Private Raumfahrt Mini-Shuttle könnte in Rostock landen

Im Jahr 2016 soll die private US-Raumfähre "Dream Chaser" erstmals ins Weltall starten. Als möglicher Landeort für spätere Flüge ist Rostock im Gespräch. Ob das aber praktikabel ist, steht in den Sternen.

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REUTERS

Hamburg - Die Anfänge der Raumfahrt liegen in Mecklenburg-Vorpommern. Zwar ist von dort noch keine Rakete ins All gestartet. Doch ihre Technik wurde in den Vierzigerjahren auf der Insel Usedom entwickelt: In Peenemünde testeten Ingenieure um Wernher von Braun das "Aggregat 4". Die Nazis nannten die Rakete "Vergeltungswaffe 2" und terrorisierten mit ihr englische Städte. Nach dem Zweiten Weltkrieg konstruierte Braun Raketen für die US-Weltraumbehörde Nasa, darunter die "Saturn"-Rakete, mit der die ersten Menschen den Mond erreichten.

Vielleicht aber wird Mecklenburg-Vorpommern doch noch zum Ziel für Astronauten und unbemannte Raumschiffe. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat in einer Studie nach Landeplätzen in Deutschland gesucht - und dabei den Flughafen Rostock-Laage als möglichen Weltraumbahnhof identifiziert. Mecklenburg-Vorpommern gilt wegen des vergleichsweise geringen Flugverkehrs als idealer Standort für die Landung von Raumfahrzeugen.

Anlass der Suche in Deutschland ist die Zusammenarbeit mit der US-Firma Sierra Nevada Corporation (SNC). Sie hat einen Raumgleiter entwickelt, der an die außer Dienst gestellten Spaceshuttles der Nasa erinnert. Der "Dream Chaser", mit zehn Metern Länge etwa ein Drittel so lang wie ein Spacshuttle, ist freilich noch nicht ins Weltall geflogen. Es gab bislang nur einfache Flugtests mit einem Prototypen.

Partnersuche in Europa

SNC hatte sich auch bei der Nasa um den Auftrag beworben, künftig US-Astronauten gegen Bezahlung zur Raumstation ISS zu fliegen. Doch das Unternehmen bekam den Auftrag nicht - stattdessen werden Boeing und SpaceX den Transport ab dem Jahr 2017 übernehmen.

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Nun sucht SNC offenbar Partner in Europa. Nach Angaben von DLR-Sprecher Andreas Schütz wurde bereits ein Vorvertrag geschlossen. Darin gehe es um mögliche Experimente in der Schwerelosigkeit an Bord des "Dream Chaser".

Wer zahlt?

SNC plant nach eigenen Angaben im November 2016 den ersten unbemannten Flug seines Raumgleiters ins All. Eine Atlas-5-Rakete soll den "Dream Chaser" in eine vergleichsweise niedrige Umlaufbahn schießen. Nach maximal einem Tag ist die Rückkehr zur Edwards Air Force Base in Kalifornien vorgesehen. Der erste bemannte Flug könnte 2017 stattfinden. Die Finanzierung ist allerdings bislang unklar.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, gab es bereits erste Gespräche mit der Landesregierung in Schwerin und der Flughafendirektion Rostock-Laage. Das DLR werbe bei der Bundesregierung und diversen Ministerien für einen entsprechenden gesetzlichen Rahmen: Kommerzielle Raumtransporte seien derzeit in Deutschland noch nicht zulässig.

Laut den Überlegungen beim DLR könnte der "Dream Chaser" Transporte von der ISS zurück zur Erde übernehmen. Wenn zurückkehrende Raumschiffe statt wie bisher in Kasachstan oder den USA künftig auch in Deutschland landeten, könnte sensibles Forschungsmaterial schneller in deutsche Labors gelangen. "Endlich könnten die Wissenschaftler den direkten Einfluss des Weltraums auf lebendige Zellen im eigenen Labor messen", sagt Jürgen Drescher, Leiter des Washingtoner DLR-Büros, dem "Handelsblatt".

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Die Suche nach einem deutschen Weltraumbahnhof ist natürlich auch eine Reaktion auf entsprechende Aktivitäten in anderen europäischen Ländern. In Spanien, Großbritannien und Schweden sind solche speziellen Landeplätze bereits in Planung - nun will Deutschland nachziehen.

Starts von Deutschland aus sind allerdings erst einmal ausgeschlossen. Nach der Landung müsste der "Dream Chaser" also wieder in die USA zurückgebracht werden. Wie das funktionieren soll und was es kosten würde, verrät SNC bislang allerdings nicht.

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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
Crom 30.01.2015
1.
Wie wäre es mit Kassel, zentral gelegen und sonst ist dort nix los aufm dem Flughafen.
ahhcrap 30.01.2015
2.
Flughafen Karlsruhe -Baden Baden Technologie Zentrum in KA reiche Russen in Baden Baden Antonow kann auch starten und landen zwecks Rucktransport
hansmaus 30.01.2015
3.
ist das politisch korrekt Rostock in Verbindung mit Raketen etc. zu nennen? darf man das überhaupt`?????
JF65 30.01.2015
4. Keine Rakete im All?
Der Satz:..Zwar ist von dort noch keine Rakete ins All gestartet... kann nicht ganz stimmen. Laut Aussagen von www.peenemuende.de gelang im Oktober 1942 von Peenemünde aus der weltweit erste Start einer Rakete ins All.
billigbruehe 30.01.2015
5. versteh ich nicht?
Der liebe Hansmaus und seine bissigen Kommentare. Warum soll man nicht Rostock mit Raketen in Verbindung bringen? Oder war das Ironie...? Bitte um Aufklärung.
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