Astronomie: Radioteleskop beobachtet kosmische Seekuh
Seekühe gelten als sanfte Giganten. Die gefährdeten Tiere grasen behäbig am Meeresboden. Jetzt haben Astronomen einen Seekuh-Nebel im Universum abgelichtet - die Ähnlichkeit ist verblüffend.
Explosionswolke im Sternbild Adler (Aquila): Ähnlichkeit mit Seekuh
Charlottesville - Mit einem großen Radioteleskop haben Forscher eine gigantische kosmische Explosionswolke abgelichtet, deren Form an eine Seekuh erinnert. Der Nebel im Sternbild Adler (Aquila) ist vor rund 20.000 Jahren entstanden, als dort ein Stern in einer Supernova explodiert ist, wie das US-Radioastronomie-Observatorium NRAO am Freitag in Charlottesville (US-Staat Virginia) mitteilte. Wegen seiner ungewöhnlichen Form will das NRAO dem Explosionsnebel mit der nüchternen Katalognummer W50 den neuen Spitznamen Seekuh-Nebel geben - zu Ehren der bedrohten Pflanzenfresser.
Der Nebel W50 ist seit längerem bekannt. Die rund 18.000 Lichtjahre entfernte Formation hat am irdischen Himmel einen vierfach größeren Durchmesser als der Vollmond, ist aber im sichtbaren Licht kaum zu sehen. Stattdessen leuchtet der Nebel hell im Bereich der Radiowellen.
Die Beobachtungen am Karl G. Jansky Very Large Array (VLA) lieferten nun neue Hinweise auf seine Geschichte, erläuterte das NRAO. Die ungewöhnliche Form verdanke der Seekuh-Nebel einem Schwarzen Loch in seinem Zentrum, dem Überrest der Supernova-Explosion.
Dieses Schwarze Loch verschlingt große Mengen Gas in seiner Umgebung. Ein Teil dieser Materie schleudert es jedoch in Form scharf gebündelter Strahlen nach oben und unten ins All. Diese Materie-Strahlen haben die Explosionswolke zu der länglichen Form verzerrt, die wir heute sehen. Da die Materie-Strahlen zudem langsam kreisen wie die Achse eines schiefen Kreisels, haben sie im Laufe der Jahrtausende korkenzieherähnliche Formen in den Gasnebel geprägt.
Die unter anderem in Florida beheimateten Seekühe (Sirenia) gelten als sanfte Giganten. Die neugierigen Pflanzenfresser werden rund drei Meter lang und 500 Kilogramm schwer. Sie grasen am Meeresboden und ruhen dort auch oft auf dem Rücken liegend mit gekreuzten Flossen. Dieser Haltung ähnelt die Form von W50.
hda/dpa
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