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Rätselhafte Leere: Forscher entdecken Riesenloch im Universum

Astronomen haben ein gigantisches Loch im Universum gefunden, für das sie keine Erklärung haben. In der Region mit einem Durchmesser von fast einer Milliarde Lichtjahren gibt es keinen einzigen Stern. Und selbst schwarze Löcher oder dunkle Materie sucht man dort vergebens.

Es ist ein unfassbar großes Nichts, das Astronomen jetzt entdeckt haben. Fast eine Milliarde Lichtjahre Ausdehnung hat die gigantische Lücke im Universum, die Forscher der University of Minnesota aufgespürt haben.

In dem kosmischen Leerraum gibt es absolut nichts, glauben Lawrence Rudnick und seine Kollegen: keine Sterne, keine Galaxien, keine schwarzen Löcher, selbst für die mysteriöse dunkle Materie gibt es keine Indizien. Für das Phänomen lieferten weder die bisherige Forschung noch Computersimulationen eine Erklärung, berichten die Astronomen im Fachblatt "Astrophysical Journal". Die Leerstelle liegt im Sternbild Eridanus.

Das Universum besteht nur zu etwa vier Prozent aus herkömmlicher Materie wie Atomen, die dunkle Materie und die dunkle Energie machen zusammen etwa 96 Prozent der Masse aus. Öde Bereiche im Weltraum, in denen absolut nichts zu finden ist, sind schon länger bekannt. Das jetzt entdeckte Loch übersteigt aber die Vorstellungskraft der Forscher und bringt sie in Erklärungsnot. "Es ist tausend Mal größer als eine typische Leere", erklärt Rudnick. Man habe noch keine passende Bezeichnung dafür. "Das ist eine Riesenüberraschung."

Verlierer im kosmischen Ringen

Die Astronomen hatten die Leerstelle mit Hilfe der Radioteleskope des Very Large Array (VLA) entdeckt. Die Anlage steht im US-Bundesstaat New Mexico. Dann verglichen sie die Messungen mit Beobachtungen zur kosmischen Hintergrundstrahlung - vorgenommen mit dem Nasa-Satelliten Wilkinson Microwave Anisotropy Probe (WMAP). Diese bestätigten, dass sich im Universum ein gigantischer kalter Fleck befindet. Die einzige Erklärung dafür ist, dass es dort keine Materie gibt, sagte Rudnick. Das Gebiet ist zwischen fünf und zehn Milliarden Lichtjahren von der Erde entfernt.

James Condon vom National Radio Astronomy Observatory erklärte, es könne sich auch um eine statistische Laune der Natur handeln. Wahrscheinlicher sei aber, dass es sich tatsächlich um ein gigantisches Loch handle.

"Das ist wohl etwas, das sehr ernst genommen werden muss", kommentierte der Astronom Brent Tully von der University of Hawaii, der wie Condon nicht an der Arbeit von Rudnick beteiligt war. Tully hatte eine andere Leerstelle untersucht, die deutlich kleiner und nur rund zwei Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Löcher im Universum entstehen vermutlich dadurch, dass Gebiete mit einer großen Masse mit ihrer Schwerkraft Materie aus weniger dichten Gebieten abziehen, erklärte Tully. Nach 13 Milliarden Jahren seien diese Löcher so etwas wie Verlierer im Kampf mit den Regionen, in denen es besonders hohe Materiekonzentrationen gebe.

hda/AP/Reuters

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Aufgespürt: Gähnende Leere im All

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