Rasanter Temperaturanstieg Stürme heizen Mars auf

Marsstaub, der Sonnenlicht reflektiert, spielt auf dem Roten Planeten die Rolle des Thermostats. Gegenwärtig heizen gewaltige Staubstürme dem Planeten ein. Binnen weniger als drei Jahrzehnten stieg die Durchschnittstemperatur merklich.


Auf dem Mars wird es nach Messungen aus den siebziger Jahren und vom Ende der neunziger Jahre wärmer. Um 0,65 Grad Celsius sei die Durchschnittstemperatur der Mars-Atmosphäre angestiegen, berichten Nasa-Forscher um Liri Fenton im Wissenschaftsmagazin "Nature" (Bd. 446, S. 646). Die Forscher stützen ihre Untersuchung auf Daten, die mit den "Viking"-Missionen in den siebziger Jahren und der Marssonde "Global Surveyor" gesammelt wurden, die im März 1999 den Planeten erreicht hatte. Zum Vergleich: Auf der Erde erhöhte sich die Temperatur im gesamten letzten Jahrhundert um lediglich 0,75 Grad.

Mars (im Februar 2007): Im Durchschnitt deutlich wärmer als noch in den siebziger Jahren
DPA

Mars (im Februar 2007): Im Durchschnitt deutlich wärmer als noch in den siebziger Jahren

Anhand der Aufnahmen konnten die Wissenschaftler rekonstruieren, wie sich die Oberfläche des Mars während dieser drei Jahrzehnte verändert hat. So verdunkelten sich einzelne Regionen auf der Oberfläche des Planeten, während andere sich aufhellten. Insgesamt beobachteten die Forscher aber eine Verdunkelung des Planeten.

Diese führte dazu, dass das Licht der Sonne die Oberfläche stärker aufheizte und die Durchschnittstemperatur anstieg. Als Maß diente den Forschern die Fähigkeit des Himmelskörpers, einfallendes Licht zu reflektieren. Dieser sogenannte Albedo habe sich stellenweise um mehr als zehn Prozent verändert.

Staubteufel und Riesenstürme heizen dem Mars ein

Auslöser der Veränderung des Klimas ist das rege Wettergeschehen auf dem Planeten, das die Forscher in einem Modell im Detail untersuchten: Durch die unterschiedliche Aufheizung der Oberfläche entstehen lokale Staubstürme - kleine, sogenannte Dust Devils (Staubteufel), aber auch Stürme, die weite Teile des Planeten betreffen. Die Stürme reißen große Mengen Staub mit sich und formen so die Oberfläche des Planeten immer wieder neu.

Über dunklen Regionen an der Oberfläche seien die Windgeschwindigkeiten höher als über hellen, schreiben die Forscher - ein Gegensatz, der sich sogar noch weiter verstärken werde, da jeder Sturm Staub abtransportiere und sich die Oberfläche dadurch weiter verdunkle. Fenton spricht von einer "positiven Rückkopplung", bei der sich die Phänomene gegenseitig verstärkten.

Die Erwärmung könnte auch die Ursache für den Rückgang des Eises am Südpol des Planeten sein, den Astronomen derzeit beobachten, vermuten die Wissenschaftler. Wie viel Wasser dort genau gefroren liegt, ist nach wie vor unklar. Kürzlich waren neue, riesige Depots entdeckt worden. Erst im Februar hatten Forscher neue Erkenntnisse über den Einfluss nächtlicher Wolken in der Marsatmosphäre veröffentlicht.

Im Vergleich zur jener der Erde ist die Atmosphäre des Mars recht dünn und setzt sich aus einem anderen Gasgemisch zusammen. Sauerstoff fehlt vollständig. Schließlich gibt es auf dem Wüstenplaneten auch keine bekannte Vegetation. Parallelen zum Trend der globalen Erwärmung auf der Erde lassen sich also nicht ziehen.

stx/AFP/ddp

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