umrundungen zwischen November 2005 und April 2006 entstanden sind, erlaubten einen Blick ins Innere der Polkappe. Aus dem Zeitunterschied zwischen dem Aussenden der Radarsignale und ihrem Echo konnten die Forscher auf die Dicke der Eisschicht schließen.

mbe/ddp/dpa

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