Raumfahrt: Roboter sollen Astronauten fit machen

Maschinenhilfe gegen den inneren Schweinehund: Deutsche Wissenschaftler wollen mit Robotern die Fitness von Astronauten im All verbessern. Die Maschinen sollen die Raumfahrer zum Training animieren - selbst wenn die eigentlich gar keine Lust haben.

Training im All: Roboter gegen inneren Schweinehund Fotos
Universität Bielefeld

Bielefeld - Lange Weltraumreisen sind eine Belastung für die Astronauten. In der Schwerelosigkeit bauen Muskeln und Knochen rapide ab. Dazu kommen Dauerstress und zum Teil auch soziale Isolation. Deutsche Forscher testen nun, ob Roboter den Astronauten als Fitness-Coachs dienen und ihnen auch emotional zur Seite stehen können.

Für das Forschungsprojekt der Universität Bielefeld sollen Systeme mit künstlicher Intelligenz und sozialer Interaktionsfähigkeit ausgestattet werden. Die soll es ihnen nach Angaben der Hochschule erlauben, sich "flexibel an die Gemütslage der Astronauten anzupassen und aus der Reaktion des menschlichen Partners verbesserte Interaktionsstrategien abzuleiten". Mit anderen Worten: Der Roboter-Fitnesscoach muss einschätzen, wie sein menschlicher Schützling drauf ist und ihn mit den richtigen Worten dazu bringen, etwas für seine Gesundheit zu tun. Dazu muss er die Worte und Gesten seines Gegenübers verstehen.

Computer als Partner für soziale Kontakte? Das klingt arg nach Systemen wie "Gerty", die im neuen Science-Fiction-Drama "Moon" von Sam Rockwell den Titelhelden Sam auf einer Mondbasis zur Seite steht. Und natürlich nach dem legendären "HAL 9000" aus Stanley Kubricks "2001 - Odyssee im Weltraum".

Doch das auf drei Jahre angelegte Bielefelder Projekt ist mehr als Science Fiction. Basis ist der Roboterkopf "Flobi", der weniger an einen realen Menschen als an eine Comicfigur erinnert. Sogenanntes Affective Computing liegt weltweit im Trend: In einigen japanischen Altersheimen kommen bereits Kuschelroboter zum Einsatz. Die künstlichen Robben sollen die Senioren vor dem Gefühl der Vereinsamung schützen und zur Aktivität animieren.

Die Bielefelder Entwicklung soll eine ähnliche Aufgabe erfüllen - wenn auch in anderer Umgebung. Am Ende des Projekts steht eine Isolationsstudie am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Dort sollen Versuchspersonen mit den Robotern mehrere Wochen lang in einem geschlossenen Lebensumfeld verbringen. Wissenschaftler wollen dabei überprüfen, ob und wie die Maschinen die Trainingsleistungen und Stimmungslage der Probanden beeinflussen.

chs/dpa

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