Materieschleuder Riesenteleskop zeigt speiendes Schwarzes Loch

Mit dem größten Teleskop in der Geschichte der Astronomie haben Forscher ein riesiges Schwarzes Loch aufgenommen. So wollen sie gigantische Materieströme in dessen Umfeld genauer untersuchen.

Galaxie NGC 1275 mit Schwarzem Loch im Zentrum
Fabian/ NASA/ ESA/ STScI/ AURA/ DPA

Galaxie NGC 1275 mit Schwarzem Loch im Zentrum


Dank eines virtuellen Superteleskops sind einem internationalen Forscherteam die bislang detailreichsten Beobachtungen eines Materie ausspuckenden Schwarzen Lochs gelungen. Die Untersuchung biete einen einmaligen Einblick in die Entstehung sogenannter Jets, teilte das Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn mit. Mit Jets schleudern gigantische Schwarze Löcher Materie zurück ins All.

Die meisten Galaxien haben ein gigantisches Schwarzes Loch im Zentrum. Bei vielen von ihnen sind Jets beobachtet worden, in denen fast lichtschnelles Plasma senkrecht aus dem Materiestrudel des Schwarzen Lochs hinausschießt. Die Entstehung dieser Jets ist weitgehend ungeklärt.

Um der Lösung näherzukommen, haben Astronomen mehrere Radioteleskope auf der Erde und im Weltall zu einem virtuellen Superteleskop mit 350.000 Kilometern Durchmesser zusammengeschaltet - das entspricht fast dem Abstand der Erde zum Mond. "RadioAstron", das die Forscher im Fachmagazin "Nature" beschreiben, ist damit das größte Teleskop in der Geschichte der Astronomie. Mit dem Riesenteleskop nahmen die Forscher das gigantische Schwarze Loch im Zentrum der Galaxie Perseus A ins Visier, die die Katalognummer NGC 1275 trägt.

Wachstum von Jets in einer frühen Phase verfolgen

"Das Ergebnis war erstaunlich. Es zeigt sich, dass die gemessene Breitenausdehnung des Jets wesentlich größer ist als von den zurzeit favorisierten Modellen zur Jetentstehung zu erwarten wäre", sagt der Hauptautor der Studie, Gabriele Giovannini vom Nationalen Institut für Astrophysik (INAF) in Italien. "Der Jet in NGC 1275 ist seit gut zehn Jahren aktiv und immer noch in seiner Ausformung begriffen", ergänzt Ko-Autor Masanori Nakamura von der Academia Sinica in Taiwan. "Das bietet eine einzigartige Gelegenheit, das Wachstum des Jets an einem Schwarzen Loch in einer sehr frühen Phase zu verfolgen."

Dank des virtuellen Superteleskops lasse sich in der 230 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie die Struktur des Jets in einer bislang unerreichten Detailgenauigkeit von zwölf Lichttagen abbilden, erläutert Ko-Autor Anton Zensus vom Bonner Institut, das mit seinem Radioteleskop in Effelsberg an der Untersuchung beteiligt war.

Zwölf Lichttage sind die Distanz, die das Licht in zwölf Tagen zurücklegt. Damit ist den Astronomen eine zehnmal bessere räumliche Auflösung gelungen als bisher möglich war. Zum Vergleich: Der nächste Nachbarstern der Sonne in unserer Galaxie ist etwa vier Lichtjahre entfernt.

