Raumfahrt: US-Firma plant gewaltige Transportrakete

Es wäre ein spektakulärer Coup in der Raumfahrt: Ausgerechnet ein privates Unternehmen will die stärkste Transportrakete seit dem Apollo-Mondprogramm bauen. Die "Falcon Heavy" soll Nutzlasten zudem konkurrenzlos billig in den Orbit bringen - doch unabhängige Fachleute hegen Zweifel.

"Falcon Heavy": SpaceX plant Raketen-Gigant Fotos
AP

Für die Zukunft der Raumfahrt sind neue Raketen nötig: Bemannte Missionen zu Mond, Mars oder Asteroiden erfordern Modelle, die leistungsstärker als die heute verfügbaren sind. Zudem sollen die Kosten pro Start nicht steigen, sondern sinken. So stellen die USA ihr Shuttle-Programm unter anderem wegen der hohen Kosten dieses Jahr ein und müssen gegenwärtig russische Raketen chartern, um ihre Astronauten ins All zu befördern.

Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX hat gestern eine Rakete vorgestellt, die sich den beiden Problemen gleichzeitig annimmt. Die "Falcon Heavy" soll 2013 zu ihrem ersten Testflug starten. Sie basiert auf dem Design der "Falcon 9", die bereits erfolgreiche Testflüge absolviert hat und für die US-Weltraumbehörde Nasa die Internationale Raumstation (ISS) anfliegen soll.

Die "Falcon Heavy" soll mehr als 50 Tonnen zur ISS befördern, ein einzelner Start soll 100 Millionen Dollar kosten. Die Kosten für die Beförderung der Nutzlast in den erdnahen Orbit gibt SpaceX mit rund 2000 Dollar pro Kilogramm an. Das wäre nur halb so viel wie der aktuelle Durchschnittspreis mit nicht-westlichen Schwerlastraketen. Beim Transport mit schweren Raketen westlicher Staaten werden im Schnitt sogar fast 9000 Dollar fällig. Allerdings dürfte die Preisangabe von SpaceX derzeit mit Vorsicht zu genießen sein - Raumfahrt-Projekte haben generell die Tendenz, am Ende teurer zu sein als in der Planungsphase.

Die "Falcon Heavy" benutzt die dreifache Anzahl von weiterentwickelten "Falcon 9"-Triebwerken und kommt so auf eine beeindruckende Zahl von 27 Hauptmotoren. Sie bringen die Leistung von etwa 15 Boeing 747 und machen die Rakete zu einer der stärksten in der Geschichte - auch wenn ihre Kraft nicht reicht, um einen bemannten Marsflug anzuschieben. Nur einige waren noch leistungsfähiger: die "Saturn V", die von den USA für die Mondflüge benutzt wurde und sogar mehr als 180 Tonnen in den Orbit befördern konnte und einige russische Modelle, die aber nicht routinemäßig zum Einsatz kamen. Zwar ist die "Falcon Heavy" in erster Linie zum Lasttransport entwickelt worden, doch sie könnte auch umgebaut werden, um in der bemannten Raumfahrt zum Einsatz zu kommen.

Einige Experten stehen den Ankündigungen noch skeptisch gegenüber. Henry Lambright, Raumfahrtforscher an der Syracuse University im Bundesstaat New York, bemerkt, dass private Raumfahrtunternehmen viele unerfüllte Versprechen gemacht haben. SpaceX hat in der Vergangenheit immerhin Erfolge gefeiert: Unter anderem konnte die Firma als erstes Privatunternehmen eine Raumkapsel in den Orbit befördern und heil wieder zur Erde bringen.

hrb/Reuters/dapd

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