Rätselhafter Kugelsternhaufen Das Geheimnis von Omega Centauri

Er ist hell und riesig - der Kugelsternhaufen Omega Centauri. Seit Astronomen ein Schwarzes Loch in seinem Zentrum gefunden haben, fragen sie sich: Ist das helle Objekt am Nachthimmel vielleicht der Rest einer kleinen Galaxie? Neue Aufnahmen könnten helfen, das Rätsel zu lösen.


Solch eine schöne Aufnahme haben sie noch nie von Omega Centauri gemacht. Astronomen der Europäischen Südsternwarte Eso haben den Kugelsternhaufen neu fotografiert. Omega Centauri ist eine gewaltige kugelförmige Ansammlung von Sternen, zehn Millionen könnten es sein, schätzen Astronomen. Damit ist der Kugelsternhaufen im Sternbild Centaurus einer der hellsten Sternenhaufen am Nachthimmel.

Obwohl der Kugelsternhaufen 17.000 Lichtjahre von uns entfernt ist, ist er so hell, dass man ihn mit bloßem Auge am Nachthimmel sehen kann. Und er ist groß: 150 Lichtjahre misst er im Durchmesser - viel zu groß für einen normalen Kugelsternhaufen. Für das Auge erscheint er so groß wie der Mond. Astronomen glauben, dass Omega Centauri in etwa so alt ist wie die Milchstraße: zwölf Milliarden Jahre.

Schon vor zweitausend Jahren fiel dem griechischen Astronomen Ptolemäus das helle Objekt auf. Er hielt es jedoch für einen einzelnen Stern. Edmond Halley sah in Omega Centauri dann 1677 einen Nebel. Erst der britische Astronom John Herschel identifizierte Omega Centauri korrekt als Sternenhaufen. Das war in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts.

Seitdem wundern sich Astronomen über die Eigenarten von Omega Centauri. Denn er ist nicht nur zehnmal größer als ein normaler Kugelsternhaufen. Er ist auch gar nicht so wirklich kugelig, sondern vielmehr abgeflacht. Außerdem beherbergt er Sterne unterschiedlichen Alters. Normalerweise sind die Sterne eines Haufens ungefähr gleich alt. Und: Omega Centauri rotiert viel schneller als er eigentlich sollte.

Astronomen haben Omega Centauri daher im Verdacht, der Überrest einer kleinen Galaxie zu sein. Möglicherweise hat ihm die Milchstraße einmal seine äußersten Sterne geraubt, und die einstige Zwerggalaxie verstümmelt.

Im April 2008 dann die Überraschung: Astronomen entdeckten in seinem Zentrum ein Schwarzes Loch - mit der 40.000-fachen Masse unserer Sonne. Seine gewaltige Gravitationskraft erklärte zumindest einige der ungewöhnlichen Eigenschaften von Omega Centauri. Vielleicht helfen die neuen Aufnahmen nun, sein Rätsel endgültig zu lösen.

lub



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