Rasender Trabant: Planet kreist in Rekordzeit

Nur gute 28 Stunden braucht ein von deutschen Astronomen entdeckter Planet, um sein Heimatgestirn einmal zu umrunden. Der Rekordhalter verriet sich durch eine Verdunklung des sonnenähnlichen Sterns.

Stern OGLE-TR-3: Leichtes Taumeln
ESO

Stern OGLE-TR-3: Leichtes Taumeln

Von den über hundert Trabanten, die Astronomen bislang im Kraftfeld ferner Sterne entdeckt haben, folgen viele höchst extravaganten und lebensfeindlichen Bahnen. Ein neuer, von einem deutschen Forscherteam aufgespürter Trabant sticht jedoch selbst aus dieser kosmischen Freakshow heraus: Er scheint die Runde um seinen Heimatstern in 28,5 Stunden zu vollenden - damit ist er Rekordhalter unter den bekannten Planeten.

Die Wissenschaftler um Stefan Dreizler vom Institut für Astronomie und Astrophysik in Tübingen hatten den sonnenähnlichen Stern OGLE-TR-3 mit dem Very Large Telescope in Chile beobachtet. Die Spektralaufnahmen, die das Riesenauge der Europäischen Südsternwarte lieferte, lassen darauf schließen, dass es sich bei dem Trabanten um einen Gasplaneten von vermutlich rund einer halben Jupitermasse handelt.

Der Planet umkreist sein Heimatgestirn offenbar in einer Distanz von nur 3,5 Millionen Kilometern. Dagegen erscheint die Bahn von Merkur, dem innersten Trabanten unseres Sonnensystems, fast komfortabel: Er hält zur Sonne mehr als den 16-fachen Abstand ein, nämlich rund 58 Millionen Kilometer. Wahrscheinlich verliert der ferne Planet, auf dem Temperaturen von bis zu 2000 Grad Celsius herrschen dürften, seine Atmosphäre im Eiltempo.

Der heiße Exot um OGLE-TR-3 ist erst der dritte Planet außerhalb unseres Sonnensystems, der sich durch einen so genannten Transit, also eine Passage vor seinem Zentralgestirn, verraten hat. Einen ersten Hinweis auf seine Existenz lieferte im vergangenen Jahr das "Optical Gravitational Lensing Experiment" (OGLE). Nach der Beobachtung von rund fünf Millionen Sternen blieben 59 Kandidaten übrig, deren Helligkeit regelmäßig leicht abnimmt.

Einer dieser Sterne ist OGLE-TR-3: Er verdunkelt sich alle 28 Stunden und 33 Minuten um zwei Prozent. Dreizler und seine Kollegen konnten nun nachweisen, dass mit großer Wahrscheinlichkeit ein Planet für diese Schwankungen verantwortlich ist. Wie ihre Spektralmessungen ergaben, wackelt der Stern leicht hin und her - ein Taumeln, wie es von der Anziehungskraft eines großen Planeten verursacht werden kann.

Mit dieser Methode, dem so genannten Radialgeschwindigkeitsverfahren, haben Astronomen fast alle bislang bekannten extrasolaren Planeten entdeckt. Genauere Informationen über einen Trabanten erhalten die Forscher allerdings nur, wenn sie ihn - wie in diesem Fall - auch bei einem Transit verfolgen können. Möglicherweise lässt sich der heiße Planet um OGLE-TR-3 sogar direkt beobachten: Er könnte durch starke Infrarotstrahlung auffallen.

Martin Paetsch

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback