Rätselhafter Fleck: Astronomen vermuten gigantischen Einschlag auf Jupiter

Von Thorsten Dambeck

Woher stammt der riesige dunkle Fleck am Südpol des Planeten Jupiter? Ein australischer Hobby-Astronom hat wahrscheinlich die Überreste eines gigantischen Kometeneinschlags auf dem Gasriesen entdeckt. Experten sehen Parallelen zu dem spektakulären Kometenaufprall vor 15 Jahren.

Amateur-Astronom Anthony Wesley staunte nicht schlecht, als er im australischen Canberra sein Teleskop in der Nacht zum 20. Juli auf den Jupiter richtete: Das Antlitz des Planeten war nicht mehr makellos: "In Jupiters Südpolregion kam ein dunkler Fleck ins Sichtfeld", notierte der Australier in seinem Beobachtungs-Blog. Anfangs nur unscharf am Planetenrand sichtbar, hielt der Hobby-Astronom die Stelle für eine Wettererscheinung. Tatsächlich wird so etwas hin und wieder in der Gashülle der Riesenplaneten beobachtet. Solche Stürme tauchen als dunkle Flecken auf und verschwinden nach ein paar Wochen wieder. Doch der neue Fleck war anders: "Er zeigte sich in allen Farbkanälen dunkel, war also wirklich schwarz", so Wesley.

Mit der raschen Rotation des Planeten kam die Stelle immer besser in Sicht. Wesley erkannte, dass auch die großen Jupitermonde zur Erklärung ausfielen, ebenso wie ihre dunklen Schatten, denn dafür befand sich der mysteriöse Makel einfach an der falschen Stelle. Wesley: "Ich wurde ziemlich aufgeregt." Weitere Amateur-Beobachter bestätigten seinen Fund.

War auf Jupiter etwa ein Komet oder ein Asteroid eingeschlagen?

Es war wahrscheinlich ein Kometen-Einschlag

Einiges spricht dafür: Mit einem Infrarot-Teleskop auf Hawaii haben Forscher des kalifornischen Jet Propulsion Laboratory (JPL) inzwischen Belege für einen Einschlag gefunden: Außer der dunklen "Narbe" konnten sie helle aufströmende Partikel und eine Erwärmung der oberen Jupiter-Atmosphäre ausmachen - beides Phänomene, die auf einen Einschlag hindeuten.

Kometen-Experte Hermann Boehnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung erklärt aufgrund dieser Beobachtungen im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE : "Das sieht sehr ähnlich aus wie die Bilder, die wir beim Shoemaker-Levy 9-Einschlag gesehen haben."

Im Sommer 1994 krachten die Überreste des Kometen Shoemaker-Levy 9 auf den Jupiter - es war ein Spektakel, das die ganze Welt verfolgte. "Die Tatsache, dass der Fleck dunkel im sichtbaren und hell im infraroten Licht ist, spricht sehr dafür, dass es sich um einen Einschlag handelt", sagt Boenhardt.

Das reflektierte Infrarotlicht könne von kleinen Staubpartikeln stammen. Durch die Explosion des Einschlags könnten sie aus der tieferen Gashülle des Jupiter entlang des Einflugkanals nach oben katapultiert worden sein - wo sie sich als Staubwolke ausbreiten. "Atmosphärische Phänomene können so etwas kaum hervorrufen", sagt Boenhardt.

Um mit Sicherheit sagen zu können, ob es ein Einschlag war, brauche es aber noch weitere Beobachtungen.

"Armageddon" auf dem Jupiter

Anders als heute waren die Himmelsforscher bei dem Aufprall vor 15 Jahren von Anfang an dabei gewesen: Damals hatten sie eine Kette kometenähnlicher Objekte ausgemacht, die auf einer elliptischen Bahn den Jupiter umrundeten. Offenbar war ein zuvor intakter Komet dem Jupiter so nahe gekommen, dass er von dessen Gravitationskräften zerrissen worden war. Nach ihrer Entdeckung umkreisten die Fragmente - zum Teil mehrere hundert Meter große Brocken - noch 16 Monate lang den Jupiter. Dann schlugen sie innerhalb einer knappen Woche auf dessen Rückseite ein.

Noch Wochen später waren an den Einschlagstellen dunkle Flecken erkennbar. Das Spektakel sorgte weltweit für Aufsehen und inspirierte Hollywood-Filmmacher zu Blockbustern im wahrsten Sinne des Wortes wie "Deep Impact" und "Armageddon". Dort wird allerdings nicht ein ferner Gasplanet, sondern die Erde durch das kosmische Bombardement bedroht.

Ob auch jetzt wieder mehr Kometen-Einschlags-Filme in die Kinos kommen, bleibt abzuwarten.

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