Rätselhafte Eruption Stern erzeugt spektakuläres Lichtecho

Einmal hellster Stern der Milchstraße sein: Einer zuvor unscheinbaren Sonne ist das vor einem Jahr gelungen. Das sehenswerte Nachleuchten des Kurzauftritts hat das Hubble-Teleskop eingefangen.




Lichtecho um V838 Monocerotis: Nach außen wandernder Leuchtkranz
NASA/ ESA/ H.E. Bond (STScI)

Lichtecho um V838 Monocerotis: Nach außen wandernder Leuchtkranz

Unter den Milliarden Gestirnen der Milchstraße aufzufallen, ist gar nicht so einfach. Doch irgendwann bekommt jeder Stern seine Chance. V838 Monocerotis in der Konstellation Einhorn hatte seine Sternstunde von der Erde aus gesehen im Januar des vergangenen Jahres: Damals entwickelt der bis dahin unauffällige Gasball für kurze Zeit die 600.000-fache Leuchtkraft unserer Sonne.

Der stellare Spuk war schnell vorbei, doch auch seine Nachwehen fielen spektakulär aus. Wie eine jetzt veröffentlichte Fotoserie des Weltraumteleskops Hubble zeigt, zog der Ausbruch ein Lichtecho nach sich, das Astronomen unerwartete Einblicke in die Umgebung des Sterns ermöglicht hat. Auf den vier Einzelbildern, die von Mai bis Dezember 2002 reichen, dehnt sich der leuchtende Ring um V838 Monocerotis immer weiter aus.

Hubble-Fotoserie von V838 Monocerotis: "Keine befriedigende physikalische Erklärung"
NASA/ ESA/ H.E. Bond (STScI)

Hubble-Fotoserie von V838 Monocerotis: "Keine befriedigende physikalische Erklärung"

Das Lichtecho entsteht durch Strahlung, die beim Ausbruch im Januar freigesetzt wurde und von Staubwolken im Umfeld des Sterns reflektiert wird. Weil das Licht dabei einen längeren Weg zurücklegt, erreicht es die Erde erst Monate nach dem Eruptionsblitz. Das Phänomen, das in dieser Deutlichkeit bislang noch nicht zu sehen war, stellen Forscher um Howard Bond in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature" vor.

"Hubbles Blick ist so scharf, dass wir zum ersten Mal den Raum um den Stern wie mit einer astronomischen Tomografie untersuchen können", erklärt Bond, der am Space Telescope Science Institute in Baltimore arbeitet. Bei den Aufnahmen kam die hochauflösende Advanced Camera for Surveys zum Einsatz, die vor einem Jahr bei der vorletzten Mission der Raumfähre "Columbia" am Weltraumteleskop montiert worden war.

Die Eruption selbst verlief ähnlich ungewöhnlich wie ihr Nachleuchten. Anders als explosivere Sterne, die als so genannte Novae oder Supernovae ihre Hüllen ins All sprengen, blähte sich V838 Monocerotis einfach zu einer kühlen Riesensonne auf, deren Oberfläche kaum heißer ist als eine Glühbirne. Auf dem Höhepunkt ihrer Leuchtkraft strahlte sie bläulich, danach wechselte sie zu einer rötlichen Farbe.

Diese Verwandlung lässt sich auch am expandierenden Lichtkreis ablesen, der außen blau und innen rot erscheint. Die Wolken um den etwa 20.000 Lichtjahre entfernten Stern, die normalerweise unsichtbar sind und nur durch das Lichtecho hervortreten, deuten auf eine turbulente Vorgeschichte von V838 Monocerotis hin: Sie wurden offenbar bei früheren Ausbrüchen abgestoßen.

"Wir kennen kein anderes Objekt, das sich vergleichbar verhält", gesteht Mark Wagner von der University of Arizona. "Der Ablauf des Ausbruchs ist genauso einzigartig wie sein spektakuläres Lichtecho." Die Extravaganz liegt womöglich im Aufbau des Sternes begründet. Wagner hat durch zusätzliche Beobachtungen vom Boden aus entdeckt, dass V838 Monocerotis ein Doppelsystem ist: Nur der kühlere der beiden Partner brach aus.

Dennoch haben die Wissenschaftler für das seltsame Schauspiel bislang "keine völlig befriedigende physikalische Erklärung", wie sie in "Nature" schreiben. Immerhin bleibt dem Team noch einige Zeit, um die Nachwirkungen der Sterneruption weiter zu untersuchen: Bond schätzt, dass der immer weiter nach außen wandernde Leuchtkranz noch bis zum Ende des Jahrzehnts zu beobachten ist.



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