jme/dpa



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sikasuu 04.04.2018
1. Zitat.... eines Materie ausspuckenden Schwarzen Lochs gelungen ... ?
Ist das ernst gemeint oder ein Verständnisfehler. Es gibt also massive, weithin sichtbare Teilchenströme die "schwarze Löcher" verlassen? . Damit dreht sich das Bild de Universums (wenigstens meins) um 180°! Schon Hawkings Ansatz "Schwarze Löcher strahlen" & verschwinden irgendwann war starker Tabak.... . Werden die Jets da nicht etwas missverständlich interpretiert... usw. . Da werde ich mal das Netz durchforsten um auf den aktuellen Stand zu kommen, da ja der 01.04. seit 3 Tagen vorbei ist:-) .
sikasuu 04.04.2018
2. Tja Glück gehabt, gleich der 1. Link brachte die Erleuchtung:
Zitat von sikasuuIst das ernst gemeint oder ein Verständnisfehler. Es gibt also massive, weithin sichtbare Teilchenströme die "schwarze Löcher" verlassen? . Damit dreht sich das Bild de Universums (wenigstens meins) um 180°! Schon Hawkings Ansatz "Schwarze Löcher strahlen" & verschwinden irgendwann war starker Tabak.... . Werden die Jets da nicht etwas missverständlich interpretiert... usw. . Da werde ich mal das Netz durchforsten um auf den aktuellen Stand zu kommen, da ja der 01.04. seit 3 Tagen vorbei ist:-) .
Nicht das "schwarze Loch" strahlt sondern "es scheint" so etwas wie ein "Motor" für diese Teilchen-, Plasmaströme zu sein:-) . Die Max-Plancker schreiben:.... wobei fast lichtschnelles Plasma aus dem direkten Umfeld des Schwarzen Lochs abgestrahlt wird, .... Wo das herkommt und wie der Mechanismus funktioniert, ist noch unklar.... . Weltbild gerettet, Einstein lebt weiter...(:-) . Bei starker Vereinfachung komplexer Fragen kann so was schon mal geschehen:-)
gronzo.granato 04.04.2018
3.
Zitat von sikasuuIst das ernst gemeint oder ein Verständnisfehler. Es gibt also massive, weithin sichtbare Teilchenströme die "schwarze Löcher" verlassen? . Damit dreht sich das Bild de Universums (wenigstens meins) um 180°! Schon Hawkings Ansatz "Schwarze Löcher strahlen" & verschwinden irgendwann war starker Tabak.... . Werden die Jets da nicht etwas missverständlich interpretiert... usw. . Da werde ich mal das Netz durchforsten um auf den aktuellen Stand zu kommen, da ja der 01.04. seit 3 Tagen vorbei ist:-) .
Wollte da gerade selber kommentieren. Der verlinkte Artikel (Max Planck Institut, die sollten es wissen) ist da recht genau. Die Jets scheinen direkt außerhalb des Ereignishorizonts gebildet zu werden, also außerhalb des Bereichs, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. Hawkingstrahlung (wie ich es verstanden habe) entsteht, indem sich ein Photon-Antiphoton-Paar bildet und - bevor sie sich wie üblich annihilieren - eines der beiden ins schwarze Loch gezogen wird und das andere ins All davonsaust. Das Plasma ist aber keine Strahlung sondern tatsächlich Materie, die Jets bewegen sich mit annähernd Lichtgeschwindigkeit (laut MPI-Artikel) was gegen Strahlung spricht, die sich mit EXAKT Lichtgeschwindigkeit ausbreitet ;)
uherm_ 04.04.2018
4. @1
Wenn ich es richtig verstanden habe, entsteht der Jet vor Eintritt der Materie in den Ereignishorizont. Und hat nichts mit der sog. Hawking-Strahlung zu tun.
emil_erpel8 04.04.2018
5.
Zitat von sikasuuIst das ernst gemeint oder ein Verständnisfehler. Es gibt also massive, weithin sichtbare Teilchenströme die "schwarze Löcher" verlassen? . Damit dreht sich das Bild de Universums (wenigstens meins) um 180°! Schon Hawkings Ansatz "Schwarze Löcher strahlen" & verschwinden irgendwann war starker Tabak.... . Werden die Jets da nicht etwas missverständlich interpretiert... usw. . Da werde ich mal das Netz durchforsten um auf den aktuellen Stand zu kommen, da ja der 01.04. seit 3 Tagen vorbei ist:-) .
Verständnisfehler. Der Jet stammt nicht aus dem schwarzen Loch sondern aus seiner Umgebung, d.h. die abgestrahlte Materie war nicht im schwarzen Loch. Manchmal ist die Qualität der wissenschaftlichen Artikel hier richtig gruselig.
